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12. UND 13. SEPTEMBER 2012: DMEXCO 2012 IN KÖLN

Conference Call in Cologne

Mit neuen Themen und auch neuen Formaten präsentiert sich der Kongress zur Dmexco 2012 dem Fachpublikum. Im Vordergrund stehen dabei nicht Diskussionen über Zukunftsvisionen, sondern konkrete Business-Ansätze

Bei „Wer wird Millionär“ wäre die Frage vermutlich 16.000 Euro wert: Wofür steht „Dmexco“ eigentlich genau? Die Lösung: Digital Marketing Exposition & Conference. Seit ihrer Premiere im Herbst 2009 besteht Europas führende Online- Marketing-Messe aus zwei Hälften: der Messe und dem begleitenden Fachkongress. Dabei muss Christian Muche, der sich im Dmexco-Team als Director Business Development, Strategy & International federführend um die Planung des Kongresses kümmert, mit einer besonderen Herausforderung fertig werden: Im Gegensatz zur Messe, für die Muches Kollege Frank Schneider steht, kann der Kongress nicht beliebig wachsen. „Wir müssen auch das Zeitmanagement der Dmexco-Besucher im Blick behalten“, umreißt Muche die Situation – ein willkürlich aufgeblähtes Seminarprogramm ließe sich schwerlich sinnvoll auf die zwei Tage der Veranstaltung verteilen.

Erweitertes Seminar-Angebot

Der Kongress der Dmexco ist dennoch eine dynamische Angelegenheit, die sich von Jahr zu Jahr wandelt – und dabei nichts unversucht lässt, dem großen Besucherandrang gerechter zu werden. So richtete das Organisationsteam für dieses Jahr einen weiteren Seminarraum ein, was das Seminar-Angebot auf 90 Slots erhöht. Bei der Congress Hall, dem Schauplatz der Keynote-Speeches und großen Gruppendiskussionen, war dagegen quantitativ nichts zu machen. Die Arena füllt die gesamte dafür vorgesehene Location aus und könnte nur mit einer Abrissbirne oder einem Komplettumzug in ein anderes Gebäude größer werden.

Doch etwas Tuning geht immer: In diesem Jahr wird es keine gemischtsprachigen Panels mehr geben, sodass auf der Bühne keine Simultanübersetzung mehr erforderlich ist – das spart Zeit. Dmexco-Besucher mit soliden Englischkenntnissen sind im Vorteil, denn so viele englischsprachige Veranstaltungen wie in diesem Jahr gab es noch nie. Die Dmexco ist eben eine internationale Messe. Bei allem organisatorischen Feinschliff, so räumt Muche freimütig ein, seiend jedoch einzelne „Peaks“ nicht auszuschließen. Will heißen: Wer bei den wichtigen Keynotes einen Sitzplatz will, muss rechtzeitig am Start stehen.

Neben der Congress Hall sowie der Debate Hall, den Seminaren und der Speaker’s Corner, in der Firmenvorträge stattfinden, gibt es dieses Jahr ein komplett neues Format: die Work Labs. In den zwei Laboren wollen die Referenten nicht im Frontalvortrag ihr Wissen vermitteln, stattdessen sollen die Teilnehmer gemeinsam Themen diskutieren. Deshalb ist für die Teilnahme eine Vorab- Registrierung auf der Website der Dmexco erforderlich. Sie soll nicht nur den Andrang kanalisieren, sondern dem Referenten auch die Möglichkeit geben, sich auf den Background und die Interessen der Lab-Teilnehmer vorzubereiten. Allzu intim wird es wohl nicht zugehen, Muche erwartet bis zu 75 Besucher pro Slot. Für die gewünschte inhaltliche Tiefe sorgt dagegen ein vergleichsweise üppig bemessenes Zeitbudget: Während die Slots im Rest des Kongressprogramms zwischen 30 und 45 Minuten dauern, haben die Lab-Teilnehmer 75 Minuten Zeit, sich einem Thema zu widmen.

