INTERNET WORLD Business





Digital wird zum Kerngeschäft

Online-Rubrikenmärkte und andere digitale Geschäftsmodelle sorgen bei der Axel Springer AG für Wachstum

Jens Müffelmann leitet den Geschäftsführungsbereich Elektronische Medien bei Axel Springer in Berlin

www.axelspringer.de

Digitale Medien sind der Wachstumsmotor bei Axel Springer. Sie tragen mittlerweile fast 35 Prozent zum Umsatz bei. Dieser betrug 2012 in den ersten neun Monaten rund 2,4 Milliarden Euro. Auf den Rückgang der Werbe- und Vertriebserlöse im Printgeschäft reagiert Axel Springer mit Zukäufen im Digitalbereich.

Um für Übernahmen im Online-Rubrikengeschäft gerüstet zu sein, hatte sich der Verlag im März 2012 mit dem Investor General Atlantic einen finanzkräftigen Partner gesucht und die Gesellschaft Axel Springer Digital Classifieds gegründet. INTERNET WORLD Business hat mit Jens Müffelmann, Leiter des Geschäftsbereichs Elektronische Medien bei Axel Springer, über die Akquisitionsstrategie des Verlags und das Geschäft mit Online- Rubrikenanzeigen gesprochen.

Die Axel Springer Digital Classifieds GmbH gehört einem Verlag und einem Investor. Warum diese Konstellation?

Jens Müffelmann: Die Partnerschaft zwischen einem strategisch ausgerichteten Medienunternehmen und einem exitorientierten Finanzinvestor erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich. Doch es gibt viele Gemeinsamkeiten: Wie wir verfolgt General Atlantic eine nachhaltige Wachstumsstrategie und ist international aufgestellt. Zudem investiert die Gesellschaft seit Jahren sehr erfolgreich im Online-Rubrikengeschäft. Mit diesem finanzstarken Partner haben wir für Axel Springer Digital Classifieds hervorragende Voraussetzungen für schnelles Wachstum geschaffen. Seit der Gründung zu Jahresbeginn haben wir bereits drei Deals mit insgesamt über einer Viertelmilliarde Euro Investitionssumme abgeschlossen.

Die Übernahmen der britischen Jobbörse Totaljobs und des belgischen Immobilienportals Immoweb.be zeigen, dass Sie international nach Kandidaten für den Bereich Classifieds Ausschau halten. Welche Regionen sind für Sie von besonderem Interesse?

Müffelmann: Investitionen in Europa stehen ganz oben auf unserer Prioritätenliste. Grundsätzlich sind wir aber offen dafür, auf anderen Kontinenten zuzukaufen, wenn sich interessante Gelegenheiten ergeben.

Wie entwickelt sich das Geschäft mit Online-Rubrikenmärkten?

Müffelmann: Exzellent! In den ersten neun Monaten haben wir bereits 235 Millionen Euro Umsatz bei einem EBITDA von über 100 Millionen Euro erzielt und konnten somit das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppeln. Aus Konzernsicht sehr erfreulich ist zudem, dass wir mittlerweile die starken Rückgänge im Print-Rubrikengeschäft durch massive Zuwächse im Online-Rubrikengeschäft überkompensieren. Oder anders formuliert: Wir haben bei Axel Springer noch nie so viel Umsatz im Rubrikengeschäft gemacht wie heute.

Im August 2012 haben Sie die Allesklar.com AG erworben. Wie passt das Regionalportal Meinestadt.de, das von Allesklar.com betrieben wird, in Ihr Rubrikengeschäft?

Müffelmann: Meinestadt.de ist ein regionaler Generalist mit einer Vielzahl von Rubrikenangeboten. Die größte Erlösquelle bei Meinestadt.de sind Stellenangebote. Im Gegensatz zu unserer nationalen Stellenbörse Stepstone haben die Jobs auf Meinestadt.de einen starken lokalen Bezug, außerdem handelt es sich tendenziell eher um „Blue Collar“-Positionen. Das ist eine Ergänzung zu den Fach- und Führungspositionen, die auf Stepstone schwerpunktmäßig angeboten werden.

Im Rubrikengeschäft besetzen Sie die Segmente Immobilien und Stellenmarkt. Ein Automarkt, eine Partnerbörse und Touristik fehlen noch. Haben Sie hier Pläne?

Müffelmann: Wir sind an marktstarken Autobörsen zu vertretbaren Preisen interessiert. Ähnliches gilt – in der Priorität nachgelagert – auch für die Bereiche Dating und Travel.

Warum haben Sie in Kaufda investiert?

