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Schwerer Online-Einstieg

Retailer wollen ihre Webshops ausbauen - doch hier gelten eigene Spielregeln

Der Online-Anteil am Gesamtumsatz der im Web aktiven Einzelhändler soll sich in den kommenden fünf Jahren von aktuell 4,4 Prozent auf durchschnittlich neun Prozent verdoppeln. Das zeigt das aktuelle „Handelsbarometer“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, für das 120 führende Einzelhändler und Konsumgüterproduzenten sowie 1.100 Verbraucher in Deutschland interviewt wurden. Derzeit sind laut Studie zwei Drittel der befragten Handelsunternehmen mit eigenen Shops im Netz präsent. Und die meisten von ihnen haben die Weichen auf Ausbau gestellt. „Angesichts relativ niedriger Wachstumsraten im traditionellen stationären Handel schauen die etablierten Einzelhändler neidisch auf die Erfolgsmeldungen des Online-Handels“, beobachtet Thomas Harms, Partner bei Ernst & Young und Leiter des Bereichs Retail & Consumer Products.„Von diesem Kuchen möchten viele Unternehmen zukünftig ein größeres Stück abbekommen“.

Vor allem in den Bereichen Bekleidung, Unterhaltungselektronik und Schuhe bietet der Vertriebsweg Internet nach Ansicht der Unternehmen besonders große Wachstumschancen. Ein eher geringes zusätzliches Potenzial besteht bei Lebensmitteln, Baumarktartikeln, Schmuck sowie Medikamenten und Drogerieartikeln. Auch Neueinsteigern bietet das Netz aus Händlerperspektive durchaus noch Möglichkeiten – vor allem in den Segmenten Bekleidung, Sportartikel, Spielzeug, Schuhe und Unterhaltungselektronik. „Die Einstiegschancen im Bereich Unterhaltungselektronik und Spielzeug dürften allerdings aufgrund der Vergleichbarkeit durch Online-Preisvergleichsportale vor allem für Niedrigpreisanbieter gut sein“, merkt Harms an. Als Stolperstein für Einzelhändler könnte sich der gnadenlose Preiskampf im Netz erweisen: „Im Netz gelten eigene Regeln“, stellt Harms fest.

„Der Preis ist das mit Abstand wichtigste Kaufargument. Zumindest bei Unterhaltungselektronik, Haushaltswaren oder Spielzeug gilt daher: Wer ein größeres Stück vom Kuchen haben möchte, muss in den Preisvergleichsportalen auf den vorderen Plätzen auftauchen.“ Bessere Karten hätten die Händler im Bereich Kleidung, hier sei die Vergleichbarkeit weniger groß: „Sie können die Stärke ihrer Marke ausspielen, Eigenmarken präsentieren und mit Zusatzleistungen und einem ansprechenden Online-Auftritt punkten“, so die Einschätzung von Harms. dz  ❚

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