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CONTENT-MANAGEMENT-SYSTEM

Unter einem gemeinsamen Dach

Typo3 CMS, Typo3 Flow und Typo3 Neos – das weitverbreitete Content-Management-System auf Open-Source-Basis wurde aufgefrischt und zukunftstauglich gemacht

Typo3 ist die Dachmarke für das alte und das neue CMS

Im Jahr 2001 wurde die erste Version von Typo3 veröffentlicht, seitdem ist das Content-Management-System, kurz CMS, aus der Internet-Landschaft nicht mehr wegzudenken. Rund 500.000 Mal wurde die Lösung weltweit bislang für Projekte aller Art eingesetzt, schätzt die Typo3 Association, die Entwickler-Community der Open-Source-Software. Etliche Großprojekte wie etwa die Website des Deutschen Fußball-Bundes, des Landes Sachsen-Anhalt, der Technischen Universität Berlin oder der Partei Bündnis 90/Die Grünen wurden damit realisiert.

Neos wird erstmals vorgestellt

Nun steht eine umfassende Weiterentwicklung des Systems auf dem Programm: Am 10. Dezember wird die Version 1.0 von Typo3 Neos vorgestellt. Damit kommt eine völlig neue Ausgabe des Content-Management-Systems auf den Markt, die sich neben dem etablierten Typo3-System behaupten soll.

Grund dafür ist, dass die Entwickler in ihrem Bemühen, das System zu modernisieren, schnell erkannt haben, dass es einige grundlegende Änderungen geben muss, um beispielsweise die wachsenden Anforderungen für das Responsive Design erfüllen zu können. In der Folge entstand zunächst einmal ein komplett neues Framework, also ein Programmiergerüst, das unabhängig vom Content-Management-System für Web-Projekte eingesetzt werden kann. Dieses Framework ist seit zwei Jahren unter der Bezeichnung Typo3 Flow verfügbar. Auf der Basis dieser Programmierarchitektur haben die Entwickler nun Typo3 Neos als Content-Management-System aufgesetzt.

Und das ist zugleich der große Vorteil von Typo3 Neos: Wurde beispielsweise ein Web-Projekt mittels Typo3 Flow realisiert, so lässt sich ohne nachträgliche Anpassung später das Content-Management-System Typo3 Neos andocken. Denn mit Typo3 Flow steht das derzeit modernste Framework für die Programmiersprache PHP zur Verfügung, so die Einschätzung der Entwickler. Zudem lässt sich durch diese Verknüpfung ein heutzutage üblicher Relaunch einer Website im laufenden Betrieb deutlich leichter umsetzen. Damit wird Typo3 Neos zu einem maximal erweiterbaren CMS, das auch umfassenden Enterprise-Anforderungen genügt.

Typo 3 CMS bleibt

Dennoch wird auch die bestehende Lösung künftig weiterentwickelt; sie ist seit April dieses Jahres in der neuen Version 6.1 verfügbar. Um die Systeme unterscheidbar zu machen, kam die Typo3 Association überein, die Bezeichnung Typo3 künftig als Dachmarke zu verwenden, unter der die etablierte Version mit dem Namen Typo3 CMS neben Typo3 Neos und Flow ihren Platz findet.

Der Vorteil von Typo3 CMS ist, dass eine große Zahl an Erweiterungen, sogenannte Extensions, verfügbar ist, damit liegen für viele Anwendungsbereiche bereits fertig programmierte Module vor. Gleichzeitig fließen die Erfahrungen mit Typo3 Neos und Flow wieder in das bestehende Typo3 CMS zurück, sodass auch hier eine ständige Anpassung an neue Anforderungen gegeben ist.

Welche Zukunftschancen Typo3 hat und wo die Vor- und die Nachteile des Systems liegen, umreißen Agenturvertreter. cf


Team Lead Service bei Commerce Plus

KATRIN LANGE

Wo sehen Sie die Vorteile und die Nachteile von Typo3?

„Ein wesentlicher Vorteil ist, dass Typo3 ein Open-Source-System ist. Somit fallen keine Lizenzkosten an. Außerdem verfügt Typo3 über eine sehr große Community, die beispielsweise Sicherheitslücken zeitnah fixt. Und: Das System ist einfach zu bedienen. Redakteure, die oft beim Kunden sitzen, können schnell eingearbeitet werden, große Programmierkenntnisse sind nicht notwendig.

Wenn aber die verfügbaren Erweiterungen nicht ausreichen und eigener Programmieraufwand anfällt, wird es kompliziert. Solche Anpassung können sehr komplex werden und erfordern Fachwissen auf Seiten der Entwickler. Zudem ist es nicht möglich, ohne Fachkenntnisse ein neues Template zu bauen. Ein anderer Nachteil ist, dass beliebte Systeme, die viel genutzt werden – und Typo3 gehört dazu – mit Vorliebe gehackt werden. “


Geschäftsführer von Networkteam

CHRISTOPHER HLUBEK

Was halten Sie von Typo3 Flow und Typo3 Neos?

„Wir setzen Typo3 Flow bereits seit der ersten Version für umfangreiche Web-Projekte ein und haben unseren Entwicklungsprozess für individuelle Web-Applikationen darauf umgestellt. Dabei zeichnet sich das System durch das sehr strukturierte Vorgehen und die Modellierungsmöglichkeiten für komplexe Geschäftsmodelle aus.

