INTERNET WORLD Business





LOBBYARBEIT FÜR DEN ONLINE-HANDEL

„Lösungen für den Alltag“

Der Händlerbund will die Interessen von Online-Händlern vertreten. 9.000 Mitglieder vertrauen auf seine Rechtsberatung

Andreas Arlt ist Volljurist und selbstständiger Rechtsanwalt. Seit 2000 fokussierte er sich auf Wettbewerbsrecht, im Jahr 2008 gründete er den Händlerbund als Berufs-und Interessenverband für den Online-Handel.

www.haendlerbund.de

Was Lobbying und Netzwerken betrifft, haben Internet-Händler offensichtlich Nachholbedarf: Wenn es um Handelsfragen geht, verschaffen sich meist Verbände, die die Interessen von Konzernen, Versendern und Filialisten vertreten, in Politik und Öffentlichkeit Gehör. Seit 2008 konzentriert sich der Händlerbund aus Leipzig auf die Online-Händler, die laut des Vorstandsvorsitzenden Andreas Arlt keine Lobby haben: Inzwischen tauschen sich hier 9.000 Mitglieder aus und nutzen die Rechtsberatung.

Der Händlerbund will die Interessen von Internet-Händlern vertreten. Zur Button- Lösung, zur Widerrufsbelehrung oder zur Bafin-Lizenz für Marktplatzbetreiber haben wir aber nur wenig gehört, warum?

Andreas Arlt: Wir haben uns natürlich zur Button-Lösung und Widerrufsbelehrung geäußert, und für die Fachwelt trifft Ihre Aussage nicht ganz zu. Der Händlerbund wurde erst 2008 gegründet. Daher werden wir in der Politik als Stimme der Branche noch nicht in dem Maße wahrgenommen, wie wir das wollen. Interessenvertretung und Lobbyarbeit brauchen viel Zeit, um Kontakte und Beziehungen aufzubauen.

Was machen Sie gerade dafür?

Arlt: Als Branchenvertretung, die sich um mittelständische Internet-Händler kümmert, knüpfen wir gerade die Kontakte zu den etablierten Verbänden, in denen die Handelskonzerne netzwerken, also etwa zum Bundesverband des Versandhandels (BVH), zum Einzelhandelsinstitut (EHI), zum Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) und weiteren Organisationen. Gemeinsam können wir viel erreichen. Über unser Ehrenmitglied, die CDU-Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf, konnten wir schon E-Commerce- Themen in die Politik bringen.

Neben Ihnen sitzen Ihre Söhne im Vorstand des Händlerbunds. Das wirkt wie ein Familienunternehmen und nicht seriös.

Arlt: Der Händlerbund hat über 50 Angestellte, das Durchschnittsalter liegt unter 30 Jahren. Alle sind erstklassig qualifiziert, engagiert und motiviert. Zu diesem Team gehören auch meine beiden Söhne. Nur einer, Tim, ist Mitglied im Vorstand, er hat den Händlerbund mitgegründet und gestaltet. Es wäre unseriös, ihn nicht mitleiten zu lassen.

Welche Themen stehen auf Ihrer Flagge?

Arlt: Der Händlerbund will die Interessen von Online-Händlern vertreten. Wir starteten damit, vorwiegend kleinere Händler in Rechtsfragen zu unterstützen. Dazu gehörten Rechtssicherheit im Shop, aber auch Verbraucherschutz. Jetzt widmen wir uns verstärkt der Lobbyarbeit und wollen Sprachrohr unserer Mitglieder werden.

Wie finanzieren Sie sich?

Arlt: Allein aus Beiträgen. Wir vertreten rund 9.000 Händler und 14.000 Online-Präsenzen, darunter Pure Player, eBay Seller und Multichannel-Händler. Diese zahlen zwischen 9,90 und 24,90 Euro pro Monat. Wir bieten im Wesentlichen Rechtsservices an, prüfen Texte und Shops, bieten Beratung per E-Mail und am Telefon und in Abmahnfällen stellen wir einen Rechtsbeistand. Der Händlerbund vermittelt auch Dienstleister, dazu knüpfen wir Partnerschaften, nehmen aber keine Provisionen.

Was bieten Sie, was andere, größere Verbände nicht bieten?

