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Die LoMoSos kommen

Local, Mobile, Social – so sieht der moderne Internet-Nutzer aus. Eine Typologie

Bitte nicht! Angesichts einer stationären Tastatur bekommt der LoMoSo Schreikrämpfe

Alle reden von den LoMoSos. Doch wie sieht dieser neue Nutzertypus aus, was genau charakterisiert ihn? Martina Rohr, im Digital Planning bei Universal McCann (UM) in Frankfurt tätig, hat sich die neue Spezies genau angeschaut:

These 1: Medienkompetenz ist wichtiger als Privatsphäre

Der LoMoSo (Local, Mobile, Social) zählt zur neuen digitalen Avantgarde und den Early Adopters. Für ihn spielen Datenschutzfragen kaum eine Rolle. Vielmehr steht die individuelle, selbstbestimmte Kontrolle seiner persönlichen Daten und eine ausgereifte Medienkompetenz im Zentrum seines Handelns. Dem LoMoSo macht es nichts aus, wenn Unternehmen seine Informationen für Marketing nutzen. Im Gegenteil: Er nimmt Werbung – zumal er sie aktiv ausblenden kann – sogar bewusst in Kauf. Denn er betrachtet persönliche Daten als Tauschware und Währung und sein digitales Profil als seine Visitenkarte, die ihm den Zugriff auf die neuesten Apps, Deals und kostenlose Services verschafft.

Marken und Unternehmen müssen aber erkennen, dass der LoMoSo seine persönlichen Informationen zwar „locker“ einsetzt, aber kein grenzenloses Datensammeln zulässt. Er erwartet immer eine Gegenleistung für seine Daten – also neue Informationen, unterhaltsame Gimmicks oder außergewöhnliche Deals.

These 2: Der LoMoSo denkt nicht in Kanälen

Für den LoMoSo sind Medienbrüche nicht mehr relevant. Das Smartphone überbrückt die klassischen Grenzen zwischen den Kommunikationskanälen. Daher müssen sich Marken ebenfalls vom plattformzentrierten Denken verabschieden. Es wird immer wichtiger, Inhalte an der „Consumer Journey“ auszurichten, die zunehmend mobil gestaltet ist. Daher müssen angebotene Dienste und Apps plattformübergreifend aufbereitet und bereitgestellt sein. Da der LoMoSo Social Media immer auch mobil nutzt, ist dies besonders wichtig. Er ist also kanalunabhängig und kann sich deshalb ganz auf das konzentrieren, was hinter dem Begriff Kommunikation steckt: Austausch mit Menschen, Kauf von Produkten oder einfach nur Unterhaltung. Für ihn existiert nur noch ein Kanal: das Smartphone als Medium textbasierter, interpersonaler Kommunikation.

These 3: Der LoMoSo organisiert seinen Konsum systematisch

Der LoMoSo richtet seinen Konsum vollständig an Transparenz, Empfehlungen, Location Based Services und hyperlokaler Verfügbarkeit von Informationen aus. Daher wird es für E-Commerce-Anbieter wie für stationäre Händler immer wichtiger, ihre On- und Offline-Dienste miteinander zu vernetzen: Der LoMoSo entscheidet sich nicht an einem bestimmten Ort für den Kauf eines Produkts. Er holt sich seine Informationen zu Hause am Desktop genauso wie mobil direkt am Point of Sale. Es ist daher enorm wichtig, die Entscheidungsprozesse des LoMoSo zu verstehen und produkt- und branchenspezifisch zu analysieren.

Dabei bildet das Smartphone die Basis für künftige Kommunikationsstrategien. Über sein iPhone oder iPad greift der LoMoSo beim Einkauf vor Ort auf Millionen von Produktbewertungen zu. Ist eine Ware nicht mehr auf Lager oder zu teuer, zückt er sein Smartphone und bestellt einfach im Online Shop oder bei der Konkurrenz. So organisiert der LoMoSo seinen Konsum unabhängig von Preispolitik und Öffnungszeiten – systematisch je nach seiner eigenen Lebensrealität. häb

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