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VOM ONLINE SHOP ZUM MOBILE SHOP

Fit für den Mobile Shop

Man muss wahrlich kein Prophet sein, um zu erkennen: Mobile Shopping ist das E-Commerce-Konzept der Zukunft. Höchste Zeit also für einen Einstieg. Dabei gilt es einige Entscheidungen zu treffen

Online goes Mobile: Der Zeitpunkt für den Einstieg ist gekommen

Sie zählen längst nicht mehr zu den Early Adopters: Allein im laufenden Jahr wuchs der Anteil der deutschen Smartphone-Nutzer um vier Prozentpunkte auf insgesamt 38 Prozent. Tendenz weiter steigend, so die Einschätzung des Branchenverbands Bitkom: Im Jahr 2012 werden voraussichtlich insgesamt 23 Millionen Smartphones in Deutschland verkauft werden. Neben den klassischen Smartphones etablieren sich in letzter Zeit zunehmend die Tablet-Computer: 3,7 Millionen sollen in diesem Jahr über die Ladentheke gehen.

Höchste Zeit für Mobile Shop

Spätestens jetzt also stellt sich die Frage: Mobile Shop oder nicht? „Auf jeden Fall jetzt einsteigen. Die Nutzer wechseln mit Sicherheit mittelfristig auf die smarten Endgeräte oder haben es bereits getan“, rät René Körting, Managing Director von Exelution. Auch für Christoph Kipp, CEO von Valtech H2O, ist die Entscheidung einfach: „Der Bedarf an guten mobilen Shopping-Angeboten ist längst da. Eigentlich ist jetzt nur noch die Frage, wie viel zu spät dran man sein möchte.“

Ein Blick in die Zugriffszahlen kann die Entscheidung stützen. Als Faustregel gilt: Übersteigt der mobile Anteil am Gesamt- Traffic im Shop die 10-Prozent-Marke, ist es höchste Zeit für einen eigenen Mobile Shop. „Wer 10 bis 15 Prozent mobile Besucher verzeichnet und nicht Mobile-tauglich ist, könnte genauso gut den Online Shop einen Tag pro Woche abschalten“, argumentiert Andrea Anderheggen, CEO von Shopgate. Mobile, das ist nicht nur Anderheggens Einschätzung, ist kein kurzfristiger Hype, sondern ein weltweites Massenphänomen, das in den nächsten drei Jahren den Handel fundamental verändern wird. Warten lohnt sich nicht.

Sanfter Einstieg

Und schon steht die nächste Entscheidung an: mobil-optimierte Website oder native App – oder vielleicht beides? „Eine leicht umsetzbare Alternative zum kompletten Mobile Shop kann erst mal darin bestehen, kleinere Mobile Landing Pages umzusetzen“, schlägt Silvan Dolezalek, Geschäftsführer von Zaunz Publishing, als sanften Einstieg vor. „Wie schnell es dann den kompletten Mobile Shop braucht, hängt sehr stark von der Produktkategorie ab – Verbrauchsmaterialien lassen sich mobil besser verkaufen als Möbel.“

Wer ohnehin ein vollkommen neues Shopping-Projekt startet oder einen umfassenden Relaunch plant, dem rät René Körting von vornherein zu einem Responsive Design. Das passt Aufbau und Darstellung einer Internet-Seite automatisch der jeweiligen Größe des Bildschirms an. Shop-Betreiber enthebt das jedoch nicht der Notwendigkeit, dass eine Reihe von Funktionalitäten eigens für mobile Nutzung aufbereitet werden müssen. Christoph Kipp erläutert: „Vor allem die Suche ist erfolgskritisch, denn letztlich konkurriert jeder mobile Shop auch mit Google. Auch der Checkout muss sehr straff gestaltet werden – hier gehen den Anbietern häufig noch auf den letzten Metern vor dem Ziel zahlende Kunden verloren.“ So ist es bei einem Mobile Shop von zentraler Bedeutung, Bezahlverfahren anzubieten, die möglichst wenige Daten erfordern. „One Click Checkouts sind in der Welt des M-Commerce keine Kür, sondern Pflicht“, fordert etwa Andrea Anderheggen.

App oder mobile Website?

