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Nicht jedes Onlineprojekt braucht seinen dedizierten Server. Gestiegene Performance, verbesserte Sicherheitskonzepte und nicht zuletzt professionelle Software-Angebote machen Webspace wieder attraktiv

Website in zehn Minuten

Was für ein Comeback: Galt noch vor wenigen Jahren ein Internetgeschäftsmodell, das auf einem Webspace-Paket basierte, als wenig performant und letztlich unprofessionell, lautet heute das Urteil für viele Dedicated-Server-Installationen: zu teuer, zu aufwendig, zu unflexibel. Immer weniger Onlinegeschäftsmodelle machen es tatsächlich erforderlich, dafür einen eigenen Serverpark aufzustellen, womöglich auch noch im Keller des

eigenen Unternehmens. Stattdessen geht der Trend hin zum Outsourcing und zum Hardware-Downsizing.

Desaster nicht mehr vorstellbar

Gründe für das Umdenken gibt es viele. Da wäre zunächst einmal der starke Professionalisierungsschub in der Webhosting-Branche zu nennen. Ein Desaster wie der rund zweiwöchige Ausfall des KPNQwest-Rechenzentrums in Karlsruhe im Jahr 2001, von dem nahezu ein Drittel aller damals in Deutschland gehosteten Webshops betroffen waren, ist heute kaum noch vorstellbar.

In den sieben Jahren seit dem Server-Crash hat die Strato AG – sie war damals Hauptmieterin des kollabierenden Rechenzentrums – massiv in Performance und Ausfallsicherheit ihrer Serverinfrastruktur investiert. So werden heute zum Beispiel alle Daten auf den virtuellen Servern intern gesichert und außerdem noch zwischen den beiden Strato-Standorten Karlsruhe und Berlin gespiegelt. Selbst wenn ein Strato-Standort durch eine Katastrophe komplett und dauerhaft ausfallen sollte, wären die Kundendaten immer noch vom anderen Standort aus wiederherstellbar. Natürlich haben auch die Wettbewerber mitgezogen und besitzen heute sabotagesichere, mehrfach redundante Serverstrukturen, die ständig überwacht werden.

Der Trend weg vom dedizierten Einzelserver hin zum virtuellen V-Server, auf dem Hunderte von Kundenpräsenzen parallel laufen, tut ein Übriges, um die Ausfallsicherheit zu erhöhen. Bei Festplattencrashs springen automatisch Ersatzspeicherplatten ein, fällt eine ganze Maschine aus, geht ein Ersatzrechner mit Backupdaten ans Netz. Es ist also keine Übertreibung, wenn Strato-CEO Damian Schmidt behauptet: "Bei uns sind Ihre Daten wesentlich sicherer aufgehoben als in Ihrem eigenen Unternehmen." Dies gilt – nur der Vollständigkeit halber – auch für die wichtigsten Wettbewerber des Berliner Hosters.

Virtuelle Server sind grün

Zu einer Renaissance des Webspace hat zudem der Drang zum Energiesparen geführt. Nach Schätzungen von Johann Dasch, CEO von 1Blu, sind 60 Prozent aller Dedicated Server überflüssig. Die Anwendungen, die auf ihnen gefahren werden, ließen sich auf einem virtuellen Server, auf dem sich mehrere Kunden einen physikalischen Rechner teilen, ohne jegliche Einbußen ebenso betreiben – mit einem Bruchteil des Energieverbrauchs, der für jeden Dedicated Server anfällt. Die neue Sparsamkeit wird dem geneigten Kunden gern als "Green Computing" verkauft, in Wirklichkeit ist dies schlicht Pragmatismus: 80 Prozent aller Kosten beim Betrieb eines Rechenzentrums, so schätzen Experten, entfallen auf Energie, also auf den Strom für den Betrieb der Computer und auf die Klimatisierung der Räume. Um hier zu sparen, drehen die Hostinganbieter an jeder Schraube: Beim Kauf von Hardware wird auf energiesparende Komponenten geachtet, bei der Klimatisierung verlässt man sich dann auf die kühle Außenluft, wenn sie kühl genug ist. Aber auch beim Server-Management lässt sich Strom sparen: Performance-orientierte Software benutzt für eine Operation weniger Rechenleistung. Strato rühmt sich, dass der hauseigene Spam-Filter nur etwa ein Zehntel der Hardware-Ressourcen vergleichbarer Konkurrenzprodukte benötigt – und dabei noch besser funktioniert. Dazu werben immer mehr Webhoster mit dem CO2-freien Rechenzentrum, welches seine Energie ausschließlich aus regenerativen Energiequellen gewinnt. Das Konzept dahinter ist jedoch durchaus umstritten: Während Marktführer 1&1 und Strato bereits seit 2007 auf "Green Energy" setzen, hält 1Blu-Chef Dasch dieses Argument für blauäugig: Es sei viel wichtiger, Energie zu sparen als irgendwo Strom aus Wasserkraft zu kaufen, die dann für andere Zwecke fehle. Die so Gescholtenen sehen das naturgemäß anders: Eine erhöhte Nachfrage nach grünem Strom mache es attraktiver, diesen zu produzieren.

