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KOMMENTAR

Kompetenz statt Datenangst

D. Grollmann, Chefredakteur

Jahrelang haben sich viele Medien darum bemüht, das Thema Datenschutz in die Öffentlichkeit zu bringen. Das war zweifellos wichtig. Daten können eine sehr persönliche Angelegenheit sein. Und nach wie vor liegt vieles im Argen. Gerade im Internet. Nur ein Beispiel: Provider sind verpflichtet, die Verbindungsdaten ihrer Kunden sechs Monate lang zu speichern. Nirgendwo im Gesetz steht aber geschrieben, nach welchen Sicherheitsstandards diese Daten vor Missbrauch – sei es durch Sicherheitslecks, Hacker oder eigene Mitarbeiter – geschützt werden müssen. Das kann und muss man kritisieren.

Allerdings schlägt das Pendel derzeit auf der anderen Seite aus. Der „Datenskandal“ der Deutschen Bahn? Bei Licht betrachtet eine notwendige Controlling-Maßnahme, um wenigstens die simpelsten Betrugsversuche zu verhindern. Ein Skandal wäre es gewesen, wenn nicht geprüft würde, ob sich Mitarbeiter Geld aufs eigene Konto überweisen. Die kursierenden Adress-CDs von vergangenem Herbst? Jede Telefonbuch-Neuauflage enthält mehr Daten und müsste ein größerer Skandal sein. Die Bankverbindungen, die die Datenzocker gleich dazu verkauften? Selbst die sind nicht so sensationell, wie es klingt. Sonst wären alle Freiberufler und Selbstständige längst pleite. Deren Bankverbindung steht auf jedem Briefbogen. Und: Warum ziehen Millionen Menschen ihre EC-Karte durch jeden sich bietenden Schlitz, wenn sie ihre Bankverbindung geheim halten wollen? Vermutlich wissen sie gar nicht, was sie tun. Für diesen Fall würde ich mir eine rationalere und weniger emotionale Debatte wünschen. Denn Hysterie ist ein genauso schlechter Ratgeber wie Euphorie. Und gerade das Internet gerät als Medium, dem man alles zutraut, gerne unter Generalverdacht.

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