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Neustart für Hertie

Die Branche sieht Pläne der HDK skeptisch, die Kaufhaus-Marke im Netz neu zu beleben

Hertie-Logo: Links das alte, bekannte Markenzeichen der Kaufhausgruppe, die 2008 aufgelöst wurde. Unten der bunte Schriftzug, mit dem HDK jetzt in die Online-Offensive gehen will

Hertie hat einen enormen Bekanntheitsgrad“, argumentiert Nils Klöker, einer der Vorstände der Handelsgesellschaft HDK. „Deshalb haben wir sie ja gekauft.“ Das Osnabrücker Unternehmen, das 20 Online Shops im Internet betreibt, will die Handelsmarke demnächst im Internet wiederbeleben. Bis Ende 2012, spätestens aber bis Mitte 2013 soll ein Shop-Angebot im Internet stehen. Über das Sortiment oder über die Organisation will Klöker nicht reden: „Wir wollen es spannend machen und nicht alles verraten, was wir machen wollen.“ Hertie solle, so verrät er dann doch, eine Dachmarke werden, unter der sich HDK-Shops wie Telefon.de, Serviette.de und Tepgo.de sammeln sollen: „Die werden im Sortiment auftauchen.“

Die Branche schüttelt jedoch den Kopf über die Marktplatz-Pläne von HDK. Hertie wurde 2007 aus der Karstadt-Gruppe herausgelöst und an die Investorengruppe Dawnay Day verkauft, rutschte 2008 jedoch in die Pleite, das letzte Haus schloss im August desselben Jahres. „Karstadt und Hertie haben harte Zeiten erlebt, ich bin skeptisch, ob die Marke noch positiv aufgeladen ist“, sagt Berater Martin Rothhaar von Elaboratum. Mindestens ein einstelliger Millionenbetrag müsste seiner Schätzung nach aufgewendet werden, um die Marke im Internet und unter jungen Käufern bekannt zu machen.

HDK hat angeblich für einen sechsstelligen Betrag die Markenrechte der Kaufhauskette vom Insolvenzverwalter White & Case LLP erworben. „Alte Marken sind ja durchaus beliebt bei jungen Leuten“, hebt Marlene Lohmann, Marketing-Expertin des Einzelhandelsinstituts (EHI) hervor und verweist auf Namen wie Jägermeister oder Creme 21. „Hertie könnte durchaus Retro werden, aber dafür müsste mindestens das Logo bestehen bleiben.“ Dies hat die HDK überarbeitet. Statt in Rot leuchtet Hertie nun in bunten Farben. „Die HDK hat eine stationäre Marke gekauft, die im Internet kaum bekannt ist und nur selten gesucht wird“, sagt Markus Diekmann, Chef der Beratung Shopmacher, und verweist auf die Zahl der Suchanfragen. Nur wenige suchen nach dem Namen. Das Web-Potenzial für die Marke Hertie sei also gering, schließt Diekmann daraus. Die HDK wird demnach einiges in den Online Shop von Hertie investieren müssen, um erfolgreich zu sein. vs


HDK Osnabrück

❚ Gründung: 1996 durch Jan Klöker. 1998 startet der Online Shop Telefon.de

❚ 2001 Umfirmierung in eine AG

❚ Die HDK betreibt heute 20 Online Shops, darunter Telefon.de, Servietten.de (Tischkultur) sowie Tepgo.de (Teppiche) und beschäftigt rund 40 Mitarbeiter


Hertie: Kaum gesucht im Netz

Hertie wird selten bei Google eingetippt. Das zeigt ein Vergleich der Anfragen pro Monat:

❚ Hertie: 33.100 Suchanfragen pro Monat

❚ Kaufhof: 673.000 Suchanfragen pro Monat

❚ Karstadt: 1,0 Mio. Suchanfragen pro Monat

❚ Zalando: 6,1 Mio. Suchanfragen pro Monat

❚ Otto: 11,1 Mio. Suchanfragen pro Monat

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