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BUCHUNGS-SITES UND HOTELS

Die Macht der Portale

Die Hotellerie macht gegen HRS, Booking.com und Expedia mobil: Sie kämpft gegen die wachsende Abhängigkeit von den Online-Buchungsportalen – und rebelliert gegen hohe Provisionen und rigide Vertragsklauseln

An der Rezeption: Rebellion gegen die Konditionen von Buchungsportalen wie Booking.com, Expedia und HRS

Zehn Tage sperrten 38 Hotels aus Regensburg den Eintrag ihrer Häuser in Buchungsportalen. Für Reisende waren sie an diesen Septembertagen über die Homepage, Einträge in Online-Kartendiensten sowie über das Portal Hotels-in-regensburg.de zu finden. „Wir haben Lehrgeld bezahlt und Verluste gemacht“, bilanziert Kathrin Fuchshuber, Chefin des „Münchner Hof “ sowie des „Blauen Turm“, „aber wir wissen jetzt: Wir brauchen bessere Buchungs- und Vermarktungsmöglichkeiten im Internet, wenn wir die Preise stabil und die Qualität hoch halten wollen.“

Nicht nur in der Domstadt regt sich Widerstand gegen die Macht von Buchungsportalen wie Booking.com, HRS oder Expedia: „Die Buchungsportale meinen, wir brauchen sie, aber sie brauchen uns auch“, sagt Wolfgang Heidel, der auf Rügen das Parkhotel del Mar betreibt. „Wir müssen zu einem fairen Wettbewerb zurückkommen.“ In Hamburg verspricht Eugen Block, Besitzer der Hotels Grand Elysee und Blockbräu, Reisenden in Anzeigen und auf Plakaten einen Nachlass von 15 Euro pro Nacht, wenn sie Zimmer direkt bei ihm buchen. „Portale verlangen zwischen 15 und 25 Prozent des Übernachtungspreises“, rechtfertigt er das, „und bieten dafür weder dem Gast noch dem Hotel einen angemessenen Service.“ In Würzburg, Berlin, Hannover und sogar in den USA entstehen derweil neue Dienste, über die Reisende online Zimmer finden können, die aber den Hoteliers mehr Freiheiten beim Vermarkten lassen.

Die Hotellerie reibt sich an den hohen Provisionen der Portale für deren Online Services sowie an den Verträgen: Die Portale fordern eine Best-Price-Garantie. Kein Zimmer darf andernorts günstiger angeboten werden. Zudem müssen die Hotels eine flexible Anzahl an Räumen zur Verfügung stellen. „Das ist“, ärgert sich Fuchshuber, „eine Lizenz zum Gelddrucken. Als Hotelbetreiberin verliere ich meine Vertriebsfreiheit.“ Auch auf der eigenen Website dürfen Zimmer nicht billiger sein. Diese Ratenparität hat nun auch die Wettbewerbsbehörden auf den Plan gerufen: Sie prüfen zurzeit zunächst die Verträge von HRS, die US-Konkurrenz bleibt noch außen vor. „Bestpreisklauseln sind keine Erfindung von HRS“, stellt Tobias Ragge, Chef des Kölner Unternehmens, klar, „sondern internationaler Branchenstandard im Internet-Vertrieb.“

Rund 22 Milliarden Euro wurden 2012 allein in Deutschland mit Übernachtungen umgesetzt. Gut 60 Prozent davon erwirtschaften die 13.400 Hotels. Laut Marktforschung Business Target Group nutzten 83 Prozent der Hotels im deutschsprachigen Raum Booking.com und 77 Prozent HRS. „Die Hotellerie hat in den letzten Jahren den Eigenvertrieb vernachlässigt, weil die Plattformen Komfort boten und weil sie die Vertriebskosten im Internet falsch kalkuliert hat“, meint Carmen Dücker, stellvertretende Geschäftsführerin von Best Western Deutschland (s. Interview).

