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INTERVIEW

24 Stunden im Einsatz

Am 21. September eröffnet in Köln die 3. Digital Marketing Exposition & Conference – kurz: Dmexco. Doch bis dahin haben die beiden führenden Köpfe hinter der Kongressmesse noch einen Haufen Arbeit vor sich

Christian Muche ist Director Business Development, Strategy & International im Board of Directors der Dmexco. Der 44-Jährige hat bereits für AOL und Yahoo gearbeitet und war Vorsitzender des Online-Vermarkterkreises (OVK)

Frank Schneider ist Director Marketing, Sales & Operations im Board of Directors der Dmexco. Vor seinem Engagement für die Koelnmesse hat der heute 48-Jährige die Branchenmesse Online Marketing Düsseldorf aufgebaut.

Ein schlichter Besprechungsraum im siebten Stock des Verwaltungshochhauses der Koelnmesse. Christian Muche und Frank Schneider sitzen in Jeans und Hemd vor uns. Zum dritten Mal organisieren die beiden in diesem Jahr mit ihrem Team die Branchenmesse Dmexco. Und sie haben noch jede Menge zu tun.

Noch zehn Wochen bis zur Eröffnung der Dmexco – wie schlafen Sie denn so?

Christian Muche: Die Frage ist heute falsch gestellt, denn gestern hatten wir den Dmexco Satellite in Zürich, da ist es recht spät geworden, bis halb drei Uhr nachts. Aber grundsätzlich: In Sachen Dmexco schlafen wir sehr gut.

Verglichen mit dem Vorjahr – wie ist die aktuelle Lage?

Frank Schneider: Eigentlich genauso wie 2010. Wir haben ja bereits jahrelange Erfahrung in diesen Sachen. Beim Wechsel von Düsseldorf nach Köln im Jahr 2009 war es natürlich etwas turbulenter, aber das hat sich relativ schnell wieder eingespielt. Insofern kann ich ebenfalls sagen: Wir schlafen ziemlich entspannt.

Im vergangenen Jahr belegte die Dmexco eine Messehalle. In diesem Jahr werden es zwei sein. Eine Messe kann ja nur Halle für Halle skalieren. Wie sehen Ihre Reserven aus für den Fall, dass sich die Nachfrage nach Ausstellungsfläche unerwartet entwickelt?

Muche: Im vergangenen Jahr war die Messehalle bis zum Bersten gefüllt, da waren wir an der Oberkante der Kapazität. Deshalb war es aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung unserer Aussteller schon recht bald klar, dass wir in diesem Jahr eine zweite Halle brauchen würden.

Schneider: Wir haben die zweite Halle zu zwei Dritteln aufgeplant, und zwar in einer sogenannten Blockaufplanung. Man plant Ausstellungsflächen in Blöcken ein und kann diese Blöcke dann vermarkten. Und nachdem wir in diesem Jahr bereits zum Ende der Earlybird-Phase für Frühbucher mehr Buchungen hatten als im gesamten Jahr 2010, befinden wir uns mit unserer Planung in einer relativ komfortablen Situation. 2010 wurden wir auch etwas vom Besucheransturm überrascht. Da ging es schon recht eng zu. Deshalb werden wir schon aus Sicherheitsgründen in diesem Jahr etwas großzügiger planen und zum Beispiel die Gänge verbreitern.

Sie haben im letzten Jahr einen sehr feinen Kongress organisiert. Im Gegensatz zu manchen anderen Veranstaltungen ist dieser für registrierte Fachbesucher kostenlos. In diesem Jahr wird der Kongress vermutlich nicht kleiner und nicht weniger hochklassig als im vergangenen Jahr – eher im Gegenteil. Wie rechnet sich das Ganze denn?