Medien im Wandel

Für die Eröffnungs-Keynote wurde in diesem Jahr Paul-Bernhard Kallen verpflichtet, CEO Hubert Burda Media. Sein Vortrag wird um die Medien im Wandel kreisen, oder wie es neudeutsch im Kongressprogramm heißt: „Media in Transition“. Die anschließende Panel-Diskussion greift das Motto der Dmexco 2012 auf: Shaping Models – Creating Business. Dies, so sagt Kongresschef Muche, sei ein wichtiges Qualitätskriterium für alle Beiträge der Konferenz: Im Vordergrund stehen nicht ferne Zukunftsvisionen, sondern greifbare Geschäftsmodelle.

So rückt etwa Smart TV in diesem Jahr erstmals mit Macht in die Aufmerksamkeit der Messemacher. Die Konvergenz von Internet und Flimmerkiste wird bereits seit deutlich über zehn Jahren beschworen, doch jetzt kommt endlich Schwung in die Diskussion. Alle großen TV-Hersteller bieten inzwischen Internet-fähige Geräte an, und mit preisgünstigen Settop-Boxen lassen sich nun auch ältere Geräte nachrüsten. Die Vision „Ambient Intelligence“, die Philips-Manager Antonio Hidalgo in Köln präsentieren wird, ist schon nahe an der Praxis. In Gruppendiskussionen zum Thema Smart TV sitzen jetzt Hardware-Hersteller, Content-Inhaber und Vermarkter an einem Tisch – es bewegt sich was.

Ein User, viele Bildschirme

Ein zentraler Themenbereich der Dmexco steht unter dem Stichwort „Multiscreen Commercialisation“. Die Diskussionen drehen sich um die schnell wachsende Nutzung vielfältiger Bildschirmgeräte, die für immer mehr Marketingverantwortliche eine zunehmende Herausforderung darstellt. Die Vergabe der Bundesliga- Rechte dient hier als aktueller Aufhänger, um die Zukunft der Multiscreen-Vermarktung im Zeitalter von Connected TV, Smartphones und Tablets auszuloten.

Auch beim mobilen Internet ist nunmehr die Zeit der visionären Zukunftsdebatten vorbei. „Wir sprechen nicht mehr von Mobile Marketing, sondern von Mobile Business“, gibt Dmexco-Mann Muche zu Protokoll und ergänzt, dass dies für den Begriff „Social“ analog gilt. Aus diesen Entwicklungen speist sich das Selbstverständnis der Dmexco: Es geht nicht mehr nur um die Vermarktung von Websites, sondern die gesamte digitale Wirtschaft. Muche dazu: „Wir wollen die Produkte, die heute entwickelt werden, mit den Inhalten und Services unserer Branche verknüpfen.“

Neben den kanalübergreifenden Megatrends kommt das „klassische“ Online Marketing in der Conference nicht zu kurz. Die Themen Ad Trading und Real- Time Bidding (RTB) stellen die Mediaplanung der Vergangenheit auf den Kopf. Und während die Diskussionen darüber vor Jahresfrist in Europa häufig noch recht hypothetisch waren, ist der Trend 2012 endgültig auf dem Kontinent angekommen. Ein weiteres Marketing-Buzzword dürfte in Köln ebenfalls Kontur gewinnen: Big Data. Die intelligente Analyse von Kundendaten inklusive der automatischen Überführung der Ergebnisse in konkrete Marketingaktionen wird jenseits des Atlantiks schon deutlich intensiver verfolgt als bei uns – allerdings unter datenschutzrechtlichen Vorgaben, die mit den unsrigen nicht vergleichbar sind. Allein diese Diskrepanz verspricht spannende Diskussionen. Eng mit Big Data verwandt: Customer Journey, das Top-Thema der Web- Analyse-Spezialisten.

