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ONLINE-VERTRIEB VON VIRTUELLEN GÜTERN

Software per Selbstbedienung

Der Verkauf virtueller Güter folgt eigenen Regeln: Metaio vertreibt Software online und expandiert damit weltweit

Marken wie Lego, Audi, Ikea oder McDonald’s machten es vor: Werden Spielzeugschachteln, Lenkräder, Katalogbilder oder Burger-Packungen mit der Smartphone-Kamera gescreent, erscheinen auf dem Bildschirm weitere Informationen zum Produkt. Der Einsatz von Augmented Reality (AR) ist jedoch nicht nur für Marken attraktiv. Auch Programmierer und Webdesigner bauen AR-Funktionen in Apps oder Web-Präsenzen ein.

Nach den ersten Experimenten mit AR stieg bei Metaio, einem Spezialisten für AR-Anwendungen und Programme zu deren Erstellung, die Nachfrage deutlich an. Software-Schmieden und Agenturen suchten nach Tools, um AR-Funktionen zu kreieren. Metaio erweiterte das Produktportfolio und damit den Kundenkreis: „Anfangs boten wir Entwicklern überwiegend hochpreisige Produkte, inzwischen bieten wir eine kostenlose Einstiegslösung, die sich Cloud-basiert erweitern lässt“, erklärt Daniel Gelder, Marketingverantwortlicher bei Metaio. „Für deren Verkauf haben wir einen Online-Direktvertrieb aufgesetzt.“

Auch andere Anbieter von digitalen Gütern gehen so vor. Der Verkauf von Software, Spielen, Musik oder E-Books folgt neuen Regeln: Für sie werden oft keine starren Preise erhoben, sondern es fallen Nutzungs- oder Lizenzgebühren an. Für Spiele oder Cloud-Dienste wünschen sich Interessenten Demoversionen. Software soll wenigstens eine Zeit lang kostenfrei ausprobiert werden können. Für den Verkauf von Programmen wie Metaio Creator, SDK und diversen Cloud-Diensten richtete Metaio auf der Homepage einen Webshop oder besser eine Download-Zone ein. Bei der Organisation des Shops, vor allem bei der Abrechnung, lassen sich die Münchner von Avangate helfen. Der Dienstleister aus Kalifornien hat sich auf den Vertrieb von Software as a Service und Cloud-Diensten spezialisiert.

Wie die Konkurrenten Digital River, Demandware oder Adobe liefert Avangate ein Bezahlsystem, das sich in Waren- und Internetsysteme integriert und neben gewöhnlichen Verkaufspreisen die Sonderfälle des Vertriebs von digitalen Gütern ermöglicht: zum Beispiel Abonnements, die kurzfristige und befristete Vergabe von Lizenzen oder das Zubuchen von weiteren Funktionalitäten. Metaio-Kunden können dadurch eine kostenlose Einstiegslösung abspeichern und bei Gefallen mit einem Klick auf die Vollversion umsteigen.

Die Anbieter von Software und digitalen Gütern wiederum haben wesentlich größere Freiheiten: Sie können mit ihren Systemen digitale Produkte jenseits von App Stores, Google Play und Software-Börsen vermarkten – und sich damit die Einstell-und Transaktionsgebühren sparen, die bei Google und Apple mindestens 30 Prozent des Preises ausmachen. „In unserem Fall wäre der traditionelle Vertrieb kaum denkbar“, sagt Gelder. „Für Avangate sprach die globale Ausrichtung, aber auch, dass das System lokale Besonderheiten berücksichtigt.“ Etwa 30 Prozent des Umsatzes erzielt Metaio in den USA und Asien – der direkte Download erspart den Versand von Software-Paketen sowie aufwendige Vertriebsstrukturen. Das Avangate-System sorgt dafür, dass die Einnahmen aus verschiedenen Ländern nach deren Regeln besteuert werden. Es beinhaltet 31 Bezahlverfahren und berücksichtigt so die wichtigsten Zahlungsgewohnheiten, was wiederum die Konversionsraten im Shop fördert. Nicht zuletzt beachtet das System regionale Eigenheiten, etwa, dass deutsche Kunden gemäß Gesetz Software wie physische Ware innerhalb von 14 Tagen zurückgeben können.

Wer digitale Güter nicht über Apple, Google & Co. organisieren will, muss sich selbst um Werbung kümmern. Das Abrechnungssystem von Avangate beinhaltet daher auch Tools fürs Suchmaschinenmarketing und die Kundenbindung, außerdem den Anschluss an ein Affiliate-Netzwerk aus 30.000 Blogs, Portalen und Plattformen. Dieses nutzt Metaio, um auf neue Programmfunktionen und Aktionen hinzuweisen oder Tipps und Tricks rund um das Entwickeln von AR zu streuen. „Der Online-Handel hat uns mehr User und mehr potenzielle Kunden ins Portfolio gespült und auch die Entwicklung neuer Produkte und Lizenzmodelle ermöglicht“, zieht Marketingleiter Gelder Bilanz aus knapp vier Jahren Software-Direktvertrieb. Der Webshop erreicht rund 65.000 Entwickler weltweit. Konkrete Zahlen nennt Gelder nicht, aber seit 2010 haben sich die Verkaufszahlen verdreifacht, in den USA verfünffacht.

Chancen wittern die Münchner jetzt in Asien: Wann immer sie wollen, können die dortigen Entwickler Metaio-Software downloaden. Sprachbarrieren gibt es nicht. Die Entwickler vor Ort lassen, was sie auf der deutsch- und englischsprachigen Metaio-Site nicht verstehen, durch Online-Übersetzungsdienste laufen, weiß Gelder: „Der Direktvertrieb von Software kennt keine Grenzen mehr.“ ❚

K.SCHREIBER/S. VIESER


Der Vertrieb von digitalen Gütern: Das gilt es zu beachten

❚ Digitale Güter wie Software oder Apps werden im Direktvertrieb verkauft – und sind somit sofort weltweit verfügbar: Neben der deutschen Website sollte es daher mindestens eine englische Variante geben.

❚ Abos, Freemium, Nutzungsgebühren: Es gibt viele Erlösmodelle für den Vertrieb digitaler Güter. Sie sollten standardisiert und gut verständlich sein und sich mit wenigen Klicks realisieren lassen.

❚ Knackpunkt beim Verkauf digitaler Güter ist der Download: Er muss für Käufer einfach zu bewerkstelligen sein und sicher funktionieren. Spezialisierte Shop- und Bezahlsysteme bieten bewährte Technik.

❚ Kreditkarte und Paypal allein reichen nicht. Wer international verkauft, braucht mehrere Bezahlmethoden, die weltweit akzeptiert und bekannt sind.

❚ App Store und Google Play sind die bekanntesten App-Börsen. Wer sie umgehen will, muss selbst für sein Produkt trommeln, Apps, Software oder E-Books selbst bekannt und vor allem im Internet auffindbar machen.

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