INTERNET WORLD Business




Der Shoppingclub Brands4Friends hat sich im Ideenwettbewerb durchgesetzt: Im Interview erläutern die Günder Constantin Bisanz und Christian Heitmeyer Geschäftsmodell und Pläne

Ein neuer Absatzkanal

Die Suche ist beendet: Mehr als 27.000 Leser der INTERNET WORLD Business und andere Internetnutzer haben seit August abgestimmt und mit ihrer Stimme das erfolgreichste Geschäftskonzept des Jahres gewählt. Als INTERNET WORLD Business-Idee 2008 konnte sich der Shoppingclub Brands4Friends aus Berlin durchsetzen. Den zweiten Platz bei der Onlinewahl erreichte das Termin-Organisationstool Doodle von Michael Näf und Paul Sevin aus der Schweiz, auf dem dritten Rang liegt die Informations- und Shoppingplattform Bransparent, die Philippe Renfer Anfang dieses Jahres in Berlin ins Leben gerufen hat.

Brands4Friends ist ein Angebot von Private Sales aus Berlin. Gegründet von Constantin Bisanz und Christian Heitmeyer bietet der Shoppingclub seit September 2007 Mode von bekannten Labeln zu eigenen Konditionen. Ein Jahr nach dem Start zählt Brands4Friends mehr als eine Million Mitglieder. Vor allem Kampagnen in Netzwerken wie StudiVZ, Myspace oder Wer-kennt-wen hat die Zahl der Interessenten schnell gesteigert. Das Durchschnittsalter der Brands4Friends-Clique liegt bei knapp 30 Jahren, überdurchschnittlich viele Mitglieder, 60 Prozent, sind Frauen. Doch das soll sich ändern: Mit weiteren Produktgruppen und mehr Marken will Brands4Friends mehr Zielgruppen erobern, verraten Constantin Bisanz und Christian Heitmeyer im Interview mit INTERNET WORLD Business.

Herzlichen Glückwunsch, unsere Leser und viele Internetnutzer haben Brands4Friends zur INTERNET WORLD Business-Idee 2008 gewählt.

Constantin Bisanz: Vielen Dank für die Auszeichnung. Wir sind sehr stolz darüber und fühlen uns bestätigt, dass wir mit unserem Geschäftsmodell Shoppingclub auf dem richtigen Weg sind.

Christian Heitmeyer: Der Onlineshoppingclub für Mode und Lifestyle-Artikel wird inzwischen von 1,2 Millionen Mitgliedern angenommen. Über 200 Hersteller, die ihre Lagerüberhänge auch von aktuellen Kollektionen an uns verkaufen, vertrauen uns. Wir sind in weniger als einem Jahr zum Marktführer avanciert, obgleich andere Player länger am Markt waren. Dass wir uns so schnell auf Platz eins katapultiert haben, freut uns sehr. Und deshalb sind wir stolz auf diese Auszeichnung, denn es zeigt einmal mehr, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und die Verleihung des OnlineStar macht uns sehr glücklich, insbesondere weil wir auch von Lesern gewählt wurden.

Brands4Friends ist ja keine neue Idee, Vorreiter Vente Priv?e aus Frankreich ist länger in Deutschland aktiv. Was machen Sie anders als Ihre Wettbewerber?

Bisanz: Die Basis des Geschäftsmodells, der Verkauf von reduzierter Markenware an eine geschlossene Nutzergruppe, ist ähnlich. Aber wir unterscheiden uns in vielerlei Hinsicht von anderen Clubs. Bei uns laufen mehr Verkaufsaktionen, alleine im letzten Monat 40. Kürzere Lieferzeiten und die Markenvielfalt sprechen für uns. Täglich kommen mehrere Tausend, an guten Tagen bis zu 10.000 neue Mitglieder zu Brands4Friends.de. Damit gehören wir zu den am schnellsten wachsenden E-Commerce-Communitys weltweit. Wir sind nah an den Modetrends und an der Community, die wir durch innovative Features und Incentives an uns binden möchten. Für unseren Mode-Blog und unser Widget sind wir kürzlich ausgezeichnet worden. Der direkte Austausch mit unseren Mitgliedern in unserem Blog ist wichtig. So können wir unser Angebot kontinuierlich verbessern. Brands4 Friends.de – der Name ist Programm. Wir bieten Marken zum Freundschaftspreis und betrachten unsere Mitglieder als Freunde.