Kreativ und digital vereinen

Unverändert fest im Visier der Dmexco: die Zusammenführung der Kreativ- mit der Digitalbranche. Der Kreativ-Kongress „Ubercloud“, der 2011 am Vortag der Dmexco als separate Veranstaltung lief, wurde für 2012 ins Kongressprogramm integriert. Ob damit dieses wichtige Thema ausreichend „aufgehängt“ ist, wird sich zeigen. Den Ubercloud-Termin am Messevortag füllt derweil der Online Ad Summit, den der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V. und der Online-Vermarkterkreis (OVK) ins Leben gerufen haben. Thematisch ist diese Veranstaltung nicht weit weg von der Ubercloud. Die Veranstalter versprechen „einen richtungsweisenden Dialog mit Werbungtreibenden, Media- und Kreativagenturen, Vermarktern und Technologieanbietern“. Auf der Konferenz, die am 11. September im Congress Center Nord stattfindet, werden Diskussionen rund um die künftigen operationalen Herausforderungen der Online- Werbebranche stattfinden.

Der Ad Summit hat von der Ubercloud nicht nur die Location auf dem Messegelände übernommen, er trägt auch den Titel „offizieller Pre-Event zur Dmexco“ und erfordert eine gesonderte, kostenpflichtige Registrierung. Allerdings kommt der Online-Summit etwas weniger hip und trendy daher als die Ubercloud im vergangenen Jahr. Das hat für einheimische Besucher durchaus auch Vorteile: Trotz seines englischen Namens findet der Online- Werbegipfel von BVDW und OVK in deutscher Konferenzsprache statt. fk


Dmexco 2012 in Zahlen

❚ Termin: 12. und 13. September 2012

❚ Ort: Messegelände Köln, Eingang Nord

❚ Veranstalter: Koelnmesse GmbH

❚ Ideelle Träger: Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), Online-Vermarkterkreis (OVK)

❚ Messe: Rund 500 Aussteller auf über 50.000 Quadratmetern in den beiden Hallen 7 und 8.

❚ Eintritt: Für Fachbesucher nach vorheriger Online-Registrierung frei


Online Ad Summit 2012

Am Vortag der Dmexco, also am 11. September 2012, veranstalten der BVDW und der OVK erstmals in Köln den Online Ad Summit 2012 als offiziellen Pre-Event zur Dmexco. Der ganztägige Kongress richtet sich an Werbungtreibende, Kreativ- und Media-Agenturen sowie Vermarkter und Website-Betreiber. Laut Veranstalter soll der Online Ad Summit „ein breites Verständnis für die verschiedenen, komplexen Aufgaben und Herausforderungen der Online- Werbebranche schaffen“. Das genaue Veranstaltungsprogramm stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Als Keynote Speaker ist der Geistes- und Managementwissenschaftler Ralph Kray angekündigt, er soll zum Thema „Das Management von Irritationen und Empathie in systemwissenschaftlicher Sicht“ sprechen. Anders als bei der Dmexco ist der Zutritt nicht kostenfrei. Ein Veranstaltungsticket kostet für BVDW-Mitglieder 200 Euro, für andere Teilnehmer 250 Euro. Informationen online unter:

www.onlineadsummit.de


Interview

„Von der Vision zum greifbaren Thema“

Christian Muche,

Director Business Development, Strategy & International der Dmexco in Köln

www.dmexco.de

Wenn Sie die Conference der Dmexco 2011 mit der in diesem Jahr vergleichen, was hat sich verändert?

Christian Muche: Eine der wichtigen organisatorischen Neuerungen ist sicherlich, dass wir in diesem Jahr einen zusätzlichen sechsten Seminarraum haben. Mit nunmehr 90 Seminar-Slots reagieren wir auf die immense Nachfrage nach diesem Format. Ich bin mir sicher, wir sind da sehr gut aufgestellt und werden der immer größeren Nachfrage weiterhin gerecht.

Und Sie bieten Work Labs an. Was muss man sich darunter vorstellen?