Für den endgültigen Sprung in den M-Commerce gilt: Eine mobile Website lässt sich in der Regel schneller und kostenschonender realisieren als native App- Entwicklungen für Android, iOS und andere Systeme. Nach der von ECC Handel in Zusammenarbeit mit Paypal und Shopgate durchgeführten Studie „Mobile Commerce in Deutschland“ bevorzugen zudem mehr als 40 Prozent der befragten Konsumenten den Einkauf über eine mobile Webseite. „Dies deckt sich auch mit unserer Erfahrung“, erklärt Tim Neugebauer, Geschäftsführer von Das Medienkombinat. „Nutzer haben in der Regel kein Interesse, sich für jede Kaufhandlung zunächst eine App zu installieren, insbesondere dann nicht, wenn es sich um Güter handelt, die sie langfristig nutzen und daher nur in größeren zeitlichen Abständen erwerben.“

Seine Empfehlung geht deshalb klar in Richtung einer mobil optimierten Website. Ähnlich sieht das René Körting: „Weniger ist mehr. Eine native App ist nur dann sinnvoll, wenn diese mindestens ein gerätespezifisches, nützliches und produktbezogenes Feature hat. Und dieses Feature muss wirklich gut sein.“

Für Shopgate-CEO Anderheggen hingegen stehen die beiden Konzepte nicht im Gegensatz zueinander: „Die mobile Webseite ist ein Muss, um die schnell wachsende Zahl mobiler Besucher in echten Umsatz zu konvertieren.“ Die native App hingegen habe einen ganz anderen, komplementären Sinn: „Sie dient primär als Kundenbindungsinstrument, das den Life-Time-Value des Kunden erhöht.“ Native Apps bieten in der Tat eine Reihe von Kundenvorteilen, etwa die lokale Speicherung von Kundendaten für schnelle Folgebestellungen, schnelle Store-Finder, Barcode- und QR-Code-Scanner, Bild- und Produkterkennungs-Features und Push-Nachrichten für Sonderangebote und Gutscheine. „Mit einer mobilen Webseite ist das alles nicht möglich“, betont Anderheggen.

Das kostet die Umstellung

Wie die Entscheidung auch ausfällt: Soll der mobile Shop schließlich umgesetzt werden, müssen Retailer Geld in die Hand nehmen: Gefragt nach den Kosten für einen Mobile Shop äußern Agenturen und Dienstleister meist ein entschiedenes „Das kommt darauf an“. In der Tat ist der Kostenaufwand schwer abzuschätzen. Bei einer Web App hängen die Kosten von dem zugrunde liegenden Shop-System und den individuellen Anforderungen ab. Je komplexer die E-Commerce-Lösung und die entsprechende mobile Umsetzung, desto höher die Kosten.

E-Commerce-Plattformen wie Magento bieten hier allerdings optimale Voraussetzungen mit vordefinierten Mobile Templates oder eigenen App-Lösungen, die zu relativ niedrigen jährlichen Kosten einen Einstieg erschwinglich machen.

Eine kostengünstige Alternative stellt zudem das System von Couch Commerce dar. Das erst im August gestartete Angebot optimiert bestehende Online Shops automatisiert in Form einer Web App für mobile Geräte. Online Shops können sich kostenlos bei Couch Commerce anmelden und sich eine Web App generieren lassen. „Der Shop-Betreiber erhält so umgehend eine Web App, die er selektiv für Besucher mit Tablets, Smartphones und Smart TVs anzeigen lassen kann“, erklärt Geschäftsführer Alexander Ringsdorff. Die Besucher werden dabei automatisch auf die mobile Anwendung umgeleitet. „Der schnelle Go-Live mit der Web App wird Shop-Betreibern durch die Vorintegration in Shop-Systeme und alternativ dazu sehr einfach zu installierende Module ermöglicht. Diese Shop-Module stellen dann automatisch die Verbindung zu unserer Plattform her“, erklärt Ringsdorff das Prinzip.

Premium gegen Aufpreis

In der Basisversion unterliegt die Lösung allerdings Einschränkungen, wie beispielsweise maximal 250 Produkten innerhalb der Web App. Durch die Buchung von Premium-Modulen kann die Funktionalität dann erweitert werden. Die Module kosten zwischen 9 und 69 Euro im Monat. Ein Webshop mit 5.000 Produkten zahlt bei Couch Commerce dann monatlich circa 80 Euro.

Eine Kooperation zwischen Couch Commerce und Paypal bietet zudem besondere Konditionen. Alle Paypal-Partner bekommen die Möglichkeit, ihre Shop- Systeme über das Couch-Commerce-Modul mit wenigen Schritten für den mobilen Zugriff zu optimieren. Dabei werden nur die Paypal-Zugangsdaten abgefragt und alle weiteren Daten automatisch aus dem Kundenkonto ergänzt. Die besonders auf Tablets und Smartphones so lästige Eingabe von Adressen und Zahlungsdaten entfällt damit komplett.

