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SHOP-PORTRÄT

Immer unter Druck

Mit konsequenter Online-Ausrichtung rettete sich Diedruckerei.de vor dem wirtschaftlichen Aus

Farben-Monstrum: Zwölf Offset-Druckmaschinen laufen bei Diedruckerei.de fast rund um die Uhr

Die fast 10 Meter lange Offset-Druckerpresse stampft und rattert; unaufhörlich drücken sich die Farbrollen auf die kilometerlangen Papierbahnen, die im Bauch der riesigen Maschine in rasantem Tempo vorbeirauschen. „Die macht 18.000 Exemplare pro Stunde“, erkärt Walter Mayer stolz. Der Geschäftsführer von Diedruckerei.de muss fast schreien, um sich bei dem Lärm, den seine neueste Errungenschaft, eine Speedmaster XL 105 Achtfarben, erzeugt, verständlich zu machen. Die Führung durch die Produktionsstätten der Online-Druckerei ist Chefsache – und man merkt Mayer an, dass er das Geschäft von der Pieke auf gelernt hat, Tintenflecken auf den schwieligen Händen inklusive. Ein Unternehmer mit Bodenhaftung, der auch mal selbst den Sitz der Farbrollen kontrolliert oder den Kontrast eines Fehldrucks begutachtet.

Wie die Jungfrau zum Kind

Der Eindruck fränkisch-gemütlicher Hemdsärmeligkeit setzt sich im Besprechungszimmer fort – von der Sekretärin, die ihren Chef in breitem Dialekt duzt, über eine Vitrine mit leicht verstaubten Modellautos bis hin zu Meyers Altrocker- Look. Mit seinen langen schwarzen Haaren und den Lederbändern an den Handgelenken scheint er eher auf ein Metallica- Konzert als hinter einen Schreibtisch zu gehören. Der Eindruck täuscht nicht unbedingt – denn dass Ulrich Meyer heute der Chef einer der erfolgreichsten Online- Druckereien Europas ist, hätte er sich vor einigen Jahren nicht träumen lassen. 2004 stieg er als Juniorchef bei der Verlag E. Meyer GmbH, dem Verlags- und Druckereiunternehmen seines Vaters, ein – ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt. Die Branche litt seit 2000 unter der Medien- und Werbungskrise, der mörderische Preisdruck setzte dem Verlag zu, der seinen wenigen Großkunden, darunter dem Quelle- Katalog, auf Gedeih und Verderb ausgeliefert schien. Das Schicksal des fränkischen Unternehmens, das nur noch 30 Mitarbeiter beschäftigte, hing am seidenen Faden, als Walter Meyer beschloss, den Schritt ins Internet zu wagen. Das Subunternehmen Diedruckerei.de wurde gegründet, ganze zwei Mitarbeiter versuchten sich in den Weiten des Web zurechtzufinden. Die Idee: Die Abhängigkeit von wenigen Großkunden abzumildern, indem man viele kleinere Kunden mit Druckerzeugnissen in niedrigen Auflagen bedient – Gutscheine für das italienische Restaurant, Werbeflyer für das lokale Musikfestival, Broschüren für das neue Kosmetikhotel. Doch diese Kleinkunden mussten erst einmal gefunden werden. „Am Anfang lief das Geschäft sehr schleppend und alles andere als kostendeckend an – bis wir Google verstanden hatten“, erinnert sich Meyer. Suchmaschinenoptimierung verbesserte das Ranking, Adwords- Kampagnen machten die Marke im Netz bekannt. 2008 mauserte sich Diedruckerei.de zur GmbH. Heute arbeiten in Neustadt an der Aisch über 300 Mitarbeiter, 250 in den Produktionshallen, 60 sind allein für den Online-Vertrieb zuständig. Das Ziel Kundendiversifizierung wurde erreicht: Über 100.000 Kunden hat Diedruckerei.de derzeit, 42 Prozent kommen aus dem europäischen Ausland. Über Umsätze spricht Walter Meyer nicht gern. „Ich kann aber sagen, dass der Online-Umsatz von Diedruckerei. de heute 75 bis 80 Prozent des Gesamtumsatzes der Meyer-Druckerei ausmacht“, verrät er.

Den Online-Erfolg, der das einst strauchelnde Unternehmen rettete, erklärt Meyer mit den Schlagworten Qualität und Effizienz. „Auch im Internet gibt es einen großen Preisdruck“, so der Geschäftsführer. „Aber wir sind gut eingespielt und generieren extrem viel Masse. Dadurch sind unsere Druckmaschinen rund um die Uhr ausgelastet – das verbilligt die Produktion. Andererseits haben wir eine hohe Kompetenz auf unserem Gebiet: Das Drucken ist unser Geschäft, Produktion und Vertrieb finden auf dem gleichen Gelände statt. Das erhöht die Qualität bei den Druckerzeugnissen und beim Service.“

Auf allen Kanälen

Damit der Erfolgskurs auch in Zukunft eingehalten werden kann, setzt Diedruckerei. de auf eine aggressive Werbestrategie. Zu einem fein abgestimmten SEO und SEA, worüber vor allem im Ausland weiterhin der Löwenanteil der Kundschaft an Land gezogen wird, gesellt sich seit einiger Zeit aufwendige Fernsehwerbung, produziert von der Agentur Mediaplus. Teuer, aber unverzichtbar für die Markenbildung, findet Meyer. Zum Marketing-Mix gehören auch Bandenwerbung in Fußballstadien, Sponsoring, Werbung auf der Youtube-Startseite, personalisierte Newsletter und die gesamte Social-Media-Klaviatur. Diedruckerei.de ist auf Xing, Facebook und Twitter, führt einen Blog und befüllt einen Youtube- Channel. Rund 100.000 Euro hat Meyer im letzten Jahr in Social-Media-Maßnahmen gesteckt – die Erfolge sind eher mau, gerade mal 1.800 Fans zählt die Facebook-Seite. „Wir sind mittlerweile der Meinung, dass Social Media für den Abverkauf fast gar nichts bringt, zumindest in unserem Bereich“, so Meyer skeptisch. „Andererseits tritt man in Kontakt mit dem Kunden, das ist uns schon sehr wichtig. Zudem sind wir eine junge Marke, die auch Kreative und Künstler ansprechen will – und das geht im Web 2.0 sehr gut.“ Deshalb soll das Engagement fürs Erste weiterlaufen:„Noch ist es zu früh, um wieder zurückzustecken.“ il  ❚

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diedruckerei.de

Gründung: 2004, firmiert seit 2008 unter Onlineprinters GmbH

Unique Visits / Monat: Über 400.000

Umsatz 2010: Keine Angaben

Anzahl der Mitarbeiter (fest und frei): ca. 300

Shop-Software: Websale AG

Marketing-Agentur: Print: Tiziani-Design; Online: Mediascale; TV: Mediaplus

Callcenter-Partner: Keine Angaben

Logistik: UPS

Internet: www.diedruckerei.de

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