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Amazons Luftnummer

Zweifel sind angebracht, dass eine Lieferung per Drohne funktionieren kann

Einsatz in bewohnten Gebieten kaum denkbar: Die Amazon-Drohne „Octocopter“ hätte in Deutschland keine Chance auf Zulassung

Als Amazon-Gründer Jeff Bezos pünktlich zum „Cyber Monday“ am 2. Dezember das Projekt „Prime Air“ vorstellte, war ihm die weltweite Aufmerksamkeit der Medien gewiss. In einem Video wurde gezeigt, wie eine elektrisch betriebene Flugdrohne mit acht Propellern eine Box aus einer Amazon-Lagerhalle zu einem Zielpunkt trug und dort weich absetzte. Die Idee ist nicht neu, der Verdacht, dass es sich dabei um ein Hirngespinst handelt, ebenso: 2012 rief der Plan eines Freiburger Entwicklerteams, mit einem „Dönercopter“ unbemannt Fastfood auszuliefern, beachtliche Medienresonanz und – gebotene – Skepsis hervor.

Geringer Aktionsradius

Gegen eine schnelle Umsetzung des Amazon-Projekts sprechen technische und rechtliche Gründe. Kommerzielle Drohnen wie zum Beispiel die HT-8-2000 des deutschen Herstellers Height-Tech kosten pro Stück ab 22.000 Euro, können gerade einmal zwei Kilogramm tragen und haben eine maximale Flugzeit von 17 Minuten. Bei einer Spitzengeschwindigkeit von 35 km/h ergibt sich daraus ein Aktionsradius von höchstens fünf Kilometern – zu wenig für Berlin, und erst recht für die Bay Area. Noch größer sind die rechtlichen Hürden. In einer Broschüre listet das Bundesverkehrsministerium die Voraussetzungen auf, die beim Einsatz eines „unbemannten Fluggerätes“ in Deutschland einzuhalten sind. So darf es sich nicht außerhalb der Sichtweite des Piloten (ohne Hilfsmittel wie Fernglas oder Video-Kamera) bewegen. Flüge über Menschenansammlungen sind verboten, Vehikel mit einem Startgewicht von über 25 Kilogramm sowieso. Vor dem Start müssen mehrere Behörden um Erlaubnis gefragt werden, vor der Landung auf jeden Fall der Grundstücksbesitzer. Eher unwahrscheinlich, dass in diesem engen Korsett automatisch gesteuerte Flugroboter durch die City fliegen könnten – und seit 9/11 sind die Regeln für den US-Luftraum noch strenger.

Wagemutige Projekte

Andererseits sind kalifornische Dotcom-Entrepreneure für wagemutige Projekte bekannt: Paypal-Erfinder Elon Musk baut heute mit seinem Unternehmen Space-X unter anderem Raumschiffe, die Google-Gründer stecken seit Jahren viel Geld und Mühe in die Vision des selbst fahrenden Roboterautos. Alles nur Zukunfts-Hirngespinste? Immerhin hat eines von Musks Raumschiffen unlängst erfolgreich Fracht zur internationalen Raumstation ISS geflogen. Und im US-Wüstenstaat Nevada dürfen die selbst fahrenden Google-Autos seit 2012 für Testfahrten öffentliche Straßen benutzen. Allerdings müssen diese Autos immer mit mindestens zwei Personen besetzt sein, die den Computer überwachen und im Notfall das Steuer übernehmen können.

Dass Amazon bereits zum nächsten „Cyber Monday“ Ware per Hubschrauber-Drohne ausliefert, ist kaum zu erwarten. Doch die Konkurrenz schläft nicht: UPS und Fedex arbeiten nach eigenem Bekunden an ähnlichen Projekten. DHL startet derzeit angeblich gleichfalls erste Testflüge mit Drohnen. fk

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