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Am Arbeitsmarkt ist ein zarter Hauch von Optimismus zu spüren. Das wollen neue Vermittlungsangebote nutzen

Jobs auf allen Kanälen

Kaum war der erste deutschsprachige Fernsehkanal für Arbeitssuchende auf Sendung, da fällten die Redakteure von Spiegel online ihr Urteil: "Das Programm ist noch langweiliger, als in der Arbeitsagentur zu warten." Am 11. Januar war der neue Satellitenkanal JobTV24 erstmals auf Sendung gegangen, um zwischen 9.30 und 17.30 Uhr fortlaufend offene Stellen zu präsentieren – eine Woche später ätzte der Online-Dienst, der Erwerbssuchende habe in dieser Zeit "alle Chancen der Welt, sich unglaublich zu langweilen".

Chef der JobTV24 GmbH in Berlin Spandau ist Rainer Zugehör, zuletzt bei Audi verantwortlich für die gesamte personalpolitische Projektarbeit. Finanziert wird JobTV24 von privaten Investoren und Venture-Capital-Unternehmen. Zu den Gesellschaftern gehört auch Christian Mangstl, Mitgründer und Aufsichtsrat der Scout24-Gruppe.

TV und Web laufen parallel

Die Verbindung zu Scout24 geht jedoch über eine reine Finanzbeteiligung hinaus. Pünktlich zum Sendestart gaben JobTV24 und das Scout24-Job-Portal Jobscout24 eine Kooperation bekannt: Personalsuchende können ihr Anliegen parallel über Satelliten-TV (theoretische Reichweite ca. zwölf Millionen Menschen) und über das Internet verbreiten. Dabei setzt Jobscout24-Geschäftsführer Johannes Hack gezielt auf die medialen Unterschiede beider Kanäle: "Durch die Kooperation mit JobTV24 bieten wir unseren Kunden als einziger Online-Karrieremarkt die Möglichkeit, ihr Unternehmen und ihre Vakanz in einem zielgruppenspezifischen Sender zu präsentieren." Während die Job-Börse im Web mit ihren Suchmöglichkeiten und klaren Textinformationen punkten kann, sollen sich Unternehmen mit Personalbedarf im Fernsehen eher über Image-Filme, Interviews und andere TV-Ausdrucksmittel präsentieren. Bei JobTV24 dagegen will man sich nicht für ewig auf den einen Kanal auf dem Astra-Satelliten festlegen – in Pressemitteilungen merkt der Sender schon jetzt an, dass die Reichweite bei Streaming-TV im Internet nahezu unbegrenzt sei.

In den Markt der elektronischen Arbeitsvermittlung ist Bewegung gekommen – und zwar trotz Job-TV nahezu ausschließlich im Internet. Während in einstmals führenden Print-Stellenmärkten die Umfänge dauerhaft weit von den Glanzzeiten des späten 20. Jahrhunderts entfernt bleiben, wittern Online-Job-Börsen wie Monster.de Morgenluft. Nach einer Studie von Nielsen Netratings hat zwischen Juli und September 2005 jeder vierte deutsche Internet-Nutzer eine Stellenbörse angeklickt. Einsamer Spitzenreiter bei den deutschen Job-Portalen ist das Online-Angebot der Arbeitsagentur mit 3,7 Millionen Unique Usern. In Europa wird es nur noch von der Monster-Gruppe übertroffen, die es auf 5,2 Millionen Unique User bringt (siehe auch Ausgabe 15/05, S. 5).

Jenseits der großen Job-Portale bietet der Personalmarkt auch noch Raum für spezialisierte Angebote. So hat sich die Jobdoo GmbH & Co. KG aus Hamburg auf die Vermittlung von privaten Handwerkeraufträgen im Wege einer Auktion verschrieben. Interessanterweise, so betont Jobdoo-Geschäftsführer Kay Foitschik, bekomme dabei keineswegs immer der billigste Anbieter den Zuschlag: "Nur 20 Prozent der Nutzer entscheiden sich für den günstigsten Bieter. 80 Prozent wählen aus allen Bietern ihren Wunschhandwerker aus. Der Preis spielt offensichtlich nicht immer die Hauptrolle." Ihre Kompetenz müssen die Handwerker bei der Registrierung nachweisen, indem sie ihren Gewerbeschein und eventuelle Zusatzqualifikationen vorlegen. Auf diese Weise wurden über Jobdoo nach Unternehmensangaben im vergangenen Jahr Aufträge für 14 Millionen Euro vermittelt. Einen deutlichen Schub erhofft sich Foitschik von einer Gesetzesänderung, wonach ab 1. Januar 2006 Privathaushalte 20 Prozent der angefallenen Handwerkerrechnungen von der Steuer absetzen können, bis zu einer Höchstgrenze von 3.000 Euro.

