INTERNET WORLD Business




Passwortmissbrauch und Vertragsschluss bei Ebay

Phishing-Attacken und unsorgsamer Umgang mit Passwörtern führen immer wieder dazu, dass Dritte bei Ebay fremde Accounts für Scherzbestellungen nutzen. Das Oberlandesgericht Köln hat mit Urteil vom 13.01.2006 (Az.: 19 U 120/05) entschieden, dass aufgrund der Unsicherheiten bei der Verwendung von Nutzerkennungen mit Passwörtern im Internet kein Anscheinsbeweis dafür besteht, dass der Account-Inhaber auch der Vertragspartner ist. Beruft sich ein Verkäufer darauf, dass er mit dem Account-Inhaber einen Vertrag geschlossen hat, so muss der Verkäufer beweisen, dass der Vertragsschluss mit dem Account-Inhaber zustande gekommen ist.

Praxistipp: Das Urteil darf nicht als Freibrief für angebliche Scherzbestellungen verstanden werden – und auch hier gibt es für betroffene Händler Abwehrmöglichkeiten. Stets sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen. Für den Verkäufer gilt es, möglichst viele Indizien zu sammeln und diese in einem Prozess darzulegen. Gegebenenfalls hilft eine rechtzeitige Strafanzeige, sodass anhand der IP-Adresse der tatsächliche Übeltäter ermittelt werden kann. Dieser haftet als Vertreter ohne Vertretungsmacht gemäß § 179 BGB nach Wahl des Verkäufers auf Erfüllung oder Schadensersatz.

Marcus Beckmann

Marcus Beckmann ist Rechtsanwalt in Bielefeld und Experte in Online- und Wettbewerbsrecht.www.beckmannundnorda.de

comments powered by Disqus