Wie haben Sie beide sich gefunden – und wie entstand das Unternehmen

Heitmeyer: Das lief über unsere Investoren Oliver Jung und Holtzbrinck Ventures. Ich hatte als Vertriebs- und Marketingvorstand des französischen Reisegepäckherstellers Delsey in Frankreich bereits mit dem Shopping Club Vente Priv?e zusammengearbeitet und mir überlegt, das Prinzip könnte man auch nach Deutschland exportieren. Ich habe Oliver Jung angesprochen, der mir Constantin empfahl. Wir haben schnell gemerkt, dass wir gut zusammenarbeiten. Constantin brachte das Internet-Know-how mit. Er hatte sich mit dem Einfluss von Communitys auf den E-Commerce beschäftigt, in den USA Onlinespiele entwickelt und den Marktplatz für Nutzfahrzeuge Truckscout24.com gegründet.

Wie funktioniert die Arbeitsteilung?

Bisanz: Christian fungiert als Chief Executive Officer und ist unter anderem zuständig für die Bereiche Personal, Investor Relations und Finance. Ich kümmere mich um das Marketing, die Produktentwicklung und den Bereich Kommunikation; in dieser Sparte insbesondere auch um die Nutzeransprache, den Aufbau der Community und die Kundenbindung unserer Mitglieder.

Welche Rolle spielen Ihre Investoren – neben Holtzbrinck Ventures sind Mangrove Capital Partners und Business Angel wie Oliver Jung oder Lukasz Gadowski an Brands4Friends.de beteiligt?

Heitmeyer: Die Wahl unserer Investoren hat sich als sehr glücklich erwiesen. Wir profitieren von deren Erfahrung und Kompetenz und auch von den exzellenten Kontakten und Netzwerken.

Vente Priv?e hat in Deutschland 200.000 Mitglieder, Buyvip ungefähr 500.000, Brands4Friends über eine Million. Wie viele Shoppingclubs wird der deutsche Markt vertragen?

Bisanz: Zwei, drei Wettbewerber werden sich hier gut etablieren können. Daneben gibtÕs eigentlich nur noch Platz in Nischen. Limango etwa bietet Kindermode an, das ist sicher eine gute Idee.

Mit Triphunter ist jetzt der erste Einkaufsclub für Reisen unterwegs. Brands4Friends wird in Zukunft sicher nicht nur Textilien verkaufen, oder?

Heitmeyer: Wir haben tatsächlich schon einige weitere Ideen in der Pipeline. Neben Mode haben wir seit Kurzem Angebote aus dem Segment Wohnaccessoires und Designobjekte. Fast alles, was im Lifestyle-Bereich eine Marke bildet, ist für uns relevant. Das können neben Mode und Accessoires beispielsweise auch hochwertige Genussmittel oder sogar Autos sein. Vielleicht werden wir mittelfristig auch solche Dinge anbieten. Doch unser Fokus liegt im Moment im Bereich Mode. Wir wollen noch mehr Trendlabels nach Deutschland holen. Unsere Einkäufer und Trendscouts scannen den internationalen Markt nach angesagten Produkten und Labels, die wir dann als Erste nach Deutschland bringen.

Noch sprechen Sie mit Brands4Friends hauptsächlich junge Verbraucher an. Ältere wären doch deutlich lukrativer...

