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Onlinebucher gehören zu der Käufergruppe im Netz, die am wenigsten treu ist

Auf Fernweh-Suche

Ganz ausgedient hat das klassische Reisebüro zwar noch nicht, wie das Marktforschungsinstitut Factfinder kürzlich herausfand: Knapp 29 Prozent der Deutschen hat noch nie im Internet eine Reise gebucht, sich noch nicht mal über mögliche Ziele informiert. Aber der Trend zu Online ist nicht zu leugnen: Über 40 Prozent der Reisefreudigen buchen ihre Reise ausschließlich im Netz. Argumente für die Onlinesuche sind günstigere Preise, ein breiteres Angebot und bessere Vergleichsmöglichkeiten.

Lange Suchprozesse...

Dabei bestätigt sich, was schon aus anderen E-Commerce-Bereichen bekannt ist: Online sind die Deutschen ein besonders wählerisches Volk. "Die Leute sind grundsätzlich eher nicht markenaffin", so Daniel Meyer, Leiter Marktforschung bei Google. Der Suchmaschinenanbieter profitiert im Reisesegment kräftig vom generellen Trend zur Markenungebundenheit. "Gebucht wird zwei- bis dreimal pro Jahr und jedes Mal gehen die User im Netz rund neun Mal auf die Suche, bevor sie sich für einen Anbieter entscheiden und buchen." Damit wird die Suchmaschine zum Einstieg der Wahl in den Prozess der Urlaubsvorbereitung, wie Google in einer hauseigenen Studie zufrieden feststellte: Über 60 Prozent der Deutschen haben bereits eine Suchmaschine genutzt, um nach einem passenden Flug, Hotel oder Pauschalanbieter für ihre Reise zu fahnden. Auf bereits vorher bekannten Portalen schaut etwa die Hälfte der Touristen in spe noch mal vor der Bucung vorbei; aber nur, um das Angebot mit der Konkurrenz zu vergleichen.

Der anderswo im Inetrnet bedeutend wichtigere Word-of-Mouth-Faktor zieht in der Reisebranche kaum: Nur 17 Prozent klicken auf empfohlene Seiten, wenn es um ihren Urlaub geht.

...schlechte Conversion-Rates

Online-Anbieter haben es in dem hart umkämpften Markt schwer, ihre Kunden zu überzeugen. Eine gute Suchmaschinen-Positionierung ist quasi unabdingbar, aber schwer zu bekommen, denn die Kunden wissen oft selber nicht genau, was sie wollen. "Die Mehrheit der Suchvorgänge ist generisch", so Meyer. "Erst nach und nach wird die Suche konkreter. Dabei kann der Suchvorgang Tage oder sogar Wochen dauern."

Über solche Zeiträume die Aufmerksamkeit der User zu erreichen, ist mühsam – und wer es trotzdem schafft, muss sich damit abfinden, dass der größte Teil des SEO- und SEM-Engagements vergebliche LiebesmühÕ ist: Die Conversion-Rates in der Onlinereisebranche liegen bei unter fünf Prozent. Ein hausgemachtes Problem, meint Meyer. "Die Branche wirbt stark preisgetrieben", erläutert der Google-Marktforscher. "Wer mit Versprechungen wie einem 10-Euro-Flug nach London auf Kundenfang geht und diese auf der Website dann nicht einlösen kann, braucht sich nicht wundern, wenn der User auf die Suche nach einem anderen Anbieter geht."

Wer seine Besucher vom Klick auf den Buchungsbutton überzeugen will, erreicht dies am besten mit einem Grundkurs in Usability: Eine auf die Suchanzeige abgestimmte Landing Page, Preistransparenz und ein seriöser Grundeindruck führen am ehesten zum Conversion-Erfolg. il

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