INTERNET WORLD Business





INTERNET WORLD KONGRESS

Die Zukunft des E-Commerce

Drei große Themen stehen auf der Tagesordnung der Händler: Multichannel, Mobile und Social Commerce

Wie sieht Online-Handel künftig aus? Mit dieser Frage befasst sich der Internet World Kongress

Der Boom hält an: Mehr als 25 Milliarden Euro Umsatz prognostiziert der Bundesverband des Deutschen Versandhandels dieses Jahr für E-Commerce (siehe Seite 22). Doch die Online Shopper werden immer anspruchsvoller, wollen ein ansprechendes Einkaufserlebnis – egal wo, wie und wann sie einkaufen. Das stellt Händler und Shop-Betreiber vor neue Herausforderungen: Damit der Kunde immer und überall shoppen kann, brauchen stationäre Läden eine Online-Entsprechung, Online Shops ihrerseits eine Mobile-Variante, und das Ganze dann am besten mit Social-Media-Anbindung. Worauf es in Zukunft beim E-Commerce ankommen wird, diskutieren Experten auf dem Internet World Kongress, der am 27. und 28. März im Rahmen der Internet World Messe in München stattfindet.

„Die Formel heißt: Online + Offline + Mobile = Noline = maximaler Erfolg“, bringt Marcus Diekmann, Geschäftsführer der Agentur Shopmacher, den Handel über alle Kanäle hinweg auf den Punkt. Ziel ist es, dem Kunden das Wechseln der Kanäle so leicht wie möglich zu machen, ohne ihn dabei zu verlieren. Gegenüber den reinen Internet-Anbietern könne vor allem der niedergelassene Handel seinen Kunden echten Mehrwert bieten, ist Diekmann überzeugt. „Mit Ausnahme sehr erfolgreicher Pure Player und Online-Marktplätze werden nur die Multichannel-Anbieter erfolgreich sein, die ein großes Filialnetz haben und sich als ‚Online-Versandhändler mit starker stationärer Präsenz‘ positionieren“, glaubt er.

„Für den klassischen Händler stellt sich immer mehr die Frage nach einem Standbein im E-Commerce“, ist sich auch der E-Commerce-Berater Stefan Wolk sicher. Seiner Meinung nach haben bislang nur wenige Händler das Potenzial erkannt. So würden zwar Anbieter wie Esprit oder H&M Multichannel-Konzepte erproben, sie blieben aber in Ansätzen stecken und würden das große Potenzial nicht voll nutzen. Er lobt das Modell von K&M (www.kmcomputer.de ). Dort könne der Kunde selbst entscheiden, ob er ein Produkt online nur reservieren oder gleich kaufen, es geschickt bekommen, gleich oder erst später persönlich abholen möchte. Sofortige Verfügbarkeit schafft hier den Mehrwert.

„Ziel bei der Verknüpfung von Online, Offline und Mobile ist die Verfügbarmachung der stationären Warenwirtschaft“, betont Wolk. Online stünden zwar viele Daten zur Verfügung, die Vergleichbarkeit mit der Offline-Welt sei aber noch nicht gegeben. Lokale Konzepte wie das der eBay-Beteiligung Milo, die den realen Warenbestand im Einzelhandel online zugänglich macht, würden hier weiterhelfen.

„M-Commerce kann ein Booster für den stationären Handel sein, weil sich neue Chancen ergeben, den Kunden am PoS mit zusätzlichen Services zu begeistern“, meint auch Frank Rehme, Head of Innovation Services bei Metro Systems. Egal ob Zusatzinformationen, Kaufberatung, Rezepte oder eine Online-Bestellung –all das wird künftig direkt am Regal möglich sein. Insofern kann es sich seiner Meinung nach kaum mehr ein stationärer Händler leisten, keine mobile Präsenz zu haben. Und auch Online Shops kommen laut Wolk nicht daran vorbei: Vor allem Anbieter von Impulskaufprodukten wie etwa Trendartikel sollen schon jetzt mobil gut aufgestellt sein, Anbieter von Zielkaufprodukten wie beispielsweise Büromaterial müssen sich zumindest mittelfristig eine mobile Variante zulegen. Die große Herausforderung bei solchen Multichannel-Ansätzen liegt darin, IT, Warenwirtschaft und Logistik über alle Kanäle hinweg miteinander zu verknüpfen.

Das gilt auch für Social-Commerce-Angebote – auch wenn der Umsatz bei Facebook noch sehr gering ist, wie etwa Michael Buck, Executive Director für das globale Marketing bei Dell, einräumt. „Der Medienhype ist bisher größer als die reinen Umsätze es hergeben.“ Dennoch sei es viel zu früh, sich von dem Thema abzuwenden, nur weil es noch nicht die erwarteten Erträge abwerfe: „Wir stehen noch ganz am Anfang und wir experimentieren noch viel.“ Natürlich funktioniere es nicht, wenn man seinen E-Commerce-Shop einfach bei Facebook spiegele. Vielmehr müssten sich die Unternehmen menschlich, interessant und authentisch präsentieren. cf


Die Keynote Speaker des Kongresses

Drei hochkarätige Vertreter der Web-Branche eröffnen das Kongressprogramm bei der diesjährigen Internet World

❚ Einen Vortrag in englischer Sprache hält die amerikanische Retail-Expertin Sucharita Mulpuru, Vice President und Principal Analyst bei dem Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Forrester Research (vgl. auch Ausgabe 3/12, Seite 8). Ihr Thema: „Innovations in US Online Retail.“

❚ Den zweiten Eröffnungsvortrag übernimmt F. Scott Woods, Commercial Director für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Facebook. Er rückt die Bedeutung des Social Networks als entscheidenden Wirtschaftsfaktor nach dem Motto „Social by Design“ in den Fokus.

❚ Komplettiert wird das Trio der Keynote Speaker von Frank Dopheide, Board Member bei der Commarco GmbH, einer Hamburger Tochter der WPP Group. Der Gesellschafter der Deutsche Markenarbeit GmbH, Düsseldorf, erläutert, „was wir von den besten Marken der Welt lernen können“.

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