„Ad Trading und Real-Time Bidding sind heiß“

Muche: Die Work Labs sind ein ganz neues Format. Dabei geht es nicht um Vorträge oder Präsentationen, sondern darum, dass die Referenten mit den Teilnehmern ein Thema wirklich intensiv diskutieren – wie in einem Workshop. Dafür steht ein vergleichsweise großzügiger Zeitrahmen zur Verfügung. Außerdem wird die Teilnehmerzahl bei den Work Labs begrenzt.

Für die Work Labs muss man sich vorab anmelden. Eine reine Organisationsmaßnahme oder mehr?

Muche: Nicht nur. Die Voranmeldung dient den Referenten auch zur Vorbereitung, denn sie können sich besser auf die Lab-Teilnehmer, ihre Interessen und Schwerpunkte einstellen. Natürlich ist die Teilnahme an einem Work Lab – wie an der gesamten Conference – für Dmexco- Besucher kostenfrei.

Lassen Sie uns über die Themen der Conference sprechen. Welche sind in diesem Jahr neu, welche sind weggefallen?

Muche: Es gibt eigentlich kein Thema, das komplett hinten rausfällt, aber die Schwerpunkte und Betrachtungsweisen ändern sich. Sprachen wir bei dem Mega-Thema Mobile im vergangenen Jahr noch von Mobile Marketing, so sehen wir es heute als Mobile Business. Ähnlich ist es bei Smart TV. Dort wurden jahrelang nur Zukunftsvisionen diskutiert. Heute sitzen Hardware-Hersteller wie Samsung gemeinsam mit Content-Anbietern wie Axel Springer oder der DFL auf dem Podium und präsentieren Lösungen. Smart TV hat sich von einer Vision zum greifbaren Thema entwickelt. Wir freuen uns sehr auf Antonio Hidalgo, er leitet bei Philips das Projekt Ambient Intelligence, in dem digitale Services in das Alltagsleben integriert werden.

Und das klassische Online Marketing?

Muche: Natürlich gibt es immer noch einen Hype um Ad Trading und Real-Time Bidding (RTB), das ist immer noch heiß. Multichannel und Customer Journey sind nach wie vor wichtige Felder. Ein Begriff wie Big Data ist inzwischen auf CEO-Ebene angekommen, das gilt auch für Brand Building im digitalen Zeitalter. Was sich gegenüber früher geändert hat: Die Verantwortlichen dafür beschäftigen sich mit solchen Themen nicht nur beiläufig, sie sind in das Zentrum ihres Interesses gerückt.

Im vergangenen Jahr fand am Vortag der Dmexco die Kreativ-Konferenz Ubercloud statt. Was ist daraus geworden?

Muche: Wir haben die Inhalte der Ubercloud in das Kongressprogramm integriert, weil wir weiterhin die Kreativ- und die Digitalbranche auf einem Event zusammenbringen wollen. Das Thema Kreativität muss bei den Marketing-Entscheidern einen höheren Stellenwert erhalten, so wie auch die digitalen Möglichkeiten bei den Kreativen.

Im vergangenen Jahr wurde es bei einigen Veranstaltungen eng, viele Besucher mussten draußen bleiben. Wie wird es 2012?

Muche: Die Dmexco Conference kann nicht beliebig wachsen, wir müssen unter anderem auch auf das Zeitmanagement unserer Besucher Rücksicht nehmen.

Außerdem gibt es auch bauliche Grenzen. Die Congress Hall etwa belegt das komplette Gebäude, in dem sie untergebracht ist, hier können wir nicht ohne Weiteres mehr Platz schaffen. Die Debate Hall hatten wir bereits voriges Jahr deutlich erweitert. Dennoch wird es immer einzelne Peaks geben, bei denen es eng wird. Das hat natürlich auch mit der Attraktivität der jeweiligen Vorträge zu tun.

INTERVIEW: FRANK KEMPER


Kongressprogramm, Mittwoch 12.09.2012


Kongressprogramm, Donnerstag 13.09.2012

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