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KOMMENTAR

Das Internet ist nicht genug

Susanne Gillner, Redaktion

Immer wieder übernimmt Google Firmen, die auf den ersten Blick nichts mit dem Kerngeschäft des Suchmaschinenriesen zu tun haben. So gab es in den vergangen Jahren kuriose Meldungen von Investitionen in Offshore-Windparks, in Mondroboter oder selbst fahrende Autos. Aktueller Coup: der Kauf von Nest Lab, ein Hersteller von netzwerkfähigen Thermostaten und Rauchmeldern.

Googles Astronautenpläne kann man (zumindest im Moment noch) getrost der Sparte „nette Spielerei“ zuordnen. Die neueste Akquisition jedoch fällt nicht in diese Kategorie. Dafür spricht schon der Kaufpreis: Den Erwerb ließ sich Google 3,2 Milliarden US-Dollar kosten. Das ist der zweitgrößte Firmenzukauf in der Unternehmensgeschichte nach Motorola Mobility (12,5 Milliarden US-Dollar).

Eine solche Summe macht klar: Google will sich bereits frühzeitig ein großes Stück vom lukrativen Smart-Home-Kuchen sichern – vor großen Konkurrenten wie Apple oder Samsung. Denn das Internet der Dinge, bei dem Alltagsgeräte online vernetzt werden, ist das Zukunftsthema und eine der größten digitalen Geschäfts-möglichkeiten.

Kleiner Nebeneffekt der Übernahme: Intelligente Haushaltsgeräte, wie sie Nest Labs produziert, sind mit dem Web verbunden und erlauben so das Sammeln höchst privater Daten. Sie registrieren, wann der Bewohner gerade zu Hause ist oder schläft, und liefern so wertvolle Hinweise zu täglichen Nutzungsgewohnheiten. Beim Einsatz automatisierter Geräte ist Google als Mitspieler also dabei. Der Vorwurf eine böse Datenkrake zu sein, dem sich der Konzern immer wieder zu Unrecht ausgesetzt fühlt, dürfte damit allerdings sicher nicht entkräftet werden.

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