INTERNET WORLD Business




Joomla oder Mambo? – Im OS-Lager herrscht Zoff

Für Anhänger des beliebten PHP-basierten Content Management Systems Mambo gab es 2005 einen herben Herbst. Fast das komplette Kern-Entwicklerteam hatte sich mit der Firma Miro überworfen.

Die treibenden Kräfte hinter Mambo haben aber nicht nur "ihrem" System den Rücken gekehrt, sondern flugs ein Konkurrenz-CMS aufgesetzt: "Joomla".

So verständlich die Entscheidung aus menschlicher Sicht sein mag, so prekär ist die Lage für all diejenigen, die selbst oder für Kunden ein System mit Mambo implementiert und unterstützt haben: Ist das alte System jetzt tot? Ist das neue nur eine Modeerscheinung und verschwindet bald wieder in der Versenkung? Die Anwender sind zu Recht irritiert. Nicht selten schlägt die Unsicherheit in Wut um, je nach Parteinahme auf Miro, die abtrünnigen Entwickler oder auf beide.

Den Streit zwischen den zwei Seiten können wir zwar nicht schlichten, ein Blick auf den technologischen Hintergrund kann an dieser Stelle aber dem Anwender eine kleine Entscheidungshilfe bei der Systemwahl geben: Die Code-Basis von Joomla ist – mit minimalen Modifikationen – Mambo in Version 4.5.2. Das neu geschaffene Joomla-Team hat relativ bald nach Erscheinen der Version "1.0" Updates herausgegeben, mit denen auch Sicherheitslücken geschlossen wurden; die Patches für Letztere konnten auch mehr oder minder problemlos auf Mambo eingesetzt werden.

Momentan entwickeln sich beide Systeme parallel zueinander weiter, denn innerhalb der aktuellen Hauptversionen (Mambo 4.x, Joomla 1.x) sind nur wenige Features hinzugekommen. Erweiterungen für die Systeme sind weitgehend kompatibel, auch die Datenstruktur ist gleich geblieben. Insofern ist es momentan fast egal, welches System zum Einsatz kommt. Die Joomla-Entwickler basteln weiterhin an ihrem neuen Baby, und Mambo hat ein neues Kernteam und auch schon neue Versionen veröffentlicht.

Interessant wird es allerdings bei den nächsten größeren Updates, Mambo 5 und Joomla 2. Hier werden die beiden Systeme wohl weiter auseinanderdriften. Bis dahin aber gibt es keinen Grund für einen übereilten Systemwechsel.

Christian Wenz ist Autor, Berater im Web-Umfeld und Sicherheitsexperte. www.hauser-wenz.de

comments powered by Disqus