Dem Hostingkunden kann es indes letztlich egal sein, ob der Strom für sein Hostingpaket grün oder gelb ist – die wirtschaftlichen Zwänge drängen alle Anbieter automatisch zu einem sparsamen Umgang mit der Energie.

Immer häufiger egal sein kann dem Kunden auch die technische Plattform, auf der seine Onlinepräsenz läuft. Vertraglich zugesicherte Bandbreitengarantien geben die Sicherheit, dass ein Webhosting-Paket, das von außen aussieht wie ein dedizierter Server, sich im Zweifel auch so verhält.

Klicki-Bunti für Profis?

Die großen Massen-Hoster haben bislang vor allem mit Privatpersonen gute Geschäfte gemacht. Eine eigene Domain, darauf noch eine Website, galt jahrelang als perfektes Aushängeschild für die digitale Persönlichkeit. Der Trend zur Selbstdarstellung auf der eigenen Website wird allerdings seit einiger Zeit massiv vom Erstarken der Social Communitys unterwandert. Ein Student mag eine noch so schöne Homepage sein Eigen nennen – wenn er auf StudiVZ kein Profil hat, ist er für viele Kommilitonen nicht existent. Und um einen Blog zu haben, muss man keinen bezahlten Webspace buchen – ein Account bei Kostenlos-Diensten wie Blogger.com tut es auch.

Hoster wie 1&1, Strato und 1Blu kontern mit immer ausgefeilteren Homepage-Baukästen, die inzwischen durchaus auch die Ansprüche kleinerer und mittlerer Unternehmer erfüllen können. Diese wollen zwar im Internet präsent sein, haben aber weder Know-how noch Ressourcen, um in Eigenregie einen aufwendigen Online-Auftritt aufzubauen und zu pflegen.

Das vor allem für Privatanwender gedachte Website-System Mypage des Hosters 1Blu werde mittlerweile immer häufiger von Gewerbetreibenden gebucht, sagt 1Blu-Sprecherin Diana Dasch. Sie sieht hier eine Chance für Online-Agenturen, auch Kunden mit kleinen Budgets bedienen zu können: "Aufbauend auf Mypage kann eine Agentur für einen Kunden in kürzester Zeit und sehr preisgünstig einen Online-Auftritt erstellen. Der Kunde bekommt dann einen Zugang für das Einpflegen von Inhalten, um den Rest kümmert sich die Agentur." Gegenüber anderen proprietären Website-Generatoren hat Mypage übrigens einen Vorteil: Es basiert auf dem Open-Source-CMS Joomla. Mit Mypage erstellte Online-Auftritte lassen sich bei Bedarf mit geringem Aufwand auf beliebige Server verpflanzen, auf denen Joomla läuft.

