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Interview

„Belohnung muss sein“

Jan Grönefeld, User Interface Designer beiErgosign* www.ergosign.de

Ist nicht der Content selbst – siehe Wikipedia – die Belohnung fürs Mitmachen?

Jan Grönefeld: Ob die reine „Lust am Mitmachen“ als Motivation trägt, hängt stark vom erzeugten Content ab. Während in gemeinschaftsgeprägten Communitys wie Flickr der Beitrag in Form eines Fotos durchaus intrinsisch motiviert sein kann, halte ich dies im Falle von „schlagenden“ Communitys wie Gaming-Plattformen für unwahrscheinlich. Das Küren eines Siegers erfordert schließlich eine unmittelbare Vergleichbarkeit zweier oder mehrerer Community-Mitglieder. Ein entsprechendes wettbewerbsbalanciertes Belohnungssystem ist in diesem Fall unabdingbar.

Taugt Geld als Anreizsystem?

Grönefeld: Preisgelder eignen sich ausschließlich für Communitys, deren Auslegung stark wettbewerbsorientiert ist. In allen anderen Fällen führen monetäre Anreize fast zwangsläufig zu einem Ungleichgewicht von Qualität und Quantität in der Beitragserstellung.

Warum das?

Grönefeld: Der Benutzer beginnt damit, Belohnungssysteme bewusst zu analysieren, um schneller an Punkte zu gelangen. Im Bereich der wettbewerbsorientierten Communitys tritt noch ein weiteres Problem auf. Schon eine kleine Gruppe von „Cheatern“, die die Community zur Anhäufung dieser Preisgelder missbraucht, kann das Gleichgewicht gänzlich zerstören.

Wie sieht es mit Bonuspunkten aus? Grönefeld: Bei der Vergabe von Bonuspunkten und Geschenken sehe ich kein Problem, solange diese Incentives an klare Grenzen des persönlichen Fortschritts geknüpft sind. Beispielsweise an das Erreichen eines neuen „Erfahrungslevels“.Der wiederum sollte an Qualität und Quantität der Beiträge geknüpft sein. Eine Ausnahme besteht unter Umständen in der kurzzeitigen Platzierung eines Gewinnspiels, welches über einen deutlich begrenzten Zeitraum als Motivator eingesetzt wird. Bei gezieltem Einsatz ist kein Einfluss auf die Gesamt-Community-Philosophie zu erwarten.

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