INTERNET WORLD Business





SERIE: E-COMMERCE INTERNATIONAL (TEIL 1)

Online-Märkte im Überblick

Wer sein Geschäft international aufstellen will, muss sich reiflich überlegen, in welchen Märkten er sein Glück versucht. Kerndaten ausgewählter europäischer Länder helfen bei der Auswahl

Wenn das Unternehmen den heimischen Markt bereits erobert hat, erwägen viele Online-Händler, ins Ausland zu expandieren. In der dreiteiligen Serie „E-Commerce international“ hilft INTERNET WORLD Business dabei: Neben den wichtigsten Kennzahlen lesen Sie, was Sie bei der Anpassung Ihres Shops beachten müssen, wie Sie Ihre Marketingaktivitäten an andere Länder anpassen, welche Rechtsvorschriften im internationalen Handel zu beachten sind und wie Sie Payment und Inkasso grenzüberschreitend abwickeln können. Im ersten Teil liefernwir Ihnen relevante Basisdaten wichtiger europäischer Länder, wie die Zahl der Surfer und den E-Commerce-Umsatz. Leider liegen den Zahlen zum Teil unterschiedliche Begriffsdefinitionen zugrunde, sodass die Werte nicht immer vollständig vergleichbar sind. Exakte Quellenangaben des verwendeten Zahlenmaterials finden Sie im Webcode (siehe Seite 31 unten). ❚

Daniela Zimmer

Großbritannien

Zwei Drittel der Briten zwischen 16 und 74 Jahren kaufen online ein. Damit liegt Großbritannien weit über dem EU-Durchschnitt von 40 Prozent. Auch die Händler sind mit 78 Prozent Webshop-Betreibern überdurchschnittlich stark im E-Commerce aktiv. Der Online- Umsatz lag 2010 bei 52,13 Milliarden Euro – auch hier ist Großbritannien europaweit Spitzenreiter. Beim Pro-Kopf-Umsatz reicht es mit 1.510,50 Euro aber nur für Rang zwei.

Deutschland

Die Umsätze im Online-Handel lagen 2010 bei 52,13 Milliarden Euro. Der Anteil der Online Shopper an der Gesamtbevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren liegt bei 59 Prozent. Der Umsatz pro Kunde im Online-Handel betrug 887,94 Euro. Rund 23 Produkte kauften die Shopper binnen zwölf Monaten – eine leichte Steigerung gegenüber 2008 mit zehn Produkten pro Halbjahr. Der Anteil der Händler mit eigenem Webshop liegt bei 53 Prozent.

Baltikum

In Lettland und Estland liegt der Anteil der Webshopper an der Gesamtbevölkerung (16 bis 74 Jahre) bei 17 Prozent, in Litauen sind es elf Prozent. Der Anteil der im E-Commerce aktiven Händler liegt bei 24 Prozent (Lettland), 35 Prozent (Litauen) und 54 Prozent (Estland).

Frankreich

In Frankreich stieg der Anteil der Online Shopper in der Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren zwischen 2009 (45 Prozent) und 2010 (56 Prozent) überdurchschnittlich stark. Der Anteil der Händler mit eigenem Webshop liegt bei 55 Prozent. Insgesamt erzielten französische Web-Händler im Jahr 2010 E-Commerce- Umsätze in Höhe von 31,18 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Umsatz lag bei 1.208,44 Euro, 26 Produkte wurden bestellt.

Spanien

In Spanien betrieb im Jahr 2010 jeder zweite Händler einen eigenen Webshop. 24 Prozent der Spanier im Alter von 16 bis 74 Jahren kauften in diesem Zeitraum online ein. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies ein Plus von einem Prozentpunkt. Der E-Commerce-Umsatz belief sich im vergangenen Jahr auf 7,87 Milliarden Euro. Der Umsatz pro Kunde, der 2010 insgesamt 19 Artikel im Internet bestellte, betrug durchschnittlich 795,33 Euro.

