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STUDIE: VERSANDHANDEL 2011

Unerwartet hohes Wachstum

Bei der Prognose für das Versandhandelsvolumen 2011 hat sich der BVH ordentlich verschätzt – und bessert nach

Dem deutschen Versandhandel steht ein Superjahr bevor. Soeben hat der Bundesverband des Versandhandels (BVH) im Rahmen der Studie „Distanzhandel in Deutschland“ seine aktuellen Marktprognosen für den deutschen Versandhandel 2011 vorgelegt und diese dabei stark nach oben korrigiert. Ging der Verband im Februar noch von einem Umsatzniveau von 31,9 Milliarden Euro aus, liegt er den aktuellen Prognosen zufolge bis Ende des Jahres bei 32,4 Milliarden Euro. Für die Studie werden von Januar bis Dezember 2011 30.000 Privatpersonen aus Deutschland über 14 Jahre zu ihrem Ausgabeverhalten im Versandhandel und zu ihrem Konsum von digitalen Dienstleistungen befragt.

Hohes Wachstum auf hohem Niveau

„Das ist sowohl absolut (plus 2,1 Milliarden Euro in einem Jahr) als auch relativ (plus sieben Prozent) gesehen das mit Abstand höchste Marktwachstum, das der Distanzhandel in der Internet-Ära je gesehen hat“, schlussfolgert E-Commerce-Berater Jochen Krisch sofort gewohnt wohlinformiert. „Üblich waren bisher Wachstumswerte zwischen zwei und fünf Prozent – auf weitaus geringerem Niveau.“ Der Online-Handel mit Waren legt auf 21,5 Milliarden Euro (2010: 18,3 Milliarden Euro) zu und durchbricht damit erstmals die 20-Milliarden-Euro-Umsatzgrenze. Die Wachstumsraten allerdings schwächten sich gegenüber dem Vorjahr von 18 auf 17 Prozent ab. Der Anteil am gesamten Versandhandel liegt bei rund 66 Prozent und steigt damit um sechs Prozentpunkte zum Jahr 2010.Krisch sieht für die Zukunft ein noch dynamischeres Marktwachstum: „Der E-Commerce lernt dazu, die Professionalisierung schreitet voran, und sobald bestimmte kritische Umsatzschwellen überschritten werden, kommen die üblichen Skaleneffekte zum Tragen. Die Fixkosten sinken im Vergleich zum Umsatz, machen den Handel online noch wettbewerbsfähiger, was zu zusätzlichen Umsätzen / Marktanteilen führt, etc.“, schreibt er in seinem Blog „Exciting Commerce“.

Eine gemeinsame Studie des BVH und des E-Payment-Spezialisten Paypal vermittelt noch weitere Einblicke in die aktuelle E-Commerce-Landschaft. Der Studie zufolge waren die Top-Umsatzbringer im E-Commerce im ersten Quartal 2011 Mode (2,9 Milliarden Euro Umsatz), Unterhaltungselektronik und Elektronikartikel (920 Millionen Euro Umsatz) sowie Medien, Bild- und Tonträger (770 Millionen Euro Umsatz). Ebenfalls beachtenswert: Bei 80 Prozent der deutschen Web- Händler sitzt der Zahlungsanbieter Paypal im Boot, was das Online-Bezahlverfahren nach der Vorauskasse per Überweisung zum am zweithäufigsten angebotenen Zahlungsmittel macht. Und es wird von den Kunden gerne angenommen: Mehr als ein Viertel der Transaktionen und auch mehr als ein Viertel der Webshop-Umsätze werden über Paypal abgewickelt. Die Vorauskasse liegt hier mit einem knappen Drittel nur eine Nasenlänge vorn.

M-Commerce noch nicht relevant

Als große Trends deklarieren die Studienherausgeber gemeinsam die Bereiche Mobile und Social. 2013 sollen acht Prozent der online gekauften Waren über ein Mobiltelefon bestellt werden, prognostizieren die Auguren. Aktuell würde schon heute jeder vierte Smartphone-Besitzer mit dem Mobiltelefon einkaufen, insgesamt seien somit rund sechs Millionen Konsumenten über das Smartphone zum Einkauf zu verführen. Krisch indes sieht das Thema Mobile Shopping als weit weniger relevant an:„Mobile Commerce ist auf absehbare Zeit in etwa so marktrelevant wie der Online-Handel Ende der 90er-Jahre“, lautet sein vernichtendes Votum.„Stattdessen gilt es, sich grundlegend, das heißt in den Handels- und Geschäftsmodellen, auf dieses absehbare Marktwachstum, das weniger technologisch, sondern vor allem kundengetrieben sein wird, einzustellen, entsprechend strategische Weichen zu stellen und geeignete Infrastrukturen zu schaffen, die es erlauben, am Marktwachstum zu partizipieren beziehungsweise es idealerweise aktiv mitzugestalten.“

Wachstum erhoffen sich die Shop- Betreiber allerdings auch von der Internationalisierung. Jeder dritte Händler glaubt, die Umsätze aus dem Ausland werden in Zukunft steigen. dz

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