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Mit Unterstützung durch Motorola beginnt ein Pilotbetrieb in Würzburg

Holtzbrinck testet WiMAX

In verschiedenen deutschen Städten, zum Beispiel Düsseldorf, laufen derzeit Pilotprojekte, um die drahtlose Übertragungstechnologie WiMAX (Worldwide Interoperability for Microwave Access) zu testen. Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und der Hersteller Motorola haben nun einen WiMAX-Versuch in Würzburg gestartet, um herauszufinden, "inwieweit Technologien wie WiMAX dabei helfen können, Medienunternehmen erfolgreich in den Telekommunikationsmarkt zu führen", teilen beide Firmen mit.

WiMAX ist ein Standard für Funknetze und eine Weiterentwicklung der WLAN-Technologie. Während herkömmliches WLAN nur kurze Entfernungen abdeckt, beträgt der typische WiMAX-Zellenradius laut WiMAX-Forum zwischen drei und zehn Kilometern mit Übertragungsraten von bis zu 40 MBit/s.

In Würzburg haben der Holtzbrinck-Verlag und Motorola drei WiMAX-Basisstationen aufgestellt. "Wir testen die Reichweite und die Übertragungsraten", erklärt Marc Zeimetz, Leiter Beteiligungsmanagement Zeitungen beim Verlag Georg von Holtzbrinck. Der Pilotbetrieb "Motowi4-WiMAX" wird bei der Mediengruppe Main-Post, einem Tochterunternehmen der Stuttgarter Verlagsgruppe, durchgeführt. Ausgewählte Nutzer im Stadtgebiet erhalten Zugang zur drahtlosen Verbindung und zu Voice-over-IP. "Eine Schule, Privatkunden und einige öffentliche Einrichtungen sind angeschlossen", zählt Zeimetz auf. "Uns geht es darum, Erfahrung mit unterschiedlichen Nutzungsprofilen zu gewinnen."

Die Testlizenz für das Projekt läuft bis Ende August. Angaben dazu, wie viel der Test kostet, macht der Verlag nicht. "Der Netzaufbau hängt von unterschiedlichen Faktoren ab", meint Zeimetz. Motorola unterstützt in den Bereichen Geschäftsplanung, Projektmanagement, Funkplanung und Technologieberatung.

Der Holtzbrinck-Verlag hat bei der Bundesnetzagentur einen Antrag auf Frequenzzuteilung für drahtlosen Breitbandzugang gestellt. "Wir haben uns auf die Regionen beworben, in denen wir Regionalzeitungen haben", berichtet Zeimetz. Dort könne man bestehende Kundenkontakte nutzen und lokale Angebote vermarkten. Mittelfristig plant die Verlagsgruppe, Internet-Zugang, -Telefonie und Inhalte über die neue Technologie zu vermarkten. "Durch das WiMAX-Pilotprojekt mit Motorola verstehen wir besser, welche Voraussetzungen wir für den Eintritt in den Markt für breitbandige Internet-Zugänge mitbringen müssen", sagt Michael Grabner, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. "In Zeiten der Digitalisierung von Medien sind wir der festen Überzeugung, dass schnelle Internet-Verbindungen gerade in regionalen Märkten von großer Bedeutung für Medienunternehmen wie dem unseren sind."

Telekom beendet Test

Ein WiMAX-Pilotbetrieb der Deutschen Telekom lief von Juli 2005 bis Ende März 2006 in Sankt Augustin und Swistal bei Bonn. "Man kann das als Dienst anbieten", antwortet ein Sprecher des Unternehmens auf die Frage, welche Ergebnisse der Test gebracht hat. Die Kunden seien zufrieden gewesen. Das Problem bei funk-gebundenen Angeboten sei jedoch, dass sich die Nutzer die Bandbreite teilen müssen. "In Sankt Augustin bauen wir DSL über Kabel aus", ergänzt der Sprecher. Denn trotz aller positiven Effekte, die WiMAX biete, sei DSL deshalb die beste Wahl, weil damit eine bessere Verfügbarkeit gewährleistet werden könne. is

900 Anträge für drahtlosen Breitbandzugang

Rund 900 Anträge auf Frequenzzuteilung für Broadband-Wireless-Access-Anwendungen sind bis zum 28. Februar 2006 bei der Bundesnetzagentur eingegangen. Die Frequenzen im Bereich 3.400 bis 3.600 MHz können für den funkgestützten Breitband-Internet-Zugang genutzt werden.Beantragt wurden laut Bundesnetzagentur Frequenzzuteilungen für unterschiedlich große Gebiete: für das gesamte Bundesgebiet, einzelne Bundesländer oder Teile von Bundesländern, aber auch für einzelne Städte. Die Antragsteller, die aus den verschiedensten Bereichen des Telekommunikationsmarktes sowie aus den Bereichen Medien, Verlagswesen, Rundfunk und Infrastrukturdienstleister kommen, planen unterschiedliche Geschäftsmodelle. "Nach einer ersten Sichtung der Anträge sieht es so aus, als ob in sehr großen Teilen der Bundesrepublik mehr Frequenzen beantragt wurden als aufgrund des verfügbaren Frequenzspektrums zuteilbar sind", teilt die Bundesnetzagentur mit.Die Festlegungen für die Vergabeverfahren sollen noch in diesem Frühjahr zur Kommentierung veröffentlicht werden, sodass die Durchführung der Vergabeverfahren voraussichtlich im Herbst erfolgen kann. is

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