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KONGRESS

Wie viel IT braucht der Handel?

Der Kongress IT@Commerce näherte sich dem Onlinehandel von einer technischen Seite

Ohne IT läuft im Handel nix: Der erste IT@Commerce fand im Kölner Congress-Centrum statt

In Köln fand Anfang Februar zum ersten Mal die Fachkonferenz IT@Commerce statt. 75 Teilnehmer von großen und kleinen Versandhäusern, Onlineshops und stationären Händlern diskutierten im Congress-Centrum ein zentrales Thema: Die Zukunft sogenannter ERP-Systeme (Enterprise Resources Planning) und die serviceorientierte Architektur (SOA). Die Referenten deckten einen viel breiteren Themenbereich ab, doch im Wesentlichen ging es darum, die realen Anforderungen hinter dem Modewort „serviceorientierte Architektur“ zu entdecken.

Frank Gessner von Alea brachte klar zum Ausdruck: Die meisten Firmen haben überhaupt keinen Bedarf an einer serviceorientierten Architektur, weil die datenreichsten und wesentlichen Anforderungen im Kernsystem abgebildet werden. SOA lohnt sich nur, wenn einzelne Dienste in ganz verschiedenen Bereichen eingesetzt werden sollen. Andererseits, so Gessner, gibt es heute immer mehr Dienste, die von außen als Zusatzapplikationen eingebunden werden. Daher ist es wichtig, dass die ERP-Systeme auf die Einbindung von neuen Diensten vorbereitet werden.

Zudem löst sich das alte Paradigma der kampagnengesteuerten Abläufe (sequenziell) auf in Richtung einer ereignisgesteuerten Anlage oder, so Dirk Stüven von IBM Deutschland, einer kundengesteuerten Aktionsabfolge. Die Flexibilität der Systeme sei die Herausforderung der Zukunft. Wolfgang Oesert von der Hamburger Unternehmensberatung Jörg Bernhard hatte die Kernaussage von Stüven schon vorbereitet. SOA sei keine IT-Frage, sondern eine Frage der intelligenten Architektur der „Business-Processes“. Oesert rief die Teilnehmer auf, zunächst ihre Geschäftsprozesse zu analysieren, um die sinnvoll separierbaren Module zu bauen. Dadurch könnten Prozesse parallel laufen und es wäre sofort erkennbar, ob Zahlungen bereits eingegangen sind. Dadurch wiederum könnte ein Kunde schon viel früher ein höheres Orderlimit erhalten.

In Einzelvorträgen berichteten Versender wie René Otto von Rock’n’Shop oder Fred Danckaarts von Office Depot darüber, wie sich durch einen durchdachten IT-Einsatz die Geschäftslogik stärker auf den Kunden abstimmen lässt. Auch Product Information Management oder Business Process Outsourcing wurden thematisiert. Kees de Vos von der Javelin Group bot einen Überblick über die performanten Onlineshopsysteme und die wesentlichen Entscheidungsparameter für die jeweils richtige Lösung.

Wie sehr die Branche sich wandelt, zeigte sich bei den großen Anbietern. Auf dem Podium oder der Ausstellungsfläche waren nicht nur die etablierten Anbieter wie MOSTangram, MAC Deutschland oder D&G, der „Urvater“ der Versandhandels-Software, vertreten. Ebenso zeigten sich kleinere Anbieter, die mit Open-Source-Software punkten. Und SAP, die in den letzten Monaten etliche bedeutende Installationen im Versandhandel realisieren konnten.

Die Veranstalter der IT@Commerce-Konferenz zeigten sich mit dem Erstling „grundsätzlich zufrieden“. „Viele Versender müssen ihre Systeme für neue Geschäftsmodelle fit machen“, sagt Martin Groß-Albenhausen, der Herausgeber der Fachzeitschrift „Der Versandhausberater“. „Das Thema gewinnt also eher noch an Bedeutung. Aber wir müssen stärker dafür sorgen, dass die IT-Themen im Detail besprochen werden.“

Die im ersten Jahr deutlich überwiegenden Vorträge von IT-Dienstleistern wollen die Veranstalter künftig zugunsten von Anwenderberichten zurückfahren. „Wir wissen jetzt viel besser, wer im Publikum sitzt und was deren Erwartungen sind. Das erste Mal ist immer das schwerste Mal, weil man da alle überhaupt möglichen Fehler macht – bei aller Mühe bei der Vorbereitung“, so Groß-Albenhausen. red *

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