INTERNET WORLD Business





Digitaler Kaufrausch

Black Friday und Cyber Monday brachen in den USA alle Rekorde, Deutsche holen auf

Weihnachtswahnsinn: 1,2 Milliarden US-Dollar nahm der US-Online-Handel am Black Friday ein, über zwei Milliarden waren es am Cyber Monday

Der US-Online-Handel hat die umsatzstärksten Tage des Jahres – von Thanksgiving bis Cyber Monday – mit Bravour absolviert. Während die Umsätze des stationären US-Handels am Thanksgiving-Wochenende erstmals drei Prozent unter dem Vorjahresniveau lagen, sprudelten bei den Web-Händlern allein am Black Friday laut Marktzahlen von Comscore 1,2 Milliarden US-Dollar in die Kasse. Am Cyber Monday kamen weitere zwei Milliarden dazu. Das Umsatzplus beziffert IBM verglichen mit dem Vorjahr auf 19 Prozent. Interessant dabei: Erstmals spielt auch M-Commerce im Weihnachtsgeschäft eine maßgebliche Rolle. Rund ein Drittel der Zugriffe auf die US-Webshops erfolgte laut IBM über mobile Endgeräte. Das entspricht einem Zuwachs von 58 Prozent gegenüber 2012.

1,2 Millionen Visits in 24 Stunden

In Deutschland hat sich die Einkaufs- und Rabattschlacht erneut nicht so richtig durchgesetzt. Dabei hatten viele Shops, allen voran Amazon, an diesen Tagen und im Vorfeld Schnäppchen im Angebot. Am lautesten die Werbetrommel rührte Blackfridaysale.de. Rund 500 Shops, darunter namhafte Marken wie Saturn, Otto, Asos oder Yoox, buhlten um das Interesse der Kunden. Insgesamt zog das Verkaufsevent innerhalb von 24 Stunden 1,2 Millionen Visitors an. Für eine gänzlich unbekannte Plattform ist das kein schlechter Wert: Amazon brachte es im gesamten Juni laut Nielsen Media Research auf 22,7 Millionen Visits. Umgerechnet auf den Tag wären das 750.000.

Der Modeversender Asos generierte innerhalb der ersten zwei Stunden mehr als 40.000 Besucher über die Site, der Elektronikriese Saturn sogar rund 100.000. Die Designerin Lena Hoschke steigerte ihren normalen Tagesumsatz um das Zwölffache, die durchschnittlichen Warenkorbwerte lagen bei 110 Euro netto, die Konversionsraten in der Spitze bei bis zu 15 Prozent.

Allerdings: Mancher (auch namhafte) Händler war dem Ansturm einmal mehr nur bedingt gewachsen. Wie der Website-Performance-Spezialist Compuware analysierte, wiesen schon um 11.00 Uhr der Webserver und das CMS-System von Saturn schlechte Reaktionszeiten auf. Ab 12.20 Uhr kam es dann zu ersten Abbrüchen beim Laden der Startseite aufgrund von Browser Timeout. Um 12.26 Uhr, zur höchsten Nachfragezeit, machte der Webshop unfreiwillig Mittagspause. Erst um 13.28 Uhr lief der Technikladen wieder rund.

Fabian Spielberger, Gründer der Shopping Community Mydealz, beobachtete aber nicht nur technische, sondern vor allem auch konzeptionelle Probleme bei den Verkaufsevents der deutschen Web-Händler: „Die meisten Kunden haben schlicht keine Ahnung, was sie beim Black Friday erwarten wird. Hier müssten Händler viel mehr erklären“, so seine Forderung. Auch die Praxis vieler Händler, Rabatte auf einen UVP zu berechnen, der auch vorher nicht verlangt worden wären, hält Spielberger für Irreführung der Kunden. Und dies falle negativ vor allem auf die entsprechenden Händler zurück. dz

Weitere Bilder
comments powered by Disqus