Provisionen steigen immer weiter

Häuser mit kleinem Werbeetat verzichten oft auf weitere Verkaufskanäle. Folge: 50 bis 60 Prozent ihrer Gäste kommen über die Buchungsportale. Hotel-Managerin Fuchshuber erzielt 28 Prozent der Erlöse über die Portale: „Viel zu viel“, hat sie erkannt. „Fünf bis zehn Prozent wären lang- und mittelfristig darstellbar, wenn ich meine Mitarbeiter gut bezahlen und eine hohe Qualität halten will.“ Zumal die Portale seit 2005 die Vermittlungsprovisionen sukzessive von damals acht auf heute 15 bis 25 Prozent erhöht haben. Für eine prominentere Platzierung in den Hotellisten oder während Messezeiten werden schon mal 50 bis 60 Prozent des Übernachtungspreises fällig. Die Hoteliers müssen zudem immer rigidere Vertragsklauseln akzeptieren.

Dem gegenüber stehen die Bedürfnisse der Hotelpartner: „Gäste haben viele Fragen, auf die die Portale nicht antworten“, moniert Hotelier Heidel. Die Hotels erhalten auch keine Kontaktdaten von Gästen für Rückfragen oder Hinweise. „Die Portale bieten zwar eine Marktübersicht, sie sind aber nichts mehr als ein Adressbuch mit Buchungsfunktion“, kritisiert Block und fordert eine Senkung der Provisionen.

Auch die Portale kommen jetzt unter Druck: Für die ersten Plätze im Google-Ranking müssen sie immer mehr investieren. Die Suchmaschine ist mit ihrem Hotelfinder und Maps zugleich ein starker Konkurrent. Und Dienste oder Start-ups wie Justbook, Bookingnow, 9flats oder Airbnb erobern ebenfalls Marktanteile. Die Großen wehren sich, indem sie gegen die neue Konkurrenz vor Gericht ziehen und das Online-Buchungsgeschäft immer mehr konzentrieren: So übernahm 2005 die Reisesuche Priceline Booking.com, 2007 deren asiatischen Konkurrenten Agoda und vor Kurzem noch die Hotel-Metasuche Kayak. 2011 schnappte sich HRS den Gegenspieler Hotel.de. Und auch Expedia hat in den letzten Jahren neue Buchungs-und Vermarktungskanäle zugekauft.

„Die zunehmende Monopolisierung der Internet-Dienste vergrößert die Macht der Portale und unsere Abhängigkeit“, sagt Heidel. „Wir müssen Alternativen schaffen.“ Im Sommer hat er den Web-Dienst Reise-10 gegründet (s. Kasten). Zur Stärkung des Eigenvertriebs schloss sich Fuchshuber mit Regensburger Häusern zusammen, weitere Hotels zeigen Interesse am selbst organisierten Städteportal Hotels-in-regensburg. Schon ist Vorsicht bei neuen Angeboten angebracht: Inzwischen bieten auch windige Dienstleister Chancen zur Online-Präsentation, diese aber auf kaum besuchten Portalen. Heidel ist trotzdem zuversichtlich: „Wir kommen sicher noch nicht ohne Buchungsportale aus“, sagt er, „aber vielleicht brauchen wir sie in Zukunft seltener.“ ❚

SUSANNE VIESER


Selbst ist der Hotelier: Neue Dienste und Portale

❚ Reise-10.de (re. o.) tritt als Club an. Mitglieder bekommen zehn Prozent Rabatt bei der Buchung der gelisteten Hotels (zurzeit 1.265). Für Gäste ist die Mitgliedschaft kostenlos, Hotels zahlen 98 bis 198 Euro Jahresgebühr.

❚ Für Hotels-in-regensburg.de (re. u.) haben sich 42 Häuser in der fränkischen Domstadt zusammengetan. Das Portal wird eventuell zur Genossenschaft ausgebaut. Die Hotels bezahlen einmalig 500 Euro für die technische Anbindung, danach 20 Euro im Monat.

❚ Mrhobs.de (re.) ist ein Club, registrierte Gäste bekommen zehn Prozent Rabatt bei den 100 gelisteten Hotels. Diese zahlen knapp 8 Euro im Monat für einen umfangreichen Eintrag.

❚ Hotelnex.de ist das Buchungsangebot des Marktplatzes HGX. Hotels bezahlen 600 Euro Einrichtungsgebühr sowie pro Monat 500 bis 1.250 Euro für die Nutzung der Technik und Werbung.

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