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VIDEO-PRODUKTION

Lach- und Sachgeschichten

Bewegtbilder im Web sind bei den Nutzern beliebt – vor allem, wenn sie Information und Unterhaltung verbinden. Hier bieten besonders Erklär- und Produkt-Videos Marken gute Möglichkeiten, um Reichweite und Image aufzubauen

Filme herstellen leicht gemacht: Videos kann heute jedes Unter-nehmen selbst produzieren

Stolze 42 Jahre hat die Sendung mit der Maus inzwischen auf dem Buckel. Seit 1971 wird die Kinderserie von der ARD produziert und bis heute ist sie eines der beliebtesten Formate im deutschen Fernsehen. Und das bei allen Altersklassen: Obwohl das Zielpublikum Kinder im Grundschulalter sind, liegt das Durchschnittsalter der Zuschauer laut einer WDR-Studie bei knapp 40 Jahren.

Den Erfolg verdanken die Macher vor allem ihren Sachgeschichten. Das sind kurze, verständliche Wissensfilme, die den kleinen wie großen Zuschauern beispielsweise die Herstellung oder Funktionsweise eines Alltagsgegenstands näherbringen. Das Maus-Prinzip – „einfach, kurz und unterhaltend“ – bewährt sich aber nicht nur bei Erklärfilmen im Fernsehen. Auch auf Marken, die ihre Unternehmens-Clips im Internet präsentieren wollen, lässt es sich erfolgreich übertragen.

Reichweite und Image

Online Video Marketing hat sich zu einer für Werbungtreibende profitablen Disziplin gemausert. „Insbesondere Erklär- und Produkt-Videos bieten viele Möglichkeiten, Reichweite und Image über die eigene Website hinaus aufzubauen“, meint Mathias Blüm. Für den Geschäftsführer des Video-Vermarkters Clipkit ist eine professionelle und qualitativ hochwertige Video-Produktion eine wichtige Voraussetzung, um die Aufmerksamkeit neuer Interessenten und Kunden zu gewinnen. Distribution an der richtigen Stelle sei dabei entscheidend: „Videos müssen dort verfügbar sein, wo sich die eigene Zielgruppe online bereits aufhält, um sich zu informieren, sich inspirieren oder unterhalten zu lassen.“

Neben einer Platzierung der Filme auf der Firmen-Homepage verspricht daher vor allem eine Veröffentlichung im eigenen Youtube-Kanal oder auf der Facebook-Unternehmensseite hohe Reichweiten bei geringem Streuverlust. Daneben sind die Preiskonditionen für eine Produktion – zumindest im Vergleich mit klassischen Kanälen wie TV – recht günstig: Selbst für kleine Firmen mit geringen Marketingbudets gibt es inzwischen viele Dienstleister, die Unternehmen bei dem Bewegtbildvorhaben unterstützen (siehe Tabelle rechts).

Aus Nutzersicht ist das Interesse an Bewegtbild längst Fakt: Laut der aktuellen ARD/ZDF-Onlinestudie vom September 2013 hat der wöchentliche Video-Konsum gegenüber dem Vorjahr zugenommen. 43 Prozent der deutschen Onliner (rund 23 Millionen Bundesbürger) nutzen regelmäßig Fernsehsendungen und andere Videos im Netz. Das entspricht einem Zuwachs von sechs Prozentpunkten. Unter den 14-bis 29-Jährigen schauen bereits drei Viertel (76 Prozent) wöchentlich Bewegtbilder im Netz an.

Auch unternehmenseigene Online Videos erfreuen sich steigender Beliebtheit – je nach Machart. Was diese angeht, ist Detlev Weise ein großer Verfechter der „Keep it simple“-Strategie. Das verrät schon der Name seiner Firma: Weise ist CEO der Simpleshow GmbH, eines Unternehmens, das sich auf Erklär- oder How-to Videos spezialisiert hat. Die Clips werden produziert, um „komplexe Sachverhalte innerhalb kürzester Zeit effektiv einer Zielgruppe zu vermitteln“, so Weise.

Papier-Legetrick fürs Web

Dazu nutzt das Unternehmen die „Papier-Legetrick-Technik“ (s. Bilder). Die Protagonisten und Sets werden gezeichnet und ausgeschnitten. Handmodels setzen die einzelnen Szenen zusammen, eine Kamera filmt den Prozess mit. Am Computer wird dann alles zusammengeschnitten, die Figuren werden animiert und der Clip vertont. Die Kunden binden die Simpleshow in ihre Kommunikation ein. Dabei erwachen die Simpleshow-Männchen beispielsweise für Imagevideos zum Leben, die das Unternehmen oder das Produkt vorstellen und der Kundengewinnung und der Imagepflege dienen. 

