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Experten fürchten weitere Professionalisierung der Online-Verbrechen in 2006

Wehrlos gegen Cybercrime

Das Jahr 2006 wird ein gutes Jahr – auch für Cyber-Kriminelle. Zunehmend werden auch Web-Unternehmer Ziel von verbrecherischen Angriffen. Ihnen könnte es ergehen wie dem Studenten und Millionär Alex Tew, der als Gründer der Milliondollarhomepage.com bekannt wurde. Mitte Januar soll ein Erpresser 42.000 US-Dollar gefordert haben. Anderenfalls, so die Drohung, werde Tews Website durch eine Denial-of-Service-Attacke lahm gelegt. "Jedes Unternehmen, das einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, kann Opfer eines solchen Cyber-Verbrechens werden", warnt Security-Experte Michael Rudrich von Cipher Trust. Dass diese gar nicht so selten sind, zeigte erst im Dezember der Fall eines Erpressers, der deutschen Adword-Inserenten drohte, er werde erfolgreiche Google-Kampagnen torpedieren, wenn er nicht bezahlt werde. Für Web-Unternehmen ändert sich damit das Bedrohungsszenario. "Das ,GuteÔ an den Breitenangriffen der Script-Kiddies war, dass sie sich auch mit Breitenlösungen bekämpfen ließen", sagt Johann Miller, Geschäftsführer vom Sicherheits-Spezialisten Integralis. "Die Bekämpfung der neuen Form der Kriminalität ist dagegen weitaus schwieriger." Virenscanner und Firewall schützen schließlich nicht vor Erpressung. Eine der häufigsten Angriffsformen für diese Verbrechen sind so genannte "verteilte Denial-of-Service-Attacken". Dabei werden zahlreiche verseuchte Rechner ferngesteuert, um eine bestimmte Website so oft aufzurufen, bis sie unter der Last der Anfragen zusammenbricht. "2005 stieg die Zahl derartiger Angriffe um 680 Prozent", hat Trygve Aasland, CEO von Norman Data Defense errechnet. "Dieser Trend wird sich 2006 fortsetzen." Als Zeichen für diese Entwicklung werten die Experten auch, dass es 2005 außer Sober kaum großflächige Angriffe gab. Die neue Form der Attacken ziele eben nicht auf Zerstörung, sondern auf finanziellen Nutzen. Dafür brauche man keine Unmengen verseuchten Schadcodes. dg

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