Mit Typo3 Neos werden wir in Zukunft innovativ editierbare Webseiten implementieren können und mit Typo3 Flow als darunterliegendem Framework eine gute Basis für individuelle Entwicklungen haben. So können wir unseren Kunden eine innovative und effiziente Bearbeitungsmöglichkeit bieten und sind für individuelle Erweiterungen offen. Die Grenzen zwischen klassischen Webseiten mit CMS und Web-Applikationen werden dadurch noch weiter verschwimmen. Durch die neuen Möglichkeiten bei der Implementierung von Webseiten mit Typo3 Neos können wir Entwicklungsressourcen sparen und oftmals auf aufwendige Eigenentwicklungen verzichten. Durch die zwei CMS-Produkte kann das Typo3-Projekt jetzt flexibel auf neue Anforderungen und die bestehende Kundenbasis reagieren.“


Geschäftsführer von AOE Media

KIAN T. GOULD

Wie sehen Sie die Zukunftschancen von Typo3 Neos?

„Typo3 Flow und Typo3 Neos sind die natürlichen Weiterentwicklungen des aus meiner Sicht ausgereiftesten Open-Source-CMS auf dem Markt. Derzeit gibt es weder ein Application Framework, das so speziell an die Bedürfnisse von Content-lastigen Webseiten und Portalen ausgelegt ist, noch gibt es ein PHP-basiertes CMS, das mit einer ähnlich Enterprise-fähigen Architektur daherkommt.

Auch wenn die Entwicklungszeit deutlich länger war, als ich mir das gewünscht habe, ist Typo3 Neos dennoch auf dem besten Weg, den aktuellen kommerziellen Platzhirschen wie Adobe CQ5 das Wasser zu reichen. Wir setzen Flow bereits für diverse Projekte unter anderem für die Deutsche Telekom ein. Dabei mussten wir natürlich auch die Stolpersteine akzeptieren, die es bei Alpha- und Betaversionen einer Software in den Anfängen noch gibt.“


Leiter Konzeption bei Sitegeist Media Solutions

SVEN DITZ

Warum nutzen Sie in Projekten Typo3?

„Typo3 ist zurzeit das einzige CMS, das wir nutzen, weil es uns die besten und flexibelsten Möglichkeiten bietet. Außerdem ist es aktuell unter den Open-Source-Content-Management-Systemen das einzige Enterprise-Content-Management-System. Generell nutzen wir Open-Source-Systeme nicht nur aufgrund der Lizenzkostenfreiheit, sondern aus Dienst an unseren Kunden. Kommerzielle CMS bedingen meist, dass nur wenige Agenturen in der Lage sind, Änderungen beziehungsweise Erweiterungen zu programmieren. Mit so großen Open-Source-Systemen wie Typo3 hat der Kunde immer die Möglichkeit, den Dienstleister zu wechseln.“


Geschäftsführer von Punkt.de

JÜRGEN EGELING

Wie schätzen Sie die Zukunft von Typo3 ein?

„Ich denke, Typo3 Neos wird der Nachfolger von Typo3 werden. Ich hoffe, dass die Entwickler die Chance erkennen, die Mächtigkeit vom existierenden Typo3 zum neuen Typo3 Neos zu portieren und anschließend den Anwendern einfache Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, den Content aus alten Typo3-Projekten zu übernehmen. Wenn das gelingt, dann wird Typo3 Neos den Markt der Content-Management-Systeme aufrütteln, da bisher nur Typo3 Neos zukunftsfähige Content-Verwaltungsstrategien bereitstellt. Wir hoffen, dass Typo3 Neos sich sehr bald in Projekten einsetzen lässt. Die Vorstellungen auf der diesjährigen Typo3-Konferenz Ende Oktober lassen da hoffen.“


Geschäftsführer DKD Internet Service

SÖREN SCHAFFSTEIN

Wo sehen Sie Nachteile von Typo3?

„Einer der Hauptnachteile ist gleichzeitig der größte Vorteil von Typo3 CMS: der großen Funktionsumfang. Dadurch ist das Nutzererlebnis an manchen Stellen nicht optimal. Doch genau deshalb hat die Typo3 Community in den letzten Jahren Typo3 Neos entwickelt. Typo3 Neos wurde von Grund auf neu entwickelt und ein riesiger Erfahrungsschatz aus Typo3 CMS ist dort eingeflossen. Auch wenn Neos noch lange nicht den Funktionsumfang von Typo3 CMS erreicht hat, sind die neuen Konzepte für den Redakteur und dessen typische Workflows richtungsweisend im Web-CMS-Umfeld. Damit hat Typo3 beste Voraussetzungen für eine blühende Zukunft geschaffen. Mit Typo3 CMS steht ein sehr ausgereiftes und vom Funktionsumfang äußerst umfangreiches Produkt für Benutzer mit hohen Ansprüchen an die Funktionalität zur Verfügung.“


Geschäftsführer E-Net Consulting

VOLKER GRAUBAUM

Warum nutzen Sie in Projekten Typo3?

„Typo3 CMS ist ein etabliertes und technisch fortgeschrittenes System, mit dem sich auch kleine Projekte umsetzen lassen. Seine Stärken voll entfalten kann das System natürlich am besten bei Projekten in der Größe von circa 60 bis 200 Personentagen. Viele technische Herausforderungen sind bereits gelöst oder lassen sich einfach lösen. Die klare Trennung von Daten und Programmcode beziehungsweise Datenstrukturen sind ein Vorteil etwa gegenüber Drupal, das Strukturen in der Datenbank speichert, was umfangreiche Änderungen oder Ergänzungen an dem System verkompliziert. Typo3 hat im Gegensatz etwa zu eZ Publish die breitere Nutzerstruktur im deutschsprachigen Raum und es fallen keine hohen Lizenzkosten an, wie es beispielsweise bei First Spirit der Fall ist. Dazu kommt, dass Typo3 nicht für einen konkreten Einsatzzweck entwickelt wurde wie etwa Wordpress. Als Alternative bei kleineren Projekten bietet sich hier Typo3 Neos an, das einen besonderen Schwerpunkt auf die Usability setzt.“

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