Bisanz: Also meine Mutter ist 64 Jahre alt und kauft inzwischen beinahe in jeder zweiten Aktion von Brands4Friends ein. Wir haben bereits Angebote wie Schmuck oder Uhren, von denen sich auch ältere Zielgruppen angesprochen fühlen. Aber ganz klar, wir wollen, dass nicht nur die Zahl der Mitglieder, sondern auf Dauer auch deren Alter wächst. Dafür dehnen wir gerade unsere Marketingaktivitäten auf Print und Offline aus. Aber wir sehen bereits heute, dass die Marke bei Jung und Alt sehr gut ankommt. Mithilfe der Profile unserer Mitglieder können wir Angebote ja auch bedarfsgerecht platzieren. Außerdem sind die jungen Kunden von heute die Anwälte und Ärzte von morgen, und das heißt, sie werden auch zu kaufkräftigen Konsumenten.

Im stationären Handel ist der Clubgedanke bereits ein Auslaufmodell. Sind Shoppingclubs im Internet ein neuer Absatzkanal oder nur ein kurzfristiger Trend?

Heitmeyer: Definitiv sind Shoppingclubs ein neuer, aber langfristiger Absatzkanal. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Marken, die mit Shoppingclubs kooperieren, schneller bekannt werden und Trends setzen können. Shoppingclubs sind außerdem eine zusätzliche, sehr wirksame Werbeplattform für Marken. Ganz ehrlich, einige Marken wie Laguna Beach oder Pilgrim habe ich erst durch Brands4Friends kennengelernt. Wir legen größten Wert auf eine qualitativ einwandfreie Darstellung der Markenware. Vom Model bis zum Bildbearbeiter sind bei Brands4Friends ausschließlich Profis am Werk. Außerdem stimmen wir uns auch eng mit den jeweiligen Herstellern ab. Ziel ist, die Produkte bestmöglich im Look and Feel der Marken zu präsentieren.

Würde Brands4Friends auch ohne Markenwaren funktionieren?

Bisanz: Schwer zu sagen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass Shoppingclubs, die sich bei den Verbrauchern einen Namen als kompetente Anbieter von qualitativ hochwertigen Waren zu günstigen Preisen gemacht haben, ihren Mitgliedern auch unbekannte, aber hochwertige Labels anbieten können. An Brands4Friends treten jedenfalls immer mehr Hersteller heran. Trotzdem werden wir uns hauptsächlich auf etablierte Marken konzentrieren.

Brands4Friends ist gerade ein Jahr alt geworden. Was haben Sie gelernt, was ging gut, was gar nicht?

Bisanz: Das Angebot muss stimmen, das ist sicher. Mode für Rentner würde nicht zu Brands4Friends passen, jetzt jedenfalls noch nicht. Bisher hatten wir noch keinen Flop im Angebot. Aber wir beobachten, dass standardisierte Produkte wie etwa Taschen, Gürtel, Brillen, bei denen die Passform nicht so wichtig ist, richtig gut laufen. Im Frühjahr und Sommer hatten wir beispielsweise viel Erfolg mit Sonnenbrillen, für den Herbst und Winter setzen wir jetzt auf Jacken und Accessoires.

Vor Kurzem schrieb Brands4Friends wegen Markenpiraterie negative Schlagzeilen. Sie sollen angeblich Plagiate von Abercrombie & Fitch-T-Shirts angeboten haben.

Heitmeyer: Es ist Geschäftsprinzip Originalware zu verkaufen. Daher arbeiten wir überwiegend direkt mit den Herstellern zusammen, das schließt Plagiate von vornherein aus. Unsere Mitarbeiter überzeugen sich vor jedem Einkauf persönlich von der Echtheit der angebotenen Waren. In Zweifelsfällen lassen sie sich die Kette der Lieferanten bis zum Hersteller nachweisen oder fordern Einsicht in Zollunterlagen. Fälschungen sind vorsätzlich kriminell, aber davor kann sich niemand 100-prozentig schützen. Bei der angesprochenen Aktion haben wir uns unmittelbar mit A&F in Verbindung gesetzt, um die Sache aufzuklären. Im Fall von A&F haben wir nicht mit dem Hersteller, sondern einem vertrauenswürdigen Großhändler zusammengearbeitet, den wir schon länger kennen. Trotz Garantien und bestmöglichen Absicherungen im Vorfeld, ist offensichtlich keiner, auch der Lieferant nicht, davor gefeit, betrogen zu werden. Als die Vorwürfe aufkamen, haben wir sofort gehandelt. Wir haben die Käufer sofort angeschrieben. Außerdem haben wir die Ware über die Umtauschfrist hinaus zurückgenommen und den Kaufpreis wie auch die Versandkosten erstattet.

