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Stephan Schambach ist überzeugt, dass sich Software als Dienstleistung durchsetzt

Nur erfolgsabhängig für IT bezahlen

Wie entstand die Idee für Ihr Unternehmen Demandware?

Stephan Schambach: Nach vielen Jahren E-Commerce-Erfahrung wurde mir klar, dass das Betreiben von E-Commerce-Lösungen für die Anwender sehr schwierig ist: Die Kosten laufen davon, die Unternehmen haben wenig Flexibilität. Sie sind von der ständig nötigen Innovation abgeschnitten und haben zu wenig Kontrolle über ihr Web-Business. Deshalb bietet Demandware eine komplette E-Commerce-Lösung auf Mietbasis. Jegliche Investitionen in Hardware, Software und Wartung entfallen, unser Kunde zahlt nur eine Monatsgebühr. Wir entwickeln ständig neue Features und bringen sie vom amerikanischen Markt ohne Verzögerung zu unseren Kunden nach Deutschland.

Wie viel kostet der Service?

Schambach: Die Kosten sind vom Umsatz abhängig.

"Neue Technologien wie Grid Computing haben die technische Grundlage für die Machbarkeit geschaffen."

Für welche E-Commerce-Unternehmen lohnt es sich, Kunde von Demandware zu werden?

Schambach: Es lohnt sich für alle Unternehmen, die eine oder mehrere E-Commerce-Websites im B-to-C-Bereich mit mindestens fünf Millionen Euro Umsatz pro Jahr betreiben.

Wie viel Kosten spart ein Online-Händler, wenn er Ihr Angebot nutzt, und wie berechnen Sie das?

Schambach: Die meisten unserer Kunden haben sich nicht wegen der Kostenersparnis, sondern wegen der Umsatzsteigerung durch Merchandising-Features für Demandware entschieden. Ein Beispiel: Bisher konnten sich nur die größten Versandhändler multivariantes Testen erlauben. Denn dafür wurde eine eigene Analytics Practice und ein schnell reagierendes und großes IT-Team benötigt, was pro Jahr gut eine Million Euro aufwärts kostet. Demandware hat diese Prozesse automatisiert und die nötigen Werkzeuge wie A/B-Testing fest eingebaut.

Was ist der Unterschied zwischen dem ASP-Modell und dem von Ihnen propagierten "Software as a Service" (Software als Dienstleistung)?

Schambach: Software as a Service bietet viele Vorteile: Die Software wird von Demandware automatisch gepflegt und erhält in kurzen Abständen immer wieder neue Features, ohne dass sich der Kunde darum kümmern muss. Egal wie viel Umsatz auf dem System gemacht wird – Demandware schaltet automatisch Rechenleistung dazu. Es gibt keine langfristigen Knebelverträge, und das System lässt sich von jedem Dienstleister oder vom Kunden selbst konfigurieren. Die tägliche Flexibilität bleibt im Gegensatz zum ASP-Modell erhalten.

Begibt man sich als Online-Händler nicht in eine große Abhängigkeit, wenn man die IT auslagert?

Schambach: Heute sind viele E-Commerce-Entscheider bereits in der Abhängigkeit von ASPs oder ihrer eigenen IT-Abteilung. Demandware bietet mehr Unabhängigkeit und Flexibilität als andere Modelle, denn wir liefern alle Werkzeuge, die notwendig sind, um eine E-Commerce-Site profitabel zu betreiben.

Wenn deutsche Online-Händler Kunden bei Demandware werden, lagern ihre Daten in den USA. Kann das nicht zu rechtlichen Problemen führen?

Schambach: Nein, das haben wir genau geprüft. Die gesetzlichen Regelungen lassen sich unabhängig vom Standort eines Rechners einhalten. Viele andere Unternehmen im Software-as-a-Service-Umfeld demonstrieren das ja schon seit Jahren. Davon abgesehen haben wir auch ein System in Deutschland in Planung.

In Ihrem Vortrag während des Kongresses Online Handel in Wiesbaden sagten Sie, dass Software "On-Demand" das herkömmliche Lizenzmodell komplett ablösen wird. Warum glauben Sie das?

Schambach: Software as a Service als Dienstleistung, erlaubt Unternehmen, sich auf ihre Kernkompetenz zu konzentrieren und nur erfolgsabhängig für IT zu bezahlen. Das macht einfach mehr Sinn. Das Internet sowie neue Technologien wie Grid Computing und Web Services haben nur die technische Grundlage für die Machbarkeit geschaffen – den Bedarf gab es schon immer.

Nach dem Platzen der Dotcom-Blase haben sich viele Geldgeber aus dem Internet-Bereich zurückgezogen. Sie haben eigenes Geld in Demandware gesteckt, zusätzlich wird das Unternehmen von zwei Venture-Capital-Firmen finanziert. Ist es in den USA für Internet-Start-ups nun wieder leichter, an VC-Capital zu kommen?

Schambach: Es ist wesentlich leichter in den USA als in Deutschland, Venture Capital zu erhalten. Und man erhält auch größere Summen, wenn man ein tragfähiges Modell vorweisen kann.

Was sind die Pläne von Demandware im deutschen Markt?

Schambach: Wir arbeiten in Deutschland mit unserem Partner T-Systems Multimedia Solutions zusammen und gewinnen erste Kunden wie zum Beispiel Promarkt. Das wollen wir weiter ausbauen.

Was betrachten Sie als größte Herausforderung in diesem Jahr?

Schambach: Wir sind ein junges Unternehmen und müssen Vertrauen erwerben. Das gelingt nur durch zufriedene und erfolgreiche Kunden. Wir sind deshalb froh, mehrere namhaften Kunden durch ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft gebracht zu haben.

Das Interview führte Ingrid Schutzmann

Stephan Schambach

Stephan Schambach hat 1992 den Anbieter von E-Commerce-Lösungen Intershop Communications AG in Jena gegründet und war dort bis Juli 2003 Vorstandsvorsitzender. Anfang 2004 verließ er das Unternehmen und gründete in der Nähe von Boston Demandware Inc., dessen President und CEO er ist. Das Unternehmen bietet eine E-Commmerce-Plattform auf Mietbasis für mittelständische Online-Retailer an.www.demandware.com

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