Schweiz

Rund 3,1 Milliarden Euro erwirtschaftete der Schweizer Handel 2010 über Bestellungen von Privatkunden via Internet und Katalog. Weitere 695 Millionen Euro gaben die Schweizer Verbraucher für den Handel auf Auktionshäusern und Tauschbörsen in der Schweiz aus. Der Pro- Kopf-Umsatz im Schweizer E-Commerce lag 2010 bei 1.297,76 Euro. Im Schnitt wurden pro Käufer 27 Artikel via Internet-Handel erworben.

Skandinavien

In Schweden (66 Prozent Online Shopper), Norwegen (71 Prozent), Finnland (59 Prozent) und Dänemark (68 Prozent) ist die E-Commerce-Nutzung in der Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren überdurchschnittlich hoch verbreitet. Und auch mehr als jeder zweite stationäre Händler verkauft in diesen Ländern via Web. Der E-Commerce-Umsatz lag in Schweden 2010 bei 4,7 Milliarden Euro, in Dänemark bei 4,49 Milliarden Euro, in Finnland bei 4,1 Milliarden Euro und in Norwegen bei vier Milliarden Euro. Beim Umsatz pro Online-Kunde führt Dänemark europaweit mit 1.652 Euro.

Russland

Mit jährlichen Steigerungsraten von 30 Prozent ist B2CE- Commerce ein besonders vielversprechendes Segment in Russland, in das zunehmend auch internationale Anbieter wie beispielsweise eBay oder Otto einsteigen. Haushaltsgeräte und Telekommunikationsprodukte, aber auch Mode stellen die beliebtesten Kategorien dar. Die Umsätze mit E-Commerce beliefen sich im Jahr 2010 auf 5,1 Milliarden Euro. 29,8 Prozent der Webshopper erzielen dabei durchschnittliche Warenkorbgrößen von 245 bis 736 Euro. Jeder Zehnte kauft im Schnitt für 750 bis 2.500 Euro ein. Der Anteil niedrigpreisiger Warenkörbe sinkt kontinuierlich.

Polen

2010 wurden in Polen im E-Commerce 3,86 Milliarden Euro umgesetzt, 2009 waren es noch 3,35 Milliarden Euro. Für 2011wird das Umsatzwachstum auf 17 Prozent taxiert. Insgesamt erwirtschaften Web-Händler in Polen im Schnitt rund drei Prozent der gesamten Einzelhandelsumsätze im Web. Dieser Anteil ist jedoch abhängig vom Produkt. Bei Unterhaltungselektronik wird in Polen inzwischen beispielsweise rund jeder fünfte Umsatz-Euro im E-Commerce erwirtschaftet. Rund 50 Prozent des E-Commerce- Umsatzes werden allerdings über Auktionsportale erzielt. Federführender Marktplayer ist hier die Plattform Allegro.pl.

Österreich

Für den E-Commerce liegen nur wenige Daten vor, wie selbst langjährige Marktteilnehmer einräumen. Im Jahr 2010 lag der Anteil der Online Shopper an der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren bei rund 56 Prozent. Der Versandhandelsumsatz, zu dem E-Commerce den größten Teil beiträgt, wird für 2010 auf rund fünf Milliarden Euro beziffert. Das entspricht rund neun Prozent des gesamten Einzelhandelsmarktes. Tiroler und Vorarlberger kaufen nicht so gerne im Internet ein wie Wiener oder Burgenländer.

Ungarn, Slowenien, Kroatien

In Ungarn kauften 18 Prozent der Gesamtbevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren online ein. In Slowenien sind es 27 Prozent, in Kroatien 14 Prozent. 56 Prozent (Slowenien) beziehungsweise 49 Prozent (Ungarn) der stationären Händler betreiben eigene Webshops. In Slowenien entwickelt sich der Online-Handel zunehmend dynamisch. Die wichtigsten Produktkategorien sind Bekleidung und Sportartikel. In Ungarn halten immer noch 30 Prozent der Bevölkerung E-Commerce für riskant.

