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Haftungsrisiko Amazon

Was bei Verkäufen über den Amazon Marketplace zu beachten ist

Rechtliches Restrisiko: Handeln über Amazon Marketplace

Der Vertrieb über die großen Handelsplattformen Amazon und eBay wird häufig als zweites Standbein neben dem eigenen Online Shop genutzt. Die Angebote bei Amazon rangieren regelmäßig auf Spitzenpositionen bei den Suchmaschinen. Allerdings muss sich der Händler dem System der Handelsplattformen unterwerfen, woraus sich rechtliche Risiken ergeben. Während es bei eBay Gestaltungsmöglichkeiten gibt, um den eigenen eBay-Shop weitgehend rechtssicher zu machen, fehlen diese Optionen bei Amazon. So ist der Amazon-Händler gezwungen, seine Anbieterkennzeichnung („Impressum“) und weitere gesetzliche Pflichtinformationen auf einer versteckten Unterseite unterzubringen.

Die rechtlichen Risiken für den Händler bei Amazon werden durch zwei aktuelle Urteile deutlich. Das LG Düsseldorf hat am 10.11.2010 (Az.: 34 O 76/10) entschieden, dass die AGB des Händlers bei Amazon in der Regel nicht Vertragsbestandteil werden, wenn diese lediglich unter „Verkäufer-Hilfe“ abrufbar sind. Hiervon sind auch die fernabsatzrechtlichen Pflichtangaben betroffen, wenn sie ebenfalls nur dort vorgehalten werden.

Das LG Hamburg hat am 10.02.2011 (Az.: 315 O 356/10) entschieden, dass der Händler für die irreführende Darstellung seiner Angebote auf der Amazon-Partnerseite haften kann.Hier hatte ein Amazon- Werbepartner auf seiner Seite ein Angebot des Händlers präsentiert und dabei zu niedrige Versandkosten angegeben. Die Hamburger Richter entschieden, dass der Händler für solche Wettbewerbsverstöße zumindest dann haften muss, wenn er davon Kenntnis hat, aber keine zumutbaren Maßnahmen dagegen unternimmt.

Zwar sind beide Entscheidungen noch nicht rechtskräftig und können noch von den zuständigen Oberlandesgerichten in zweiter Instanz gekippt werden. Bereits die erstinstanzlichen Entscheidungen zeigen aber die Risiken eines Vertriebs über Amazon auf. Diese lassen sich nicht gänzlich ausräumen, können aber durch geeignete Maßnahmen zumindest reduziert werden:

❚ Der Amazon-Name des Anbieters sollte aus der Firma des Händlers und weiteren Hinweisen gebildet werden, sodass auf der Angebotsseite standardmäßig die folgende Angabe erscheint: „Verkauf und Versand durch ,Firma Mustermann‘ (Impressum, AGB und gesetzliche Pflichtinformationen finden Sie unter Verkäufer-Hilfe). Für weitere Informationen klicken Sie bitte auf den Verkäufernamen.“  

❚ Impressum, AGB, Widerrufsbelehrung und gesetzliche Pflichtinformationen sollten trotz der oben erwähnten Rechtsprechung unter der Rubrik „Weitere Informationen über diesen Verkäufer anzeigen“ vorgehalten werden; und hierauf sollte auf den Angebotsseiten zusätzlich hingewiesen werden. Zur besseren Übersichtlichkeit der einzelnen Unterseiten ist es ratsam, HTML-Befehle für den Seitenumbruch zu verwenden.

❚ Versandkostenfreie Lieferung: Werden auf einer externen Seite dennoch Versandkosten beziffert, die tatsächlich gar nicht gefordert werden, ist eine Haftung des Händlers unwahrscheinlich.

❚ Eine eigene Bestelleingangsbestätigung per E-Mail erfüllt den Zweck, dem Verbraucher noch einmal die Widerrufsbelehrung und die AGB einschließlich der gesetzlichen Pflichtinformationen vorvertraglich in Textform zu schicken.

❚ Eine irreführende Produktbeschreibung, die von einem Werbepartner jederzeit kopiert und extern veröffentlicht werden kann, ist zu vermeiden.

Wenn der Händler-Shop zusätzlich juristisch überprüft wird, bevor der Handel eröffnet wird, ist das Abmahnrisiko zumindest überschaubar. ❚

RA Christian Welkenbach


Darauf müssen Sie achten:

❚ Bei Verkäufen über Amazon besteht die Gefahr, dass Ihre AGB und die gesetzlichen Pflichtangaben nicht richtig platziert sind – ein Abmahnrisiko.

❚ Einen Hinweis auf diese Angaben können Sie in Ihren Amazon-Händlernamen einbauen.

❚ Mit einer eigenen E-Mail-Bestelleingangsbestätigung schaffen Sie Rechtssicherheit.

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