INTERNET WORLD Business





KOMMENTAR

Wettbewerbsverhinderer

D. Grollmann, Chefredakteur

Nachdem das Internet die Verlagswelt erheblich durcheinandergewirbelt hat, wird nun die Fernsehlandschaft neu sortiert. Ganz vorn dabei: natürlich Google. Gerade erst kündigte das Unternehmen an, auf Youtube auch abendfüllende Spielfilme streamen zu wollen. Ganz legal und auch auf Deutsch. Selbst ein eigenes Programm soll folgen, Verhandlungen mit Produzenten laufen.

Das ist nicht weniger als ein Frontalangriff auf die deutschen Fernsehsender, die entsprechend verärgert reagieren. Youtube agiere „zunehmend aggressiv“, schimpft Pro-Sieben-Sat1-Vorstand Conrad Albert, dem das Düsseldorfer Oberlandesgericht gerade erst erneut aus Wettbewerbsgründen verboten hat, gemeinsam mit RTL ein Online-Video-Angebot auf die Beine zu stellen.

Es entsteht hier eine recht absurde Situation: Ausgerechnet der Online-Video-Anbieter, dem mit Fug und Recht sogar weltweit eine marktbeherrschende Stellung nachgesagt werden kann, wird vor nationalem Wettbewerb geschützt.

Dabei wäre es aus vielerlei Gründen wünschenswert, wenn sich ein Gegengewicht etablieren könnte. Inzwischen ist ja sogar der heilige Google-Gral – der unbestechliche Index – vor offensichtlichen wirtschaftlichen Interessen nicht mehr geschützt. Google Maps, Google+ und Google Shopping haben sich längst in die Ergebnisliste geschlichen. Und neuerdings will der Konzern sogar Webseiten, auf denen Urheberrechtsverletzungen begangen werden, im Ranking benachteiligen. Was konkret eine Copyright-Verletzung ist und wann dies als erwiesen gilt, entscheidet kein Gericht – das erledigt hier Google selbst. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn der selbst ernannte Richter zugleich der Medienanbieter werden will.

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