 
 
Der Entstehungsprozess eines Erklär-Videos: Beratung, Konzeption und Produktion – für alles zusammen gibt es einen Pauschalpreis

Manchmal lasse sich ein solcherart produziertes Erklär-Video sogar für die Werbung nutzen, ergänzt Weise, und das selbst crossmedial wie das Beispiel von Tirendo zeigt. Der Reifenversandhändler strahlte sein Simpleshow-Produkt-Video Ende vergangenen Jahres in Deutschland auf den TV-Sendern Pro Sieben, Sat1 und Kabel1 aus.

Edutainment und Infotainment

Komplexes einfach zu erklären ist ebenfalls das Ziel von Infotainweb. Die Video-Agentur ist wie Simpleshow auf How-to Videos spezialisiert. Entscheidend beim Erstellen entsprechender Clips sind für Stefan Huber, CEO und Gründer von Infotainweb, die Schlagworte „Edutainment und Infotainment“: also der Mix aus unterhaltsamen und informativen Geschichten gepaart mit Lernelementen oder, um auf den ARD-Klassiker zurückzukommen, eine Mischung aus Lach-und Sachgeschichten. Denn „wenn die User bei einem ernsthaften Thema auch mal schmunzeln, bleibt mehr hängen und das Video erfreut sich höherer Klickraten“, so Huber.

 

Auch die handgemachten Videos von Simpleshow dienen laut Weise dem „emotionalen Storytelling“. Und das steht für den CEO stellvertretend für die aktuelle Entwicklung auf dem Bewegtbildmarkt: „Wir beobachten einen generellen Trend von der reinen Feature-Präsentation hin zur Erklärung von Produktnutzen und damit eine Abkehr von der reinen Promotion hin zur Education des Konsumenten.“ Edutainment und Infotainment eben.

Dem Kunden Mehrwert bieten, die Conversion Rate steigern und sich von der Konkurrenz abheben – das sind die maßgeblichen Ziele beim Einsatz von Videos für die externe Markenkommunikation. So nutzte beispielsweise der Bonusprogrammanbieter Payback die Simpleshow-Custom-Produktion (s. Tabelle), um auf seine Themen Mobile und E-Coupons aufmerksam zu machen. Der Clip wurde im Sommer 2012 veröffentlicht und konnte innerhalb eines Jahres über 316.000 Views generieren.

Erklär-Videos werden aber ebenso für die interne Kommunikation genutzt, zum Beispiel wenn es darum geht, die eigenen Mitarbeiter zum Thema Arbeits- oder Brandschutz zu informieren. Auch im B2B-Bereich können die How-to-Filme gute Ergebnisse erzielen. Für das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hat Infotainweb etwa einen Clip zum Thema „Arbeitswelt im Jahr 2025“ erstellt, um die 60 Seiten lange Studie „Office 21“ begreiflich zu machen. Das Video hat auf Youtube über 12.000 Klicks generiert, „was für ein B2B-Thema viel ist“, wie Infotainweb-Geschäftsführer Huber betont.

Baukasten für Videos

Wer die Produktion seiner Clips nur bedingt in fremde Hände geben will, kann sich auch für die „Do it yourself“-Variante entscheiden und sein Firmen-Video selbst produzieren. Anbieter dafür sind zum Beispiel Trivid oder Clipvilla. Die Vorteile: Die Herstellung geht schneller vonstatten und die Kosten sind in den meisten Fällen deutlich geringer, sodass sich die Eigeninitiative vor allem für Firmen mit einem kleinen Geldbeutel lohnt. 

 
 
„Do it yourself“ ist das Motto beim Clipgenerator von Trivid

Trivid ermöglicht die individuelle Erstellung, Bearbeitung und Veröffentlichung von Videos über den hauseigenen Online-Video-Editor „Clipgenerator Home“. Rena Scholz, Business Development Manager bei Trivid, erläutert: „Jeder Videoclip ist trotz Automatisierung individuell erstellt und hebt sich daher von anderen Produkt-, Beschreibungs- und Erklär-Videos mit gleichem Content ab.“ Anbieter können so jede einzelne Zielgruppe direkt und persönlich mit für Suchmaschinen wichtigem Unique Content ansprechen. Auch der Bremer Dienstleister Clipvilla bietet Unternehmen die Option, Videos in Eigenregie zu produzieren, indem die Bilder in bereits bestehende Vorlagen eingefügt werden können.

Unabhängig ob Profilösung oder Baukasten: Individuelle und emotionale Clips kommen bei den Nutzern gut an und lohnen sich auch aus Unternehmenssicht – denn schlussendlich ist, wie Weise resümiert, „die Motivation des Kunden der entscheidende Faktor, der die Conversion oder den Kaufabschluss bringt.“ sg


Die Zahl der Unternehmen, die die Produktion von Image-, Produkt- oder Erklär-Videos anbieten, ist groß – eine Auswahl

Ein Blick hinter die Kulissen

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