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PERSONALMANAGEMENT

Top oder Flop?

Als Arbeitgeber gut dastehen – Gütesiegel und Zertifikate machen es möglich

Für Unternehmen der Internet-Branche zahlt es sich in der Regel aus, mit Auszeichnungen wie „Fair Company“ oder Zertifikaten bei potenziellen Mitarbeitern für sich zu werben

Billiger-mietwagen.de schmückt sich mit einem, Internetstores.de hat zwei und Immobilienscout24.de ist stolz auf gleich drei. Die Rede ist von Zertifikaten, Gütesiegeln und Auszeichnungen, die allesamt für erfolgreiches und engagiertes Personalmanagement stehen. Besonders begehrt und angesehen: „Great Place to Work“, „Top Job“ und „Fair Company“. Darüber hinaus vergibt die Online-Plattform Kununu.com, bei der Arbeitgeber bewertet werden, das Gütesiegel „Top Company“.

„Great Place to Work“, einmal im Jahr verliehen, honoriert eine außergewöhnlich hohe Arbeitsplatzqualität und Arbeitgeberattraktivität. Die Bewertung findet dabei auf Grundlage von Befragungen der Mitarbeiter in den Unternehmen und einer Analyse der Maßnahmen des Personal-managements statt. Verliehen wird die Auszeichnung vom internationalen Great Place to Work Institut. Immobilien-scout24.de konnte das Gütesiegel im vergangen Jahr gewinnen. Das Immobilienportal belegte Platz acht in seiner Kategorie (500 bis 2.000 Mitarbeiter) und ist damit nach eigenen Angaben der beste Arbeitgeber unter den deutschen Internet-Unternehmen. Punkten konnten die Berliner insbesondere in den Bereichen Förderung, Teamgeist, Stolz und Fairness. „Die Auszeichnung steht für eine Arbeitsplatzkultur, die in besonderer Weise von Vertrauen, Stolz und Teamgeist geprägt ist“, erläutert Frank Hauser, Leiter des Instituts, das Ergebnis.

Gütesiegel steht für faire Bedingungen

Neben dem Gütesiegel „Great Place to Work“ wirbt Immoscout24.de außerdem mit „Fair Company“ für sich. Diese Initiative steht vor allem der Online-Branche, die oft mit schlecht bezahlten Praktika oder Trainees von sich reden macht, gut zu Gesicht. Denn wer das Gütesiegel trägt, muss sich zu fairen Arbeitsbedingungen für Praktikanten bekennen. Dazu gehören beispielsweise eine angemessene Bezahlung oder das Versprechen, Vollzeitstellen nicht durch Praktikanten zu ersetzen. Außerdem müssen Praktika von „Fair Companies“ vornehmlich zur beruflichen Orientierung während der Ausbildungsphase angeboten werden.

Der Mietwagenanbieter Billiger-mietwagen.de ist seit Herbst vergangenen Jahres ebenfalls eine „Fair Company“. Unternehmenssprecher Frieder Bechtel begründet das Engagement: „Wir sind ein kleines, aber stark wachsendes Unternehmen und immer auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Die Teilnahme an der Initiative ist für uns der Versuch, Nachwuchs gezielt anzusprechen mit der Garantie, dass er bei uns viel lernt.“ Das Engagement ist für Frieder Bechtel zudem eine Herzensangelegenheit. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass Praktikanten oft unter schwierigen Bedingungen arbeiten müssen und dafür noch nicht einmal angemessen bezahlt werden.“ Neben den ohnehin geforderten Kriterien, die eine „Fair Company“ erfüllen muss, stellt das Kölner Unternehmen seinen Praktikanten einen Mentor zur Seite und bietet Mitarbeitergespräche mit den Vorgesetzten an. Außerdem profitieren die Mitarbeiter von den flexiblen Arbeitszeiten. Das hilft auch Berufseinsteigern. „Wir haben viele jüngere Mitarbeiter, die nebenher studieren oder eine Fortbildung besuchen. Durch die flexiblen Zeiten ist das einfach möglich“, betont Frieder Bechtel.

Auszeichnungen kommen gut an

Bei Jobsuchenden, in Studentenkreisen aber auch bei berufserfahrenen Mitarbeitern wird auf das „Fair Company“-Zertifikat geachtet. Jan Marquardt, SEO Consultant bei der Artaxo AG, meint: „Berufseinsteiger und Praktikanten wissen bei einem solchen Siegel, dass sie eine echte Chance in dem Unternehmen erhalten und nicht als Ersatz für vollwertige Arbeitskräfte eingesetzt werden. Das Siegel sagt ihnen schon vor der Bewerbung, ob sich ein Unternehmen für eine adäquate Entlohnung einsetzt und Praktika als berufliche Orientierung versteht.“

Auszeichnungen wie „Fair Company“, „Top Job“ oder „Great Place to Work“ werden im Kampf um Talente immer wichtiger. Sie zeigen, dass Unternehmen das Wohl ihrer Mitarbeiter am Herzen liegt. Jan Marquardt von Artaxo ist seine Familie das Wichtigste. „Mein Arbeitgeber bietet mir durch ein Gleitzeitmodell die Möglichkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren. Das ist für mich, neben der Auszeichnung als ‚Fair Company‘, ein klares Zeichen dafür, dass ich mich für das richtige Unternehmen entschieden habe.“ Auch Claudia Hollingshausen, Online Marketing Managerin beim Verlag Friedrich Oetinger, misst den Zertifikaten, Auszeichnungen und Gütesiegeln eine große Bedeutung bei: „Ich gehe davon aus, dass diese Unternehmen zum Beispiel stärker in die Entwicklung ihrer Mitarbeiter investieren, als das möglicherweise bei ihren Wettbewerbern der Fall ist.“ Allerdings seien Arbeitgeberauszeichnungen für sie nicht das alles entscheidende Kriterium bei der Bewertung eines Unternehmens. „Aber ein Unternehmen, das in einem solchen Ranking auftaucht, verbessert auf jeden Fall sein Image.“ ❚

SUSANN NAUMANN

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