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TOOLS FÜR DIE SHOP-SUCHE

Intelligenter suchen

Fehlertoleranz, Auto-Suggest, dynamische Filter, selbstlernende Algorithmen, semantisches Verständnis: Moderne Such-Tools sind erstaunlich schlau – und nichts weniger erwarten die User von ihnen

Zu viel Auswahl verwirrt den User – eine gute Suchfunktion hilft mit Vorschlägen und Filtern

Wie heißt nochmal diese leckere karamellisierte Nachspeise? Etwa Crèm brule? Oder Créme Brullee? Oder war es doch Crème brûlée? Egal, die Suchmaschine wird schon finden, was gesucht wird, notfalls auch bei abenteuerlichen Eingaben wie „Brüllcrème“. So absurd sich das Beispiel auch lesen mag: Es ist durchaus alltäglich im Online-Suchalltag. Google hat den Internet-Nutzer verwöhnt: Wir sind es gewohnt, mit minimalstem Aufwand genau das zu finden, was wir gesucht haben – und darüber hinaus noch ein paar Dinge, die wir vielleicht nicht gesucht haben, die uns aber doch Freude machen. Die suchgetriebene Natur des Internets ist Fluch und Segen – denn die User können zwar alles finden, gehen aber auch selbstverständlich davon aus, dass eine Eingabe in das Suchfeld all ihre Wünsche erfüllen wird, und zwar nicht nur bei Google, sondern auch bei jeder anderen Website.

Technisches Stiefkind

Dem User das zu bieten, was er sucht, das ist besonders für Webshops das höchste Ziel – schließlich konvertiert nur der zufriedene Kunde. Kein Wunder also, dass die Suchfunktion als einer der wichtigsten Bestandteile eines Online Shops begriffen wird – rund 60 Prozent der Online-Shop- Besucher stöbern fast ausschließlich mithilfe des Suchfelds durch den Shop, die Navigationsleiste wird von ihnen zum Nebendarsteller degradiert. Dieser Umstand ist den meisten Webshop-Betreibern durchaus bekannt: In einer Umfrage von ECC Handel und Exorbyte im Februar 2012 gaben folgerichtig 70 Prozent der 205 befragten Shop-Inhaber an, dass die Suche zu den „sehr wichtigen Features“ ihrer Website zähle. Und dennoch gehört ausgerechnet dieses Feature zu den technischen Stiefkindern vieler Webshops: Die große Mehrheit der Shop-Betreiber verlässt sich der Umfrage zufolge auf die mitgelieferte Suche ihres Shop-Systems. Über den Einsatz einer sogenannten intelligenten Suche wird zwar viel nachgedacht, aber oft lassen die Kosten und der Arbeitsaufwand für die Integration eines externes Tools die Händler vor der Integration eines professionellen Such-Tools zurückschrecken.

Wie intelligent ist schlau?

Dabei haben die professionellen Such- Tools am Markt (siehe Anbieter-Tabelle) eine Menge zu bieten. Alle Tools sind fehlertolerant und bieten mit Auto-Suggest- Funktionen Ergebnisvorschläge, die auch zu den abenteuerlichen Sucheingaben wie der erwähnten „Brüllcreme“ passen. Einige Tools, zum Beispiel die Hit Engine, bieten Usern mit der Echtzeitsuche („Search as you type“) ein Google-ähnliches Sucherlebnis. Viele Tools punkten mit individuell konfigurierbaren Filtern sowie einer detaillierten After-Search-Sortierung, mit der die Nutzer die gefundenen Ergebnisse weiter einschränken können. Die Hersteller orientieren sich bei ihren Entwicklungen stark an der Web-Suche von Google – zu Recht. „Aktiv genutzt und wirklich begriffen werden Funktionen, die der User bereits von der Nutzung der Google-Suche kennt“, meint Thorsten Mühling, Geschäftsführer von Epoq. „Hierzu zählen die fehlertolerante Suche und die Vorschlagsfunktion, bei der User bereits adäquate Ergebnisse erwarten, noch bevor sie den Suchbegriff zu Ende getippt haben.“ Darüber hinaus setzen die Hersteller zunehmend auf selbstlernende Systeme: Aus den Bewegungen der Besucher auf der Website und deren Reaktion auf die Suchergebnisse können Tools wie Fact- Finder oder Searchperience die Relevanz der Suchergebnisse selbstständig verbessern. Auch der Einsatz der Suche als Marketing- und Abverkaufsinstrument wird immer interessanter: Bei vielen Tools können Händler bestimmte, beispielsweise margenstarke Produkte, die zu einem Suchbegriff passen, besonders featuren oder ihnen einen grundsätzlich höheren Platz im Ergebnisranking einräumen, um so den Verkauf dieser Produkte zu steigern.

