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WEG FREI FÜR E-PASS

Elektrisch ausweisen

Der elektronische Personalausweis soll ab 2010 auch den E-Commerce beflügeln / Beispielanwendungen gesucht

Nach dem ePass (Bild) kommt ab November 2010 der elektronische Personalausweis

Vergangene Woche hat der Bundesrat den Weg für den elektronischen Personalausweis (ePA) freigemacht – und damit entscheidende Verbesserungen für den E-Commerce beschlossen. Beim neuen scheckkartengroßen Ausweisdokument, das im November 2010 eingeführt werden soll, sind Angaben wie Name und Adresse nicht nur von außen lesbar aufgedruckt, sondern auch auf einem RFID-Chip gespeichert. Diese Angaben können vertrauenswürdigen Partnern im sogenannten eID-Verfahren elektronisch übermittelt werden. Auf diese Weise können lästige Login-Prozesse mit Usernamen und Passwort abkürzt werden.

Derzeit wirbt das Bundesinnenministerium (BMI) noch für Unterstützung. Das mögliche Einsatzspektrum ist groß und reicht vom Türöffner über sich selbst ausfüllende Webformulare bis hin zur Altersverifikation oder der Identitätsfeststellung. Doch damit sind die Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft; Anregungen sind willkommen. „Wer eine Idee hat, soll sich bei uns registrieren“, lud der für das Passund Ausweiswesen zuständige BMI-Referatsleiter Andreas Reisen die Teilnehmer der Berliner Fachmesse Omnicard jüngst ein.

Gegenseitiges Vertrauen

Eine Registrierung ist nicht nur notwendig, um an der Erprobung teilzunehmen, die noch im Oktober starten soll. Auch wer im Echtbetrieb Daten lesen will, muss sich zuvor von der Vergabestelle für Berechtigungszertifikate (VfB) beim Bundesverwaltungsamt prüfen lassen – sonst bleibt jeder ePA stumm. Das letzte Wort hat aber ohnehin der Verbraucher. Nur wenn er mit einer sechsstelligen PIN der Übermittlung zustimmt, kann der Empfänger die Daten entschlüsseln. Außerdem kann der Ausweisbesitzer bestimmte Angaben (etwa Name, Anschrift oder Geburtsdatum) gezielt sperren – eine Möglichkeit, die beim herkömmlichen Ausweis nicht gegeben ist.

Noch mehr Möglichkeiten bieten sich, wenn die Verbraucher den Ausweis auf eigene Kosten mit einer Qualifizierten Elektronischen Signatur (QES) ausstatten. Dann halten sie eine vollwertige Signaturkarte für den elektronischen Geschäftsverkehr in den Händen, die die eigenhändige Unterschrift ersetzen kann.

Bleibt abzuwarten, wie schnell sich der neue Ausweis durchsetzt. Auch nach November 2010 bleiben alle alten Dokumente bis zum Ende ihrer Laufzeit gültig. Und der ePA trägt auch eine Bürde mit sich: In einem dritten Fach können freiwillig biometrische Daten (zwei Fingerabdrücke) gespeichert werden. Der Zugriff darauf ist zwar für privatwirtschaftliche Anwender gesperrt – viele Verbraucher könnten aber aus Unwissenheit zögern, den so ausgestatteten Ausweis für einen Webeinkauf zu nutzen:Weil sie befürchten, dann auch ihre Fingerabdrücke abzugeben. dg *


Auch E-Mail wird sicher

Ungefähr zeitgleich mit der Einführung des elektronischen Personalausweises will die Bundesregierung auch einen sicheren E-Mail-Dienst names „De-Mail“ einführen. Mit dem System soll eine EU-Richtlinie umgesetzt werden, welche verlangt, dass öffentliche Stellen elektronische Kommunikation als verbindliches Medium akzeptieren müssen. De-Mail soll aber auch in anderen Bereichen – etwa beim Onlineshopping – eingesetzt werden können und dort die Sicherheit erhöhen. Technisch verbergen sich hinter dem Mailsystem bekannte Verfahren: Jeder De-Mail-Nutzer muss sich zuerst über das Post-Ident-Verfahren oder mit seinem elektronischen Personalausweis eindeutig identifizieren. Dann wird ihm eine Adresse nach dem Muster Vorname.Nachname[.Nummer]@Dienstanbieter.zertIT.de zugeteilt. Anschließend werden alle Mails mit digitalen Zertifikaten authentifiziert, um zu gewährleisten, dass sie tatsächlich vom angegebenen Absender stammen. Eine Verschlüsselung wird zuletzt sicherstellen, dass keine unbefugten Personen Zugriff auf die Daten haben.

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