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Lastschrift vor dem Aus?

Wenn SEPA Wirklichkeit wird, drohen vielen Online-Händlern Umsatzeinbußen

Bares ist Wahres: Elektronisches Lastschriftverfahren ist zu umständlich

Sie ist des Deutschen zweitliebste Bezahlmethode nach dem Kauf auf Rechnung: die Lastschrift. 20 Prozent aller Geschäfte im interaktiven Handel wurden 2011 so abgerechnet, insgesamt ließen Händler 5,6 Milliarden Euro von den Girokonten ihrer Kunden abbuchen. Damit könnte ab Februar 2014 Schluss sein, denn dann soll die Single European Payment Area (SEPA) greifen. Und die, so beklagt Christoph Wenk-Fischer, der Geschäftsführer des Versandhändler-Branchenverbands BVH, bedeute erhebliche Hürden für das elektronische Lastschriftverfahren eLV.

Kein Umsatzbringer

Als die SEPA-Richtlinien 2008 festgezurrt wurden, hörte sich das noch anders an. Das Lastschriftverfahren sollte mit SEPA europaweit grenzüberschreitend möglich werden, sodass ein belgischer Kunde mit einem Konto bei einer finnischen Bank in einem deutschen Online Shop problemlos einkaufen kann. Allerdings wurden die Hürden für die Erteilung einer Einzugsermächtigung so weit verschärft, dass nicht nur Wenk-Fischer bezweifelt, dass unter SEPA-Bedingungen das Lastschriftverfahren wirtschaftlich sinnvoll betrieben werden kann: So muss ab Februar 2014 jeder Kunde dem Händler ein schriftliches Mandat für die eLV erteilen. Der Bankenverband Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) hat bereits deutlich gemacht, dass für ihn „schriftlich“ in diesem Fall auch tatsächlich schriftlich bedeutet: also mit handschriftlicher Unterschrift, auf Papier und per Post. Eventuelle elektronische Authentifizierungen lehnt die DK als zu unsicher ab und beruft sich auf das SEPA Rulebook des European Payment Council. Der BVH hofft jetzt darauf, über das SEPA-Begleitgesetz, das bis 2016 den Übergang regeln soll, noch etwas retten zu können. Den Grund für das Verhalten der Banken glaubt Wenk-Fischer indes zu kennen: „Den Banken ist das eLV zu billig. Mit anderen Bezahlverfahren lässt sich einfach mehr Gewinn machen. Also macht man die SEPA-Lastschrift so umständlich wie möglich.“ fk

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