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Immer noch rund 300.000 Adressen nicht validiert / Nachfrage bricht alle Rekorde

Kritik an EU-Registry

Die neue .eu-Domain entwickelt sich zum Erfolgsmodell: Allein in den ersten fünf Tagen nach der allgemeinen Freigabe zur Registrierung – im Fachjargon "Landrush" genannt – wurden 1,4 Millionen .eu-Domains angemeldet. Zum Vergleich: Die deutsche Top-Level-Domain .de brauchte von ihrer Eintragung in der offiziellen Datenbank der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) im Jahr 1986 bis zum Überspringen der Millionenmarke 1999 immerhin 13 Jahre.

Bereits vor der Landrush-Phase, als im Rahmen der so genannten "Sunrise Period" (siehe auch IWB 13/2005, Seite 23) Institutionen und Inhaber von Markenzeichen bevorzugt behandelt wurden, kam Kritik an der Arbeitsweise der .eu-Koordinationsstelle Eurid auf. Bis heute, so berichtet Markus Eggensperger, Vorstandsmitglied des Domain-Händlers United-Domains, seien rund 300.000 Adressanträge aus dieser Zeit nicht bearbeitet.

Legal oder Scheinfirma?

Nach Ansicht der Initiatoren der Domain-Community domainforum.info wurden und werden massenweise generische Domains, also solche mit beschreibendem Inhalt wie hotel.eu, in missbräuchlicher Absicht registriert. Dazu sollen sich allein in den letzten Tagen vor Ende der Sunrise-Period über 500 US-Firmen als Registrare bei der Eurid angemeldet haben – dahinter stecken angeblich nicht mehr als sieben Unternehmen. Unter www.eu

domaindesaster.org sammelt die Domain-Community jetzt Unterschriften, um die .eu-Vergabe zu stoppen.

United-Domains-Sprecher Eggensperger mag dieser Kritik nicht folgen: "Auch wenn immer wieder von Phantom-Registrierungen die Rede ist, es sind existierende Unternehmen. Wenn eine Firma eine eigene Steuernummer hat, dann kann sie auch als eigenständiger Registrar auftreten. Wir hatten bereits vor Jahren die Einführung technischer Regeln gefordert, doch die EU wollte ausdrücklich keine hohen Hürden für Registrare aufbauen." Mit dem .eu-Domain-Geschäft ist Eggensperger "hoch zufrieden". Mehr als 100.000 Domains hat sein Unternehmen bislang registrieren können, "die Zuteilungsquote liegt bei über 63 Prozent, unser Marktanteil in Deutschland bei 25 Prozent".

Namensraum ist vollkommen offen

Obwohl nach Ende der Sunrise-Period Markeninhaber bei der Registrierung von .eu-Domains nicht mehr bevorzugt werden, sollte man die Hoffnung auf eine passende europäische Adresse nicht aufgeben, rät Eggensperger: "Die .com-Domain liegt jetzt bei 50 Millionen Adressen, bei .de sind es über zehn. Dennoch lassen sich immer wieder neue, passende Namen finden. Der Namensraum der .eu-Domain ist immer noch vollkommen offen."

Auch bei den in der Sunrise-Period angemeldeten Adressen ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Im Juni sollen die Adressen freigegeben werden, die zwar beantragt wurden, bei denen die Markenbesitzrechte jedoch noch nicht geklärt wurden. fk

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