Bescheidener Start

Ebenfalls auf Qualität statt Dumping setzt die Projekt Data AG aus Wiesbaden mit ihrer Handwerksbörse Suche-handwerk.de. In einer Pressemitteilung wettert Geschäftsführer Jürgen B. Schmidt gegen den Billigtrend bei Handwerker-Auktionen: "Qualität ist vorher schwer zu beurteilen – und es gewinnt meist ein Billigheimer." In seinem Portal seien dagegen rund 630.000 Handwerker eingetragen, die sich mit einem umfassenden Qualifikationsprofil auszeichnen. Auch bei Suche-handwerk.de entscheidet bis zuletzt der Kunde, wer den Zuschlag erhält. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass das Portal im Moment noch auf recht kleinem Niveau arbeitet. "Genaue Umsatzzahlen kann ich Ihnen nicht nennen", erklärt Webmaster Dominique Mouloud auf Nachfrage, "weil wir erst Ende 2005 mit einem neuen Pay-Tool gestartet sind. Seitdem haben bereits mehr als zehn Handwerker den kostenpflichtigen Zugang zu den eingereichten Ausschreibungen genutzt". Aller Anfang ist eben schwer.

Auf Jobs der ganz speziellen Sorte hat sich das Portal Nexxt-change spezialisiert. Es ist Anfang 2006 als Zusammenschluss der Unternehmensbörsen "Nexxt" und "Change/chance" entstanden und stellt sich jetzt als "bundesweit größter Marktplatz für Unternehmensnachfolgen" dar. Zu den Mitinitiatoren gehört das Wirtschaftsministerium, was vermutlich daran liegt, dass jährlich rund 71.000 Unternehmen vom Generationenwechsel und der damit verbundenen Nachfolgefrage betroffen sind – und damit knapp 680.000 Arbeitsplätze. Treibende Kraft hinter dem Nachfolgeportal ist der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Dessen Präsident Christopher Pleister sieht "Nexxt-change" als Fortführung einer langjährigen Geschäftspolitik. Und er will damit Unternehmensschließungen vermeiden. Denn nach Angaben des BVR müssen jedes Jahr rund 5.000 Firmen dicht machen, weil sich kein Nachfolger findet. fk z

IT-Arbeitsmarkt kommt in Schwung

Während sich die Experten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt schwer tun bei der Formulierung optimistischer Prognosen, ist im IT-Bereich die Trendwende eindeutig geschafft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Personaldienstleisters Adecco. Danach gab es im Jahr 2005 in Deutschland 25 Prozent mehr offene Stellen als im Jahr zuvor. Wurden im Jahr 2004 noch 16.673 Offerten gezählt, stieg das Angebot im Jahr 2005 auf 20.961 Vakanzen – Indiz für eine deutlich gestiegene Nachfrage nach IT-Fachleuten. Die IT-Wochenzeitung "Computerwoche" hat eine inhaltliche Verschiebung bei den gesuchten IT-Spezialisten ausgemacht: Während die Nachfrage nach Netzwerk- und Großrechner-Experten leicht nachgelassen habe, sei die Zahl der Stellenangebote im Bereich Internet/Online um 50 Prozent nach oben geschnellt. Als wichtigste Qualifikation für eine Karriere in der IT-Branche gilt nach wie vor ein Informatik-Studium, aber auch qualifizierte Wirtschaftsinformatiker wurden stark nachgefragt. Die Zahl der Offerten für Bewerber mit dieser Qualifikation hat sich in den letzten beiden Jahren auf 870 verdoppelt.

0602026

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