INTERNET WORLD Business





Widerstand zahlt sich aus

Studie zeigt die aktuelle Bedrohung von Shopbetreibern durch Abmahnungen

Jede zweite Abmahnung trifft beim Empfänger auf Unverständnis

Alle siebeneinhalb Monate wurden deutsche Webshopbetreiber 2008 im Schnitt von einem Wettbewerber abgemahnt. Dieses Resultat einer Umfrage des Kölner Webshop-Zertifizierers Trusted Shops gibt Anlass zur Hoffnung, denn noch 2007 hatte die Zahl der durchschnittlichen Abmahnungen pro Jahr bei 2,1 gelegen: also alle sechs Monate Post vom Anwalt. Verschwunden sind auch die Massenabmahner – die meisten Abmahnungen wurden 2008 von der Wettbewerbszentrale ausgesprochen, die erreichte jedoch nur einen Anteil von 2,7 Prozent am Gesamtaufkommen. Dennoch bleibt das Risiko einer wettbewerblichen Abmahnung mit hohem finanziellen Schaden bestehen.

Jeder Zweite wird abgemahnt

Auch wenn die Zahl der Abmahnungen im Onlinehandel gegenüber 2007 rückläufig ist: Von den über 1.000 befragten Shopbetreibern haben bislang nur 44 Prozent keine Abmahnung erhalten. Über die Hälfte der Befragten hatten durch Abmahnungen einen Schaden von mehr als 1.500 Euro. In 36 Fällen wurden gar Schäden von über 25.000 Euro angegeben. Statistisch gesehen trifft es also immerhin jeden 30. Shop so hart. Bei diesen Summen wundert es nicht, dass 46 Prozent der abgemahnten Unternehmer sich in ihrer Existenz bedroht sehen.

Fehler N. 1 : Falscher Mustertext

Dabei muss man den Abmahnern zugutehalten, dass viele Shopbetreiber ihnen ihr Handwerk leicht machen: Auf Platz eins der Abmahngründe kam auch 2008 die Verwendung einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung – sie war für 39 Prozent aller Abmahnungen verantwortlich. Dabei ist seit April 2008 eine vom Justizministerium überarbeitete Variante verfügbar. Dennoch scheinen viele Händler nicht zu wissen, dass es diesen Text gibt und dass er nur ohne eigene Änderungen und Ergänzungen abmahnsicher ist.

Auf Platz zwei und drei der teuren Sünden rangieren Marken- und Urheberrechtsverletzungen. Es ist eben wettbewerbswidrig, fremde Markennamen zu verwenden, um damit eigene Produkte anzupreisen, ebenso wie die ungefragte Verwendung von Produktfotos, die man nicht selbst aufgenommen hat. Auch falsche oder fehlerhafte Angaben im Impressum dürfen zu den „Klassikern“ im Abmahngewerbe zählen.

Zu hohe Gebühren

Die Kostennote, die der Anwalt in der Regel seiner Abmahnung beifügt – und die sie für den Empfänger meistens so unangenehm macht – sollte indes nicht ungeprüft akzeptiert werden. In 18 Prozent der Fälle, die von den Befragten genannt wurden, haben die abmahnenden Anwälte außergerichtlich auf einen Teil der geforderten Gebühren verzichtet. In fünf Prozent aller Fälle wurden die Kosten durch das Gericht gekürzt – ein Weg, den deutsche Richter immer häufiger beschreiten. Insgesamt, so notiert Trusted Shops, steigt die Sensibilität der Gerichte bei Online-Abmahnungen.

Das trifft auch auf die Abgemahnten zu: Die Hälfte aller Betroffenen empfanden die Abmahnung als ungerecht und mit ihrem Rechtsempfinden nicht vereinbar. Das bedeutet nicht, dass sie nicht einsahen, einen Fehler gemacht zu haben, sie stellten diesen auch unverzüglich ab. Nur zahlen wollten sie dafür nicht. Eine deutliche Sprache sprechen Bewertungen wie diese:„Anwaltsgesindel, das sich bereichern will.“

Widerstand gegen eine Abmahnung zahlt sich eindeutig aus. In nur zwölf Prozent aller Fälle, in denen ein Abgemahnter sich gewehrt hat, ergab sich für ihn keine Verbesserung. Jede fünfte Abmahnung wurde nach Einspruch des Empfängers komplett zurückgezogen, bei 25 Prozent aller Fälle konnten wenigstens die Kosten gesenkt werden, bevor es zu einem Gerichtsprozess kam.

Und auch wenn die Mehrheit aller Onlinehändler Abmahnungen als unfaires Mittel ablehnt: 19 Prozent der Befragten haben schon mindestens einmal selbst davon Gebrauch gemacht. fk *


Die Studie im Überblick:

* 1.117 Shopbetreiber nahmen an der Umfrage „Shop-Abmahnungen im Internet“ des Webshop-Zertifizierers Trusted Shops teil.

* Die Umfrage ist die zweite ihrer Art: Im Januar 2007 wurden insgesamt 686 Shopbetreiber befragt.

* Alle Umfrage-Ergebnisse und die Musterwiederrufsbelehrung sind als PDF-Dokument verfügbar: www.trustedshops.de

comments powered by Disqus