Arlt: Der Händlerbund ist der größte Online-Handelsverband Europas. Andere Verbände vertreten meist bis 1.000 Mitglieder, vor allem größere Unternehmen. Wir kümmern uns um die Sorgen von kleineren Händlern ohne Lobby und entwickeln praktische Lösungen für deren Alltag. Die Rechtsberatung kommt auch im Ausland an, etwa 900 Mitglieder operieren in Österreich, der Schweiz, in Großbritannien und weiteren zwölf Ländern.

Sie haben vor Kurzem die Einkaufsgemeinde zur Beschaffung eingerichtet. Wie weit ist das Projekt gediehen?

Arlt: Sie steckt noch in den Kinderschuhen. Mit einigen Händlern versuchen wir gerade, gemeinsame Einkaufs- und Verhandlungskonditionen zu erarbeiten. Ziel ist, bei Herstellern und Großhändlern bessere Konditionen auszuhandeln.

Besteht nicht die Gefahr, dass dann Mitglieder alle dasselbe und damit ein beliebiges Sortiment bieten und so ihr Profil verlieren?

Arlt: Sie steckt noch in den Kinderschuhen. Mit einigen Händlern versuchen wir gerade, gemeinsame Einkaufs- und Verhandlungskonditionen zu erarbeiten. Ziel ist, bei Herstellern und Großhändlern bessere Konditionen auszuhandeln.

Eine weitere Initiative ist Gruenderplus.de, eine Plattform für Crowdfunding.

Arlt: Gründerplus ist ein Händlerbund- Tochterunternehmen, für das die Idee vor zwei Jahren entstand und das sich seither den vielen Fragen von Start-ups und Gründern im E-Commerce widmet. Es lag nahe, die Beratung auch mit Finanzierungsmöglichkeiten zu koppeln. Wer heute eine neue Idee im Online-Handel verwirklichen will, bekommt dafür kein Geld von der Bank, dasselbe gilt auch für die Web- Projekte von Einzelhändlern. Dieser Klientel geben wir nun die Möglichkeit, über die Plattform Gründerplus Investoren im Kunden-, Mitarbeiter- und Kleinanlegerkreis zu suchen. Crowdfunding und -Investing ist ja eine gute Alternative, wir konzentrieren uns dabei auf die Bedürfnisse von Händlern und bieten so ein erkennbares Profil.

Was sind die nächsten Themen, die den Online-Handel bewegen?

Arlt: Die Button-Lösung ist noch immer ein großes Thema, einige Händler haben das noch nicht umgesetzt und benötigen noch Hilfe. Das nächste Thema ist sicher die Online-Schlichtung, also die außergerichtliche Lösung von Streitfällen zwischen Händlern und Kunden. Nicht zuletzt steht 2013 die Umsetzung der Verbraucherrichtlinie der EU an. Bei diesem Thema können wir zwar kaum mehr Einfluss auf die Politik nehmen, aber wir beraten unsere Mitglieder, wie sie die Forderungen am besten umsetzen.

Gibt es denn schon erste Reaktionen der Politik auf Ihren Verbund?

Arlt: Wir sind auf einem guten Weg, uns immer mehr Gehör zu verschaffen. Wir haben hier inzwischen zehn Volljuristen sitzen, unsere Beratung wird wahrgenommen und spricht sich herum. Jeder, der sich mit dem Händlerbund beschäftigt, sieht, dass wir professionelle Lösungen zu aktuellen Fragen bieten. Je größer wir werden, umso stärker werden wir wahrgenommen. Leider sind Politiker noch nicht für Online-Themen sensibilisiert – aber das werden wir ändern. ❚

INTERVIEW: SUSANNE VIESER


Fakten zum Händlerbund

Onlinehaendler-news.de: Die Informationsplattform des Verbands aus Leipzig

❚ Der Händlerbund startete 2008 als Berufs-und Interessenverband für den Internet- Handel und zählt heute 9.000 Mitglieder, etwa zehn Prozent davon agieren im Ausland.

❚ Der Verband finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, die zwischen 9,90 und 24,90 Euro im Monat liegen. Er fördert den Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern und bietet diesen umfassenden Rechtsschutz.

❚ Der Händlerverbund hat seinen Sitz in Leipzig und beschäftigt 50 Mitarbeiter, darunter zehn Volljuristen.

❚ Der Verband ist eingetragener Verein, seine Geschäfte organisiert die Händlerbund Management AG.

❚ Jüngste Tochter des Verbands ist Gründerplus.de: Auf der Plattform finden Start-ups Beratung, Gründer und Händler können hier aber auch Kleinanleger und Kunden als Investoren für ihre Web-Projekte finden.

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