Italien

Knapp 23 Millionen Unique Visitors zählte Italien (Gesamtbevölkerung 2010: 59 Millionen) im April 2011 im Web. Händler-Websites kamen im Januar 2011 bei den über 15- Jährigen auf eine Reichweite von 69,5 Prozent. Doch der Anteil der Personen im Alter von 16 bis 74 Jahren, die Waren oder Dienstleistungen für den privaten Gebrauch über das Internet bestellt haben, ist mit 15 Prozent im europäischen Vergleich noch verhältnismäßig gering. Der E-Commerce- Umsatz lag bei 10,25 Milliarden Euro.

Türkei

Im Jahr 2009 gab es in der Türkei rund 32 Millionen Online Shopper. Damit kaufen rund 42 Prozent der Gesamtbevölkerung auch im Internet ein. Der E-Commerce-Umsatz belief sich in diesem Zeitraum auf 5,3 Milliarden Euro, 2006 lag er noch bei 1,2 Milliarden Euro. Insgesamt wurden 66,5 Millionen Transaktionen abgewickelt (2006: 21,7 Millionen), die durchschnittliche Warenkorbgröße beläuft sich somit auf rund 80 Euro (2006: 55 Euro). Die größten Player auf dem türkischen E-Commerce-Markt sind der Online-Marktplatz Sahibinden.com, die Auktionsplattform Gittigidiyor.com und der Online-Händler Hepsiburada.com. Interessanterweise funktioniert auch der Online-Lebensmittelhandel in der Türkei. Der größte Anbieter dort, Yemeksepeti.com, erwirtschaftet jährlich 49 Millionen Euro mit Lebensmitteln im Web.

Europa

Insgesamt sollen in Europa in diesem Jahr 202,86 Milliarden Euro mit dem Internet-Vertrieb von Waren erzielt werden. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 171,91 Milliarden Euro.

Ungeschlagener Europameister in Sachen E-Commerce ist – zumindest was die absoluten Umsatzzahlen angeht – Großbritannien: 52,13 der insgesamt 171,91 Milliarden Euro flossen 2010 in die Kassen britischer Web-Händler. Auf den Plätzen folgen Deutschland (39,19 Milliarden Euro) und Frankreich (31,18 Milliarden Euro). Betrachtet man die Ausgaben pro Web-Kunde, liegt Dänemark mit 1.652,00 Euro an der europäischen Spitze. Dahinter folgt Großbritannien mit 1.515,50 Euro, an Norwegen geht Platz drei mit 1.435,43 Euro.

Die E-Commerce-affinsten Händler, und damit die größte Konkurrenz für alle an Internationalisierung denkende deutsche Online Retailer, finden sich ebenfalls im Vereinigten Königreich: 78 Prozent der stationären Händler vertreiben dort ihre Ware auch online. Irland steht mit 65 Prozent auf Rang zwei, Österreich mit 58 Prozent auf Rang drei. Die meisten Produkte im Zwölfmonatszeitraum haben ebenfalls die Briten gekauft. 41 Artikel klickten sie in den virtuellen Warenkorb. Die Dänen brachten es auf 30, die Italiener auf 27 Produkte.

Und mit einem Anteil von 89,4 Prozent an der Gesamtbevölkerung haben britische Einzelhandelswebsites darüber hinaus die größte Reichweite in Europa. Frankreich (87 Prozent) und Deutschland (82,1 Prozent) folgen.


Übersicht „E-Commerce international“

Auf nach Europa: Die dreiteilige Serie „E-Commerce international“ begleitet Sie bei der Expansion Ihres Online Shops und liefert Ihnen Grundlagen und Handlungsempfehlungen bei der Entscheidung pro oder contra Internationalisierung.

Zahlen und Fakten zum europäischen Online-Markt

Ausgabe 12/2011

First Steps – wie man Internationalisierungsprojekte angeht

Ausgabe 13/2011

Andere Länder, andere Sitten: Länder- Spezialitäten im Überblick

Ausgabe 14/2011

Die Quellenangaben für alle auf dieser Doppelseite verwendeten Studien finden Sie mit dem Webcode 1002024.

comments powered by Disqus