Muche: Die Dmexco als Ganzes, also Conference und Messe, war schon immer kostenfrei und wird es bleiben. Die Conference wird weiterhin in ihren vier Formaten – Congress Hall, Debate Hall, Speaker’s Corner und Seminars – bleiben, allerdings immer wieder mit kleinen Innovationen. Qualitativ wird es ebenfalls eine Fortentwicklung geben. Die Refinanzierung ist der Verkauf der Ausstellungsfläche. Dazu kommt, dass wir keinem Speaker eine Antritts- Fee oder Ähnliches bezahlen. Das wird auch akzeptiert, weil wir ja keinen Eintritt verlangen.

Schneider: Ein hochklassiger Kongress ist natürlich ein Besuchermagnet für die Messe. Wenn Sie bei uns ein Preisschild dranhängen würden, müssten Sie rund 3.000 Euro pro Tag nehmen. Doch dann würde nur eine begrenzte Menge an Teilnehmern kommen. So aber erreichen wir attraktive Besucher, die dann hinterher zu den Ausstellern gehen. Das ist eben das Gesamtpaket – Messe und Conference sind gleichberechtigt.

Wenn das Kongressprogramm in diesem Jahr nicht erweitert wird, wird das sicherlich manche Aussteller freuen, denn wer in der Congress Hall sitzt, kann nicht gleichzeitig auf einen Stand kommen, oder?

Schneider: Unsere Marktforschung hat ergeben, dass ein Kongressbesucher im Schnitt zwei bis vier Vorträge pro Tag besucht, das bedeutet, die Teilnehmer gehen sehr selektiv vor. Außerdem haben wir eine sehr große Bandbreite, wir sprechen segmentierte Zielgruppen an. Sie werden sehen: Die Halle ist immer voll, es findet permanent etwas statt.

Muche: Man muss auch die Relationen sehen. Wir hatten letztes Jahr etwa 16.000 Besucher an beiden Tagen. Wenn man alle Kongress-Fazilitäten zusammen nimmt, können vielleicht 1.300 bis 1.400 Menschen zeitgleich am Kongressprogramm teilnehmen. Umgerechnet auf die Messe bedeutet das, dass ein Stand dann vielleicht einen bis zwei Besucher weniger pro Stunde hätte. Und natürlich ist dieser Besucher nicht weg, der kommt ja wieder, wenn sein Vortrag beendet ist.

Wenn sich ein Unternehmen heute entscheidet, dass es auf der Dmexco noch präsent sein muss – ist da noch was zu machen, oder ist der Zug schon abgefahren?

Schneider: Ich sage es mal so: Wenn man clever aufplant, dann hat man immer noch eine Variante, um zu helfen, aber es ist schon verdammt eng. Die geplante Fläche haben wir jetzt bereits vergeben.

Wenn Sie über die Dmexco sprechen, dann fällt oft der Begriff „Qualität“. Was macht diese Qualität aus?

Muche: Wir wollen natürlich den Besuchern ein einzigartiges Erlebnis bieten, und den Ausstellern einen möglichst hohen Return on Investment. Dazu brauchen wir die Kontakte in die Branche hinein – hier widmen wir beide extrem viel Zeit für Kontaktpflege, ich nenne aber als Beispiel auch den BVDW, der ja der ideelle Träger der Dmexco ist.

Schneider: Ein weiteres Beispiel ist die Agency Lounge. Früher haben sich die Agenturen auf der Messe mit ihren Kunden verabredet, um mit ihnen zu sprechen oder ihnen Firmen vorzustellen. Aber weil sie keine Möglichkeit hatten, irgendwo zusammenzukommen, ist daraus das Konzept der Agentur-Lounge geworden. Hier können die Agenturen sich mit ihren Kunden besprechen, sie können sie bewirten, sie können sie wiedertreffen, wenn sie ihren Rundgang durch die Hallen beendet haben. Das Konzept ist total gut angenommen worden – und es hat uns im letzten Jahr 400 bis 500 qualifizierte Besucher gebracht.

