INTERNET WORLD Business





KOMMENTAR

Die Deutschen und das Essen

Frank Kemper, Stv. Chefredakteur

Zu den ehernen Gesetzen im Online-Handel gehört nach Ansicht vieler Experten die Regel: „Lebensmittelversand in Deutschland rechnet sich nicht.“ Mögen auch in England die Tesco-Laster zu Tausenden durch die Lande kurven, in der Schweiz Migros den Eidgenossen das Essen nach Hause liefern – in Deutschland klappt das angeblich nicht.

Die Gründe, die dafür genannt werden, sind immer wieder dieselben: das üppige Angebot an gut sortierten Supermärkten und die abnorme Niedrigpreisfixierung der deutschen Kunden, die angeblich keinen Raum lässt für eine vernünftige Marge.

Der wahre Grund für die Vorbehalte gegen den Lebensmittelversand ist vermutlich ein anderer: die wenig entwickelte Fähigkeit der Kunden, einen guten Service zu erkennen und ihn gegebenenfalls auch zu bezahlen. Dabei löhnen deutsche Kunden für Dinge, die in anderen Ländern völlig selbstverständlich gratis sind. Während ein deutscher Supermarkt seinen Kunden zwischen zehn und 40 Cent für eine Plastiktüte in Rechnung stellt, sind die Beutel zum Abtransport der gekauften Ware in den USA selbstverständlich gratis – manchmal gibt es sogar Aushilfen, die beim Einpacken helfen. Und bei realen Kosten von 30 bis 60 Cent pro Kilometer für eine Fahrt mit dem Auto ist eine Versandpauschale von 3,50 Euro für einen kompletten Supermarkteinkauf eigentlich ein Witz.

Was meines Erachtens fehlt, ist eine mutige und langfristig angelegte Werbekampagne, die die Kunden mit den Vorteilen des Online Shopping vertraut macht, ihnen die Vorbehalte nimmt und Fragen beantwortet. Doch diese ist bislang nicht in Sicht, oder ist Ihnen schon einmal ein TV-Spot aufgefallen, mit dem ein Lebensmittel-Riese seinen Kunden das Thema Online-Einkauf schmackhaft machen wollte?

comments powered by Disqus