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MP3-Dienste enttäuschen

Auch wenn immer mehr amerikanische Mobilfunkriesen in das potenziell viel versprechende Geschäft mit der Digitalmusik für unterwegs einsteigen, bleiben US-Handy-Songdienste bislang hinter den Erwartungen zurück. Als bislang letztes Schwergewicht der US-Mobilfunkbranche hat Verizon ein Musik-on-the-go-Angebot namens "V Cast Music" gestartet. 15 Dollar kostet die Nutzung des Services monatlich, zusätzlich schlagen heruntergeladene Musikstücke mit 99 Cents beziehungsweise 1,99 Dollar zu Buche. Verizon orientiert sich mit dieser Preispolitik am Rivalen Sprint, bei dem Song-Downloads sogar 2,50 Dollar kosten – was Analysten zufolge deutlich zu viel ist. Ein weiterer bedeutender Anbieter ist der Rhapsody-Dienst von Realnetworks, der gegen eine Abogebühr Radio-Streaming auf Handys offeriert.

Der Erfolg von Apples portablem Musikplayer Ipod und des Online-Musikladens Itunes hat in den USA Nachahmer aus dem Mobilfunk-Bereich inspiriert, das Konzept auf den Handy-Markt zu übertragen, bisher allerdings mit kaum nennenswertem Erfolg. Selbst das in Kooperation von Cingular, Motorola und Apple lancierte – und von einem ordentlichen Medienhype begleitete – "Rokr"-Handy, das den Zugriff auf Itunes ermöglicht, bleibt hinter den Erwartungen zurück. Das unterstreichen jüngste Studien der Marktforschungsgesellschaft Gartner, denen zufolge weniger als fünf Prozent der amerikanischen Handy-Nutzer Musik- oder Videoangebote auf ihre Mobiltelefone herunterladen.

Die Kunden sind noch zu verunsichert. Einerseits sei die unausgereifte Technik – insbesondere die Batterieleistung, Speicherkapazität und Download-Geschwindigkeit der Geräte – kaum für einen unkomplizierten Musikgenuss für unterwegs geeignet, kommentieren die Analysten. Zum anderen gilt die Vielfalt der Dienste als unübersichtlich.

Nichtsdestotrotz wird die digitale Musik der Zukunft mittelfristig auf Funktelefonen spielen: Alleine in den USA sind rund 200 Millionen Geräte in Betrieb; weltweit werden jährlich über 500 Millionen neue Handys verkauft. js

Jochen Siegle

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