Qual der Wahl

Browser-basierte mobile Website, native App oder Web App – klar ist: Die Wahl der richtigen technischen Plattform ist nicht leicht – und die Experten und Dienstleister, die sich mit M-Commerce beschäftigen, sind sich keineswegs einig. Höchste Zeit, sich selbst zu dem Thema schlau zu machen. Denn eins ist sicher: Wer zu spät kommt, den bestraft der Wettbewerb, der schneller war. vg


Mobile Business Conference 2012

Lust auf noch mehr Mobile Shopping? Die Mobile Business Conference, die Konferenz zu Mobile Marketing, Mobile Commerce, Apps & Co., findet vom 22. – 23. Oktober 2012 im Dormero Hotel Stuttgart statt. Die zweitägige Fachkonferenz gibt einen Überblick über die wichtigsten Fragestellungen rund um das Thema Mobile Business. Die Teilnehmer hören aktuelle Zahlen und Fakten, Case Studies und Studien und erhalten praxisnahe Tipps

www.mobile-business-conference.de


Checkliste für den Mobile Shop: 12 Tipps für den Umstieg

Wiljo Krechting,

E-Commerce-Experte und Pressesprecher der Shopware AG in Schöppingen

www.shopware.de

Wiljo Krechting, E-Commerce-Experte und Pressesprecher von Shopware, gibt Online- Händlern Tipps, wie sie ihren Shop für mobile Endgeräte effizienter gestalten.

1. Browser als Einstieg

Eine Browser-basierte Applikation zahlt sich immer aus, da sie auf vielen verschiedenen Endgeräten läuft und im Gegensatz zu einer nativen App leicht auf dem neuesten Stand gehalten werden kann. Wenn Sie sich für eine native Applikation entscheiden, sollte sie den Kunden Features bieten, die die Konkurrenz nicht hat. So zum Beispiel die Eingliederung eines Barcode-Scanners, der das Shoppen mit QR-Code möglich macht.

2. Mobile Umleitung

Viele mobile Kunden, die Ihre Seite noch nicht gebookmarkt haben, gelangen über die Google- Suche zu Ihrem Shop. Die Kunden sollten automatisch auf die mobile Shopseite weitergeleitet oder direkt zu Anfang gefragt werden, ob sie die mobile Seite nutzen möchten.

3. Intelligente Suche

Gerade mobil ist eine intelligente Suche besonders wichtig, da langes Suchen auf mobilen Endgeräten mühsamer ist als auf Desktop-PCs. Die Suche sollte eine gute Auto-Suggest-Funktion beinhalten, die möglichst fehlertolerant ist und dem Nutzer so Tippfehler und unvollständige Wörter verzeiht.

4. Kurze Beschreibungstexte

Ausschweifende Texte sind für die User mobiler Endgeräte ein Graus. Passen Sie die Texte des Online Shops an, indem Sie sie straffen und unnötige Passagen streichen.

5. Breites Sortiment

Offerieren Sie Ihren mobilen Endkunden das gleiche Sortiment wie den Usern am PC oder Laptop. Andernfalls wird der mobile Shop schnell unattraktiv.

6. Keine Zwangsregistrierung

Jeder zusätzliche Schritt bedeutet vor allem auf dem mobilen Endgerät Zeitverlust. Eine Registrierung vor dem Checkout bedeutet beispielsweise mindestens drei zusätzliche Felder, die ausgefüllt werden müssen.

7. Automatische Kundendaten

Große Shopping-Plattformen machen es vor: Wer sich dort einmal eingeloggt hat, braucht nur ein paar Klicks, um eine Bestellung abzuschicken. Alle relevanten Daten zum Zahlungsverkehr et cetera liegen dort bereits abgespeichert vor. Je weniger Informationen ein Stammkunde eingeben muss, desto besser.

8. Bewährte Zahlungsdienstleister

Bei den Kunden besteht heutzutage noch eine gewisse Skepsis gegenüber Geschäften, die über ein mobiles Endgerät abgeschlossen werden. Bieten Sie deshalb die Bezahlung über bewährte und vertrauenswürdige Zahlungsdienstleister wie Paypal an.

9. Leistungsfähige Produktfilter

User mobiler Endgeräte erwarten im mobilen Shop die gleiche Auswahl wie auf ihren Desktop-Gegenstücken. Deshalb brauchen sie ein effizientes Such- und Filtersystem, da langes Suchen auf kleinen Bildschirmen abschreckt.

10. Schnelle Ladezeiten

Mit einer langsamen Verbindung bedeutet jede Zusatzseite oder unnötige Aktualisierung mehr Wartezeit und ungeduldige Kunden. Hier gilt es, den Spagat zwischen einem ansprechenden mobilen Shopping-Erlebnis und einer einfachen, schnellen Seite zu schaffen.

11. Lokale Filialfinder

Filialfinder sind sehr beliebte Tools in mobilen Online Shops. Über die Eingabe der Postleitzahl oder die Adresse lässt sich mit ihnen, falls vorhanden, das nächste Ladengeschäft, die Route dorthin und mehr ausfindig machen.

12. Alternativen zum mobilen Kauf

Trotz hoher Sicherheitsstandards haben manche Kunden Hemmungen, auf einem mobilen Endgerät Geschäfte abzuschließen. Der Shop- Betreiber sollte dem Kunden deshalb Alternativen zum mobilen Checkout anbieten. Das könnte etwa eine Wunschliste sein, auf der der Kunde seine Produkte erst sammelt, bevor er sie später über einen Desktop-PC bestellt.

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