Müffelmann: Kaufda überträgt das Prospektgeschäft in die digitale Welt. Das Unternehmen ist mit Abstand Marktführer für digitalisierte lokale Angebotsprospekte in Deutschland und hat enorme Wachstumsraten vor allem auf mobilen Endgeräten. Bei Kaufda haben wir bereits in der Frühphase investiert, weil der Geschäftsansatz eine besonders hohe strategische Relevanz für uns hat.

Wie würden Sie Ihre Investitionsstrategie beschreiben?

Müffelmann: Wir definieren uns als strategischer Investor, weil wir an einer nachhaltigen Weiterentwicklung von Unternehmen interessiert sind. Wir investieren dann, wenn wir sehen, dass ein Unternehmen das nachvollziehbare Potenzial hat, in einem relevanten Bereich Marktführer zu werden. Oft bleiben die Gründer als geschäftsführende Mitgesellschafter an Bord, bei Idealo.de beispielsweise seit mittlerweile über sechs Jahren. Wir sind sehr skeptisch, wenn Gründer mit einem megaambitionierten Businessplan zu uns kommen und ihre vor sechs Monaten gegründete Gesellschaft für einen zweistelligen Millionenbetrag komplett verkaufen wollen. Als Gesellschafter bieten wir sehr großen unternehmerischen Freiraum und umfassende Verbundeffekte aus dem Axel-Springer-Netzwerk.

Bekommen Sie viele Angebote?

Müffelmann: Wir prüfen deutlich über 1.000 Beteiligungsangebote im Jahr. Aber wir prüfen nicht nur, sondern vollziehen auch: Seit 2006 haben wir circa 70 Investitionen getätigt und über eine Milliarde Euro investiert.

Welche Aktivitäten streben Sie im Commerce-Bereich an? Welche Segmente sind dort für Sie interessant?

Müffelmann: Beim Commerce für medienferne Produkte konzentrieren wir uns auf das Vermittlungsgeschäft ohne Warenlogistik und -risiko. Wir sind ein Medienunternehmen, kein Handelsunternehmen.

Axel Springer betreibt auch die Finanzplattform Finanzen.net. Wie haben sich die Nutzerzahlen und der Umsatz von Finanzen.net entwickelt?

Müffelmann: Die Reichweite der Plattform ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Finanzen.net ist heute mit über zwei Millionen Unique Usern mit Abstand Marktführer bei den Finanzportalen und hochprofitabel durch seine Vermarktungserlöse.

Die Werbe- und Vertriebserlöse bei den Print-Titeln gehen auch bei Axel Springer zurück. Demnächst sollen auch Internet- Leser zur Kasse gebeten werden. Was ist Ihr langfristiges Ziel?

Müffelmann: Insgesamt wird Axel Springer in diesem Jahr über eine Milliarde Euro Umsatz mit digitalen Medien erwirtschaften – und das weiterhin hochprofitabel. Damit erzielen wir rund ein Drittel des Geschäfts in den digitalen Medien. Unser Ziel sind 50 Prozent. Das Randgeschäft „Digitale Medien“ wird bei uns zum Kerngeschäft werden. ❚

INTERVIEW: INGRID SCHUTZMANN


Das digitale Geschäft bei Axel Springer

Der aktuelle Quartalsbericht von Axel Springer nennt für das Segment digitale Medien fol-gende Zahlen: In den ersten neun Monaten 2012 verzeichnete das Segment ein Umsatzplus von 21,5 Prozent auf 823,3 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 677,7 Millionen Euro). Die Werbeerlöse leisteten mit einem Zuwachs von 24,5 Prozent auf rund 692,6 Millionen Euro den größten Beitrag, die übrigen Erlöse legten um 7,7 Prozent zu. Das EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) lag mit 165,9 Millionen Euro um 48,3 Prozent über dem Vorjahreswert von 111,9 Millionen Euro.

Der Geschäftsbereich Elektronische Medien (siehe Kasten) bildet nur ein Teilsegment der digitalen Medien, in die auch die Umsätze der journalistischen Portale (wie Bild.de) einfließen. Der Umsatz dieser Portale und anderer digitaler Medien wie Idealo, Kaufda und Smarthouse stieg in den ersten neun Monaten um 25,2 Prozent auf 261,7 Millionen Euro an.

Der Bereich Performance Marketing, der die Aktivitäten der Zanox-Gruppe umfasst, erhöhte den Umsatz in den ersten neun Monaten 2012 um 4,6 Prozent auf 326,6 Millionen Euro. Sehr dynamisch entwickelte sich Axel Springer Classifieds. Bei den Online-Rubrikenportalen wuchs der Umsatz von 156,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 234,9 Millionen Euro in den ersten neun Monaten 2012.

Weitere Bilder
comments powered by Disqus