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Stärkung der Privatsphäre

Federal Trade Commission: Selbstregulierung bei Behavioral Ads nicht ausreichend

Internet-Nutzer wissen oft nicht, dass ihre Daten für Targeting- Zwecke zusammengetragen werden

Der Schutz der Privatsphäre im Internet wird 2011 sowohl in Deutschland als auch in den USA ein noch größeres Thema werden als bisher. Firmen, die im Web werben, müssen sich damit auseinandersetzen.

In den USA hat die für Verbraucherschutz zuständige Federal Trade Commission (FTC) Anfang Dezember den vorläufigen Report „Protecting Consumer Privacy in an Era of Rapid Change“ veröffentlicht. Er soll zeigen, wie die Privatsphäre der Web-Nutzer besser geschützt werden kann.Ein Vorschlag ist die Einführung eines „Do Not Track“-Mechanismus (do not track = nicht verfolgen). Web-Nutzer sollen damit generell regeln können, dass ihre Profildaten im Netz nicht für zielgerichtete Werbeeinblendungen gesammelt werden. Die praktischste Methode wäre eine permanente Browser-Einstellung, die signalisiert, ob der Nutzer zustimmt, dass seine Daten gesammelt werden, meint die FTC. Sie kritisiert die Selbstregulierungs-Bemühungen der Industrie. Diese hätten bislang darin versagt, die Privatsphäre der Nutzer angemessen und sinnvoll zu schützen, urteilt die FTC. Die Vorschläge des Reports wenden sich an Politiker und an den US-Kongress und sollen als Hilfe dienen bei der Formulierung möglicher Gesetze zum Schutz der Privatsphäre

Der amerikanische Branchenverband Interactive Advertising Bureau (IAB) kritisiert den Vorschlag der FTC, einen „Do Not Track“-Mechanismus einzuführen, und sieht „signifikante Probleme“ bei der Schaffung eines solchen „neuen Regierungsprogramms“. Die Vorstellung, dass eine Online- Do-Not-Track-Liste wie das „Do Not Call“-Register funktioniere, sei falsch, meint das IAB. In das „Do Not Call“-Register können sich US-Konsumenten eintragen, damit sie keine Werbeanrufe erhalten. Telefonanschlüsse seien durch die Nummer eindeutig identifizierbar, das Web hingegen bestehe aus Millionen von verbundenen Webseiten. Für ein „Do Not Track“-Programm müsse man die Internet-Architektur verändern, meint das IAB USA.

Der europäische IAB sieht das anders. In Europa existiere so ein „Do Not Track“-Mechanismus bereits, sagt Stephan Noller, CEO des Targeting-Anbieters Nugg Ad und Chairman des Policy Committee beim IAB Europe: „Einen ,Do Not Track‘-Mechanismus haben die führenden europäischen Targeting-Anbieter schon seit Langem umgesetzt – allerdings sind wir der Überzeugung, dass ein solcher Mechanismus dem Medium Internet nicht gerecht wird und allein nicht ausreicht, um dem Web-Nutzer eine informierte Entscheidung zu ermöglichen.“

Das IAB Europe stellt der EU-Kommission und Verbraucherverbänden vor Weihnachten erstmals ein Maßnahmenpaket zur Steigerung der Transparenz und Kontrolle in Zusammenhang mit Behavioral Advertising vor. is

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