Vorarbeit ist wichtig

Damit die intelligente Suche aber auf wirklich schlaue Art ihre Arbeit tun kann, müssen Shop-Betreiber im Allgemeinen eine Menge Vorarbeit leisten. „Die Qualität der Suche hängt ganz maßgeblich von der Datenqualität der Datenbasis des Shops ab“, warnt Andreas Wagner, Produktmanager Fact-Finder bei Omikron. „Dazu gehört neben einer sinnigen Kategorisierung auch eine durchgängige Produktdatenstruktur.“ Sein Kollege Matthias Heimbeck, Geschäftsführer von Findologic, stößt ins gleiche Horn. „Eine hohe Datenqualität liegt dann vor, wenn die Shop-Daten mit entsprechenden Merkmalen und Attributen hinterlegt sind und wenn die Daten einheitlich gepflegt sind.“ Tatsächlich ist das Kriterium der Datenqualität für die Integration einer externen Suche entscheidend – und sie wird auch zu einem entscheidenden Kriterium für die Auswahl eines externen Such-Dienstleisters. Während manche Systeme den Shop- Betreibern nämlich sehr strikte Vorgaben machen, was die Speicherart der Produktdaten angeht, verlangen andere Systeme eine Backend-Ordnung, wie sie auch andere relevante Plattformen wie Billiger.de oder Google Shopping voraussetzen. Manche Systeme können mit chaotischen Daten besser umgehen als andere. Eine Ausnahme unter den Tools bildet in diesem Punkt „Searchperience“, die Suchlösung der Internet-Agentur AOE Media: Das Tool ist mit einem eigenen Crawler ausgestattet, der eine Website selbstständig untersucht und die darauf gefundenen Daten katalogisiert.

Wie gut die vorhandenen Produktdaten eines Shops zu den Anforderungen eines Such-Tools passen, wirkt sich entscheidend auf Dauer und Aufwand bei der Integration aus. Deshalb müssen Händler hier darauf achten, einen Anbieter zu finden, der zu ihrem Backend passt. Aber auch andere Kriterien sind entscheidend – oft unterscheiden sich die Feature-Listen der Tools nur in kleinen, aber für das Geschäftsmodell mancher Shops enorm wichtigen Details. Thomas Braun, Marketing Director bei Exorbyte, zählt einige Fragen auf, die Händler an in Frage kommende Such-Tools richten sollten: „Erlaubt die Filternavigation eine Mehrfachauswahl? Können Rankings nicht nur auf einzelne Produkte, sondern datenbankübergreifend bestimmt werden? Können die Suchvorgänge analysiert werden? Ist die Integration in den Shop schnell durchgeführt? Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis?“ Die meisten Tool-Anbieter lassen sich auf einen Praxistext mit den vorhandenen Shop-Daten ein.

Die Kosten für eine externe Suche mögen Händler zunächst abschrecken. Ist das Tool aber sauber integriert und mit guten Produktdaten ausgestattet, lohnt sich die Investition in den meisten Fällen schnell; Conversion-Steigerungen von bis zu 40 Prozent sind keine Seltenheit. Denn die Google-verwöhnten Kunden wissen es zu schätzen, wenn sie finden, was sie suchen. il

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