In den meisten Ländern gibt es eine Hauptstadt, in der ein Großteil der Internet- Wirtschaft ansässig ist. In Deutschland gibt es mehrere Städte. Aber um Köln als „Hauptstadt des Internets“ zu bezeichnen, müsste man sich argumentativ schon mächtig verrenken. Ist das für Sie ein Nachteil?

Schneider: Nein, das glauben wir nicht. NRW ist die bevölkerungsreichste Region Deutschlands, Ballungsräume in Nachbarländern wie Holland und Belgien sind nicht weit entfernt. Von Köln aus erreichen Sie innerhalb einer Flugstunde fast jeden Ort in Europa. Vom Flughafen Frankfurt, an dem die meisten Langstreckenflüge ankommen, sind Sie in 45 Minuten mit dem ICE am Messebahnhof. Das gilt übrigens für Düsseldorf auch. Deshalb sind das die beiden einzigen Standorte, wo man eine solche Veranstaltung machen kann.

Herr Muche, Ihr privater Lebensmittelpunkt ist in Neuseeland, Herr Schneider lebt in Köln. Wie geht das denn in der Praxis?

Muche: Es läuft völlig problemlos. In der Branche, in der wir arbeiten, spielt es ja keine Rolle mehr, wo Sie sitzen. Wir sind rund um die Uhr erreichbar. Unser Team kann tatsächlich 24/7-Services bieten, wenn der eine schläft, ist der andere im Büro. Und wenn ich in Neuseeland bin, dann sind meine Arbeitsstunden natürlich an die Gegebenheiten angepasst. Das heißt, ich arbeite dort vorwiegend in den Abendstunden und bin live erreichbar, wie wenn ich in Köln im Büro säße. Ich bin sogar zum Teil besser zu erreichen als jemand, der in Deutschland in der Gegend herumreist oder in Meetings steckt. Außerdem bin ich mehrere Monate im Jahr in Deutschland. Das Ergebnis der letzten beiden Dmexco-Jahre zeigt, dass das hervorragend funktioniert.

Schneider: Ansonsten nutzen wir natürlich alle technischen Möglichkeiten, also Video Conferencing, schicken Präsentationen hin und her und gleichen uns jeden Tag ab.

Herr Muche, wenn Sie jetzt in Neuseeland sind und nach Köln aufbrechen. Wie lange brauchen Sie da?

Muche:Man wird ja kreativ und sucht sich die schnellste Verbindungen aus. Aber der Weg zum Flughafen, Inlandsflug in Neuseeland, Inlandsflug in Deutschland, zwei Langstreckenflüge – 30 Stunden.

Wie oft geben Sie sich das im Jahr?

Muche: Wir planen das natürlich in Abhängigkeit zu den Notwendigkeiten, aber ein paarmal kommen schon zusammen.

Funktioniert es denn in der Praxis, dass Sie sich die Aufgaben aufteilen, etwa Termine in Übersee wahrnehmen?

Muche: Dabei kommt uns sehr zugute, dass sich Frank Schneider mit dem Team vorwiegend um die Messe kümmert, bei der eine Präsenz hier vor Ort wichtiger ist. Die Internationalisierungsfragen, strategische Ausrichtung, Kongressorganisation, das erfordert viel mehr Kommunikation, die man elektronisch abwickeln kann. Dennoch kombiniere ich meine Reisen nach Europa natürlich mit Terminen, wenn es sich anbietet – etwa um einem Aussteller oder einer Agentur in New York oder London die Dmexco vorzustellen.

Eigentlich ist die Dmexco ja eine zweitägige Veranstaltung. Doch immer mehr Termine finden bereits am Vorabend statt. Jetzt kommt auch noch die Ubercloud (siehe Kasten) hinzu. Wann dehnen Sie die Dmexco auf drei Tage aus?

