INTERNET WORLD Business





WAHLKAMPF IM INTERNET

SPD Online: Von allem etwas

Die Genossen nutzen im Internet die gesamte Marketing-Bandbreite / Die große Strategie ist nicht erkennbar

Fröhlich in Hellblau-Rot: Das Headquarter der SPD im Netz

Der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm. Geht es danach, dann hat die SPD gute Chancen, am Bundestagswahl-Wochenende Ende September für eine Überraschung zu sorgen und allen Unkenrufen zum Trotz, die Wahl für sich zu entscheiden. Gut, sehr unwahrscheinlich.

Denn wie eigentlich alles, was die Genossen derzeit anfassen, geriet auch der Wahlkampfauftakt im Netz beinahe zum Desaster. Anfang Januar ging die frisch relaunchte Seite Spd.de an den Start – um dann zunächst unter dem Ansturm der User zusammenzubrechen. Kein Wunder: Riefen im Jahr 2008 durchschnittlich 500.000 Besucher pro Monat rund zwei Millionen Seiten auf der Plattform ab, verzeichnete die neue Site in den ersten 24 Stunden laut SPD-Pressestelle eine Million Besucher. Die anfänglichen Probleme waren bald behoben und inzwischen läuft der Betrieb auf dem Portal problemlos.

Das Herz schlägt im Netz

Muss sie auch: Denn schließlich soll das Internet – da sind nicht nur die Genossen elektrisiert von Barack Obamas Siegeszug im Web – im Wahlkampf auch hierzulande eine zentrale Rolle spielen. Entsprechend wurde erst einmal die Website aufgefrischt. „Zentrale Neuerung ist die Einführung einer ,Multi-Content-Box‘, die über Text, Bild,Video und Audio auf die Inhalte des Auftritts führt“, erläutert eine Pressesprecherin den in frischem Hellblau-Rot gehaltenen Auftritt. Zuständig für den Auftritt ist übrigens die Berliner Agentur A&B Face2Net. Neu ist auch das würfelig-kantige Logo und der Claim „Anpacken. Für unser Land.“ Neben der Hauptadresse SPD.de hat sich der Parteivorstand übrigens circa 20 weitere Adressen reservieren lassen. Befragt nach dem Wahlkampfbudget für das Internet, hält sich die Partei bedeckt. Die schmallippige Antwort: „Wir sind gut vorbereitet.“

Auch auf die Gefahr hin, sich entsetzlich zu blamieren (siehe INTERNET WORLD Business 3/09): Alle Kraft voraus heißt es bei den Genossen in Sachen Web 2.0: „Die ,Mitmachoptionen‘ und die Verknüpfungen zu externen sozialen Netzwerken zeigen, in welche Richtung wir weiter entwickeln“, so die Sprecherin der Partei. Im Fokus stehen natürlich Communitys wie Facebook oder Youtube – und natürlich der aktuell medial so gehypte Microblogging-Dienst Twitter.

Laut einer neuen Studie von Nielsen über die Zwitscher-Aktivitäten der Bundestagsabgeordneten darf sich die SPD übrigens über die höchste Anzahl an Followern freuen: Insgesamt 3.594 Personen haben die SPD-Aktivitäten abonniert.

Dabei erfahren vor allem die Botschaften von prominenten Politikern wie Hubertus Heil und Franz Müntefering breite Resonanz. Ganz großes „aber“: Noch mehr Follower als Hubertus Heil, der mit 1.894 Anhängern an der Spitze der SPD-Twitterer liegt, hat Jakob Mierscheid. Den kann man allerdings nicht wählen – es handelt sich um einen fiktiven Abgeordneten aus dem Hunsrück. Seine Nachrichten haben derzeit 2.484 Menschen abonniert. Wie gesagt: Der Einsatz von Web 2.0 ist riskant.

Gesucht: Signet für Steinmeier

Besondere Aufmerksamkeit kommt im Wahlkampf naturgemäß dem Kanzlerkandidaten zu. Entsprechend sondiert das Team von Frank-Walter Steinmeier sämtliche Möglichkeiten der Web-2.0-Vermarktung. Auf Facebook & Co. längst vertreten, hat der derzeitige SPD-Außenminister das Thema Crowdsourcing für sich entdeckt und will mittels eines Wettbewerbs von der „Weisheit der Vielen“ profitieren. Dazu hat das Berliner Start-up Jovoto (www.jovoto.de ) einen Kreativ-Contest ausgerufen. Aufgabe: Eine unverwechselbare Bildmarke beziehungsweise Logo für „FWS“ finden. Geld gibt es dafür auch: Dem Sieger winken 1.500 Euro, der Zweitplatzierte erhält 750 und der Dritte 500 Euro. Die Ideen bis Platz 12 bekommen immerhin noch 250 Euro. Mitte März soll der Gewinner feststehen.

Natürlich nutzen die Sozialdemokraten das Internet auch als Werbeträger. „Wir werden eine skalierbare und integrierte Kampagne führen und über das Netz in diesem Jahr deutlich mehr machen als noch im zurückliegenden Bundestagswahlkampf“, so die Pressesprecherin zur Onlinewerbestrategie der SPD.Wie genau diese aussehen wird und welche Angebote davon profitieren werden, steht noch nicht fest. Die Botschaften würden selbstverständlich netzadäquat und zielgruppengerecht aufbereitet. häb *

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