Im ersten Jahr nach dem Start haben Sie sich erfolgreich etabliert – was sind die nächsten Ziele von Brands4Friends?

Bisanz: Wir haben bereits 1,2 Millionen Mitglieder, aber sicher ist unser Angebot, Markenmode mit Preisabschlägen bis zu 70 Prozent, noch für sehr viel mehr Menschen interessant. Wir sehen noch einiges Potenzial in Deutschland und werden unsere Marktführerschaft weiter ausbauen. Wir wollen außerdem mit noch mehr Marken zusammenarbeiten und neue Trends nach Deutschland bringen. Die US-Marke Laguna Beach ist ein gutes Beispiel. Die Kultmarke wird in Deutschland gar nicht verkauft, aber in Hollywood trägt jeder Star diese Marke.

Werden Sie Brands4Friends auch im Ausland etablieren und wenn ja, in welchen Ländern zuerst?

Bisanz: In meiner Heimat Österreich verkaufen wir bereits sehr gut. Dort zählen wir mehrere Zehntausend, im Übrigen auch sehr kaufkräftige Mitglieder. Wir haben einige interessante Pläne und Optionen, die wir gerade prüfen. Im Moment können wir aber noch nicht konkreter werden.

Kaufen Sie eigentlich selbst bei Brands4-Friends?

Bisanz: Also eigentlich habe ich anfangs gedacht, dass ich mir immer wieder einmal etwas aus dem Lager rausholen und kaufen kann. Aber die Lieferungen für Aktionen sind inzwischen so ausgezirkelt und knapp bemessen, dass ich jetzt selbst auch regelmäßig bei Brands4Friends bestellen muss.

Interview: Susanne Vieser

Christian Heitmeyer

Christian Heitmeyer absolvierte eine Banklehre und betreute in Frankreich als Vertriebsvorstand den Taschenhersteller Delsey. Dort lernte der heute 42-Jährige Online-Shoppingclubs kennen. Seit dem Jahr 2007 ist er Vorstandsvorsitzender bei Brands4Friends. z www.brands4friends.de

Constantin Bisanz

Constantin Bisanz beschäftigt sich seit dem Wirtschaftsstudium in Wien und Los Angeles mit dem Internet. 2000 gründet der heute 35-Jährige Help Smile für Onlinespiele, 2001 einen Marktplatz für Nutzfahrzeuge. 2007 gründet er mit Heitmeyer Private Sales und Brands4Friends. z www.brands4friends.de

Brands4Friends, Berlin

Der Shoppingclub wird von der Private Sales GmbH betrieben.

Brands4Friends zählt 2008 rund 1,2 Millionen Mitglieder und wächst pro Tag um bis zu 10.000 neue Interessenten.

Das Unternehmen beschäftigt 80 Mitarbeiter am Firmensitz in Berlin-Mitte.

Für das Geschäftsjahr 2008 peilt Brands4Friends einen Umsatz von 30 Millionen Euro an. Das Unternehmen gehört damit zu den 50 größten Onlineshops Deutschlands.

Investoren: Holtzbrinck Ventures, Mangrove Capital Partners und Business Angel

Wahl zum Unternehmer des Jahres

1. Jury nominiert die Kandidaten

2. Auswahl der Top 20

3. Leser wählen die Business-Idee 2008

4. Bekanntgabe der Sieger und Preisverleihung während der Internet World Fachmesse & Kongress in München

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