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PRODUKTDARSTELLUNGEN

Die Kunst der Präsentation

Die Daten für Printkataloge sind fürs Web oft nicht gut genug

Spielt mit dem Sexappeal des Materials: Sony-Website zur Alpha 900

Die Spiegelreflexkamera Alpha 900 von Sony ist das Gerät, das Fotografen träumen lässt: Magnesiumgehäuse, Vollformatsensor, 23,5 Millionen Pixel Auflösung. Mit einem Wort: spektakulär!

Im Webshop von Foto Sauter in München, immerhin einer der angesehensten Fotohändler Süddeutschlands, bleibt von dieser Faszination nicht viel übrig: ein kleines Foto, eine graue Textwüste in Arial 10 Punkt, per Copy & Paste aus der Sony-Presseinformation übernommen, fertig.

So kann man keine Produkte verkaufen, meint Niels Anhalt von der Webagentur Nexum, die sich mit der fürs Internet geeigneten Aufbereitung von Produktdaten befasst. Seine These: Die meisten Händler denken beim Thema Produktpräsentation immer noch viel zu sehr an den Printkatalog, der früher einmal im Fokus des Interesses gestanden hat. „Die Gestaltung der Internetpräsentation“, fährt Anhalt fort, „ist oft nicht viel mehr als ein Abfallprodukt. Materialien aus der Printproduktion werden lieblos zusammengeschustert. Damit werden die Webpräsentationen weder dem Medium gerecht, noch erfüllen sie die Bedürfnisse des Kunden.“

Unterschiedliche Zielsetzung

Ein Printkatalog bietet nur begrenzten Platz und kann mit der Reichhaltigkeit multimedialer Inhalte nicht konkurrieren. Er hat aber auch andere Aufgaben als ein Webshop: Die gedruckte Broschüre soll den Kunden meist nur dazu bringen, sich im stationären Handel beraten zu lassen, um dann dort zu kaufen. Beim Webshop ist das Ziel, den Kunden direkt zu einer Bestellung zu bewegen. Kamerahersteller Sony bietet auf seiner eigenen Website zahlreiche Informationen,Videos und Produktaufnahmen von allen Seiten. Onlinehändler Amazon zeigt die A 900 ebenfalls, allerdings optisch deutlich weniger aufwendig. Dafür liefert Amazon etwas, was sich Sony aus naheliegenden Gründen verkneift: Kundenrezensionen und Bewertungen zum konkreten Produkt. Immerhin: Die Produktaufnahmen von allen Seiten inklusive Lupenfunktion hat Amazon von Sony übernommen. Foto Sauter behilft sich mit einem Link auf die Sony-Startseite – der noch nicht einmal direkt zum Kamera-Angebot führt.

Gesperrte Herstellerfotos

In Preisvergleichsportalen sind die gelisteten Produkte häufig auch bedrückend einfach präsentiert. Oft, so weiß Kirsten Drössel, Director Brand Business beim Marktplatzanbieter Pangora, fehlt es hier schlicht an geeignetem Bildmaterial: „Die Bilder sind das Schwierige.“ Manche Hersteller würden Preisvergleichsportalen und Onlinehändlern die Verwendung des hauseigenen Bildmaterials verwehren, um auf diese Weise ihre stationären Vertriebskanäle zu schützen. Dabei ist eine aufwendige Präsentation mit vielen Bildern, Produktvideos und ergänzenden Materialien der Schlüssel zu mehr Geschäft, sagt Drössels Kollege Michael Baumann. „Selbst wenn nach einer Produktsuche mehrere Shops auf einem Preisvergleichsportal nebeneinander erscheinen, erhält doch der Shop besonders viele Klicks, der das Produkt am ansprechendsten präsentiert.

Der Preis ist dann nicht mehr das allein entscheidende Kriterium.“

Onlinehändlern, die bei der Präsentation ihrer Angebote auf eigenproduziertes Material zurückgreifen wollen, rät Nexxum-Mann Anhalt zu einer gründlichen Überarbeitung ihrer Prozesse, weg vom Print-Primat: „Bei der Präsentation von Mode kann zum Beispiel ein Video eines fallenden Stoffs viel mehr über die Materialqualität aussagen als jedes Katalogbild. Deshalb sollte man schon von Anfang an planen, welche Medien bedient werden sollen.“ Aus hochauflösenden HD-Videoaufnahmen, so argumentiert Anhalt, ließen sich recht problemlos Standbilder für Web und Print gewinnen. „Wer aber erst nach dem klassischen Fotoshooting daran denkt, dass Videos nicht schlecht wären, der hat den doppelten Aufwand.“ Zudem stecke die zentrale Verwaltung der Katalogdaten bei den meisten Unternehmen in den Kinderschuhen. Das führt in der Praxis dazu, dass Bildmaterial mehrfach produziert wird und Produktdaten nicht einheitlich aufbereitet werden – was zum Beispiel Vergleichsfunktionen nahezu unmöglich macht. Wer als Hersteller seine Produktdaten im Griff hat, kann zudem seine Händler wirkungsvoll im Abverkauf unterstützen, indem er dem Vertrieb schnell und exklusiv die Materialien liefert, die er braucht. fk *


Daten, Fotos, Videos: Präsentation vom Dienstleister

Mehrere Unternehmen haben sich auf die Herstellung von Produktpräsentationen im Web spezialisiert – in unterschiedlich ausgeprägten Fertigungstiefen. Sommer & Co. (www.sommerco.com ) produziert zum Beispiel auf Wunsch Videos mit Moderation, wie man sie von Shoppingsendern kennt. Bei Cliplister (www.cliplister.de ) werden nicht nur Produktvideos produziert, sondern auch das Hosting und Streaming der Videos übernommen. Der Vorteil für die Hersteller: Ändert sich etwas an einem Produkt, reicht es aus, bei Cliplister das Video auszutauschen. Einen etwas weiter gefassten Ansatz verfolgt das Start-up Infoclips.tv: Hier werden zu Produkten kompakte Info-Kästen produziert (siehe Foto), die neben Fotos und Videos auch 360-Grad-Ansichten und die Bedienungsanleitung des Artikels als PDF enthalten können. Die Vergütung erfolgt meist auf Pauschalbasis und/ oder klickbasiert.

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