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KOMMENTAR

Das Schweigen der Fürsprecher

Daniela Zimmer, Redakteurin

Haben Sie in diesem Jahr auch Weihnachtsgeschenke im Web bestellt? Dann willkommen im Club der Innenstädtevernichter, Menschenausbeuter und Umweltschweine. Aber Glückwunsch, dass Sie Ihre Ware überhaupt bekommen haben. Schließlich weiß man ja, wie viele Ganoven sich im Web so herumtreiben.

Fürwahr: Einen besonders guten Ruf hatte der Handel in Deutschland noch nie. Doch die Hetzjagd, die derzeit quer durch die Medienlandschaft gegen den E-Commerce geführt wird, sucht schon ihresgleichen. Bei Günther Jauch darf Günter Wallraff dem Online-Handel mehr oder weniger unwidersprochen die ganze Schuld für das Verkümmern unserer Kultur in die Schuhe schieben. Der „Stern“ titelt marktschreierisch „Die Wahrheit über Amazon“ und stilisiert den E-Commerce-Riesen einmal mehr zur eiskalten Profitmaschine. Und Tageszeitungen überschlagen sich mit Verbrauchertipps unter der Headline „So schützen Sie sich vor der Abzocke im Netz“.

Inzwischen trägt die anhaltende Negativkampagne gegen den Online-Handel erste Früchte: Im OC&C-Index der beliebtesten deutschen Handelsunternehmen rangierten im vergangenen Jahr noch fünf Web-Händler unter den Top 20. Jetzt sind es nur noch zwei. Die Menschen bestellen zwar noch aus Bequemlichkeit im Internet, aber sie tun es nicht mehr mit einem guten Gefühl. Stellt sich die Frage: Wo bleiben eigentlich die Fürsprecher des Online-Handels? Wann melden sich die zuständigen Branchenverbände laut und vernehmlich mit Gegenargumenten gegen die harsche Kritik zu Wort? Über 800.000 Beschäftigte im Online-Handel und 43 Millionen deutsche Webshopper stehen unter Generalverdacht – und ihre Verteidiger schweigen. Das ist ein Skandal!

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