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Webanwendungen auf dem Desktop: Adobe AIR

Als das World Wide Web und die Seitenbeschreibungssprache HTML vor über 15 Jahren erfunden wurden, war die Zielsetzung klar: Wissenschaftler sollten Dokumente via Internet austauschen können. Komplexe Anwendungen, die fast genauso aussehen und sich verhalten wie Desktop-Applikationen, waren seinerzeit nicht vorgesehen.

Doch Webbrowser haben stetig an Features hinzugewonnen, sodass Websites immer mehr können und längst nicht mehr die statischen Infoquellen von einst sind. Dennoch gibt es immer noch eine Kluft zwischen Web- und Desktop-Anwendungen in Sachen Performance. In genau diese Lücke will Adobe mit seiner AIR-Technologie vorstoßen.

Adobe AIR steht für "Adobe Integrated Runtime", es handelt sich also um eine Laufzeitumgebung. Innerhalb dieser Umgebung können Desktop-Anwendungen ausgeführt werden. Der Clou dabei: Die Desktop-Anwendungen verwenden wiederum die etablierten Webtechnologien: HTML, CSS, Java Script und Flash (Letzteres ebenfalls von Adobe). Herz von Adobe AIR ist nämlich Web Kit, das Zentrum von Webbrowsern wie Safari oder Google Chrome. Damit ist Adobe AIR quasi selbst eine Art spezieller Webbrowser. Speziell deswegen, weil AIR-Anwendungen ein wenig mehr können als "herkömmliche" Websites, die von den gängigen Browsern dargestellt werden. Denn sie sind unter anderem offlinefähig und können eine integrierte Client-seitige Datenbank nutzen (SQlite, durch PHP 5 populär geworden). Dazu liefert AIR eine spezielle Entwicklerschnittstelle mit. Eine AIR-Anwendung läuft somit auch nicht ohne die Laufzeitumgebung, die es momentan für Windows, Mac OS X und Linux gibt, für das letztgenannte Betriebssystem lediglich als Alpha.

Genau das ist ein möglicher kritischer Punkt der gesamten Technologie: Nutzer müssen erst dazu bewogen werden, die Runtime zu installieren. Adobe platziert den Download mittlerweile sehr offensiv auf seiner Homepage, die Zahl der AIR-Anwendungen ist jedoch noch recht überschaubar. Letzten Endes ist es also eine Entscheidung, wie viel Zielgruppenverlust einem die zusätzlichen AIR-Features wert sind – oder ob es nicht auch eine konventionelle Desktop-Anwendung tut.

Christian Wenz,

Christian Wenz, Teilhaber der Webagentur Arrabiata Solutions GmbHwww.arrabiata.de

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