Muche: Wir haben immer gesagt, dass wir nicht ausschließen, die Dmexco irgendwann einmal zu verlängern. Aber das werden in erster Linie die Aussteller entscheiden. Natürlich gibt es Stimmen, die für eine Verlängerung sind, aber im Moment ist die Mehrheit der Aussteller noch nicht bereit, die Verlängerung mitzutragen – und den Mehraufwand, der sich dadurch ergibt. Wir können jederzeit verlängern, wenn es gewünscht wird.

Schneider:Wir haben es in der Vergangenheit immer so gemacht, dass wir neue Dinge erst einmal als Einmalveranstaltung aufgesetzt haben. Wenn das Format angenommen wird, werden wir es im nächsten Jahr weiterentwickeln.

Wie wollen Sie denn in diesem Jahr das Thema Internet-Zugang auf die Reihe bekommen? Die Dichte an iPhones wird ja wohl maximal sein – und die wollen alle ins Netz.

Schneider: Die Messestände werden fest verdrahtet, für die Besucher gibt es ein WLAN. Wir arbeiten mit einem Dienstleister zusammen und sagen ihm genau, worauf er sich einzustellen hat. Was das Mobilfunknetz angeht, ist das eine Infrastruktur, die nicht auf dem Messegelände zur Verfügung gestellt wird. Wir haben zwar die Mobilfunk-Provider gebeten, für einen reibungslosen Netzzugang zu sorgen, aber inwieweit sie tatsächlich für die Dmexco zusätzliche Sendemasten aufstellen, das ist deren unternehmerische Entscheidung.

Kann man jetzt von der Dmexco schon etwas sehen?

Schneider: In den Hallen finden ja jetzt noch andere Veranstaltungen statt. Eine Woche vorher gehen wir rein, wir müssen ja öffentliche Bauten wie die Debate Hall aufbauen. Vier Tage vor Eröffnung beginnt die Aufbauphase für die Aussteller.

Muche: Die Dmexco gibt es schon – auf dem Reißbrett, im Computer.

Schneider: Das ist ja das Faszinierende: Eine Woche vorher kommen Sie in eine leere Halle, dann fragen Sie sich, was machen die denn alle. Zwei Tage vorher wissen Sie vor Gewimmel nicht wo vorne und hinten ist, und fünf Minuten nach Messeschluss ist alles vorbei, dann reißt schon irgendwo jemand den Teppich raus. ❚

Interview: Frank Kemper


Messe, Speaker, Ubercloud – die Dmexco in Kürze

Platz für Fachdiskussionen: Die Conference der Dmexco wartet auch 2011 mit hochklassigen Referenten auf

Zum dritten Mal findet am 21. und 22. September 2011 in Köln die Online-Marketing-Messe Dmexco statt. In diesem Jahr belegt die Veranstaltung die Messehallen 7 und 8 sowie das Kongresszentrum, 35.000 Quadratmeter Fläche sind verplant. Nach Angaben der Koelnmesse haben sich bereits über 400 Aussteller angemeldet, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit, so heißt es aus Köln, ist die Dmexco die weltgrößte Veranstaltung ihrer Art. Auf dem Kongress werden Speaker wie Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski, Andrew Robertson, CEO & President BBDO worldwide, und Steve King, CEO worldwide Zenith Optimedia, erwartet. 2010 zählten die Organisatoren 16.000 Besucher. In diesem Jahr werden mehr als 17.000 erwartet. In den nächsten Ausgaben werden wir Sie über weitere Highlights der Dmexco informieren. Am Vortag der Dmexco findet in diesem Jahr erstmals die Ubercloud statt, ein Kreativ-Kongress, der die Kreativbranche mit der digitalen Wirtschaft zusammenbringen soll. Im Gegensatz zur Dmexco, deren Besuch für registrierte Fachbesucher kostenlos ist, kostet die Ubercloud Eintritt: 599 Euro zuzüglich MwSt.

www.dmexco.de, www.ubercloud.de

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