Webshop mit Aussicht

Für die Betreiber von Web-shops stellt sich die Entscheidung Webhosting versus eigener Server ebenfalls, wobei Epages-Chef Wilfried Beeck einen deutlichen Trend hin zum gehosteten Webshop sieht. Epages ist nach eigenen Aussagen Marktführer für Webshop-Software in Deutschland, ein Umstand, für den unter anderem die Kooperation mit Strato verantwortlich ist. Der Kunde hat grundsätzlich die Möglichkeit, sich bei Epages eine Software zu kaufen und sie auf seinem eigenen Server zu installieren oder einen Epages-Webshop zu mieten – fertig installiert, mit Backup- und Update-Service. Verglichen mit der Installation auf der eigenen Maschine sei der Arbeitsaufwand deutlich geringer, sagt Beeck, außerdem seien die Shopdaten bei einem professionellen Hoster wesentlich sicherer aufgehoben, als wenn sich der Unternehmer inhouse selber darum kümmere. Version 6 der Epages-Shopsoftware beginnt langsam, die Grenzen eines traditionellen Shopsystems zu sprengen. So lassen sich mit der neuen Version nicht nur physische Waren verkaufen, sondern auch Tickets buchen und Software-Downloads verwalten. Die Entscheidung, ob der Kunde Eshop 6 hosten lässt oder nicht, muss übrigens nicht auf ewig Bestand haben. Wie bei den Vorgängerversionen bieten die Webhosting-Pakete einen Migrationspfad zu einer Stand-alone-Installation. Diese Strategie verfolgt auch 1&1 mit seinem "Click to Build" (siehe Kasten): Software, die man auf seinem Webspace-Paket nutzt, lässt sich grundsätzlich auch genauso gut auf dem eigenen Server installieren. fk

APS: Webshops, Blogs und CMS mit einem Klick installieren

Große Pläne verfolgt Sören von Varchmin, beim Software-Anbieter Parallels zuständig für Software as a Service (SaaS). Er ist einer der führenden Köpfe hinter APS (Application Packaging Standard). APS definiert, wie Softwarepakete aufgebaut sein müssen, damit sie von Webhostern als sogenannte "One-Click-Application" angeboten werden. One Click, das bedeutet in der Praxis, dass ein Webhosting-Kunde in seinem Konfigurationsmenü eine Auswahl von Softwarepaketen findet, die er per Mausklick auf seinem Webspace installieren kann. Dazu gehören Webshops, Blogsysteme oder Content Management Systeme (CMS) wie zum Beispiel Drupal. Die APS-Initiative, die von Varchmin 2006 mit dem Hoster 1&1 gestartet hat, soll Anfang 2009 in eine gemeinnützige Foundation – ähnlich wie Mozilla – umgewandelt werden. Dieser Schritt soll es weiteren Hostern erleichtern, ihre Infrastruktur für APS zu öffnen und so ihren Kunden zusätzliche Anwendungen anzubieten. In Deutschland unterstützen gegenwärtig zwei Webhoster APS, neben dem Mitinitiator 1&1 ("Click to Build") hat sich auch Host Europe für den Standard entschieden. Für Software-Entwickler bietet APS ein neues Vertriebsmodell: Der Entwickler stellt sein APS-konformes Softwarepaket dem Hoster zur Verfügung, der kassiert von jedem Kunden, der die angebotene Software nutzt, eine Monatsgebühr und beteiligt den Entwickler an seinen Einnahmen. So weit, räumt von Varchmin ein, sei man noch nicht, bislang sind nahezu alle im APS-Format angebotenen Softwarepakete Open Source und kostenlos. Software as a Service erscheint bei näherer Betrachtung ohnehin als logische Voraussetzung von Webhosting: Der Kunde zahlt für die Nutzung, muss nichts auf seinem Computer lokal installieren – und hat mit Upgrades, Sicherheitspatches und anderen Formen von Systempflege nichts am Hut. Ob sich die Kunden bei SaaS-Produkten zwingend für den APS-Standard entscheiden oder eine andere Lösung wählen, hängt natürlich auch damit zusammen, welche Applikationen angeboten werden. So ist der US-amerikanische Anbieter Salesforce mit seinem proprietären CRM-System schon seit Jahren kommerziell erfolgreich. Auch gibt es – etwa bei Strato – eigenentwickelte "One-Click"-Anwendungen für Webhosting-Kunden. Von Varchmin registriert allerdings vor allem in der US-Hosterszene ein hohes Interesse an APS. Konsequenz: Er ist jetzt in die USA gezogen. fk

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