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KOMMENTAR

Entzaubert Facebook!

D. Grollmann, Chefredakteur

Eine gute Idee – und diese konsequent umgesetzt: Das gilt nach wie vor als ein ungemein erfolgreiches Rezept im Internet. Apples iPhone, der Bezahldienst Paypal, das Amazon-Bestellsystem oder der Schuhversender Zappos sind gute Beispiele für die erfolgreiche Umsetzung dieses Gedankens. Unangefochtener Meister der Simplifizierung ist aber die Google Company, die einst mit einer weißen Seite und einem Suchschlitz das Internet revolutionierte. Nun scheint sich ähnliches zu wiederholen. Kaum hat Gründer Larry Page wieder das Ruder übernommen, schon besinnt sich die Firma auf ihre Wurzeln und stellt mit Google Plus ein Social Network vor, das wegen seiner einfachen und transparenten Funktionen allseits gelobt wird. Es bietet, was Facebook verspricht (nämlich mit verschiedenen Leuten eine halb-öffentliche Kommunikation zu führen), aber genau genommen schlecht einlöst wird (weil niemand genau weiß, wer gerade was zu sehen bekommt und warum).

Google Plus ist der Bit-gewordene Gegenentwurf zu Facebooks größter Schwäche. Ein Finger in der Wunde, aber – bei aller Euphorie – natürlich kein Selbstläufer. Die Popularität von Facebook will erst einmal überboten sein. Ein paar freundliche Rezensionen allein werden nicht ausreichen, um die Mutter aller Netzwerke vom Thron zu stoßen. Nur einen Erfolg kann Google Plus allen Unwägbarkeiten zum Trotz schon jetzt für sich verbuchen: Die Neuentwicklung hat gezeigt, dass ein soziales Netzwerk einfach sein kann. Und dass Facebook angreifbar ist. Damit dürfte die Entzauberung von Facebook begonnen haben. Ein Side-Effect, der kurz vor Zuckermanns geplantem Börsengang gut und gerne einige Milliarden US-Dollar teuer sein könnte.

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