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Leitstern verloren

Weltbild insolvent – Bistümer verweigern Geld für Sanierung – Zerschlagung droht

Die Augsburger Weltbild-Gruppe ist pleite. Zum Insolvenzverwalter des Verlags und Online-Buchhändlers wurde Arndt Geiwitz von der Ulmer Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner bestellt, der auch Schlecker abwickelte. Wie bei der Drogeriekette droht Weltbild die Zerschlagung. Unmittelbar betroffen sind 2.200 der insgesamt 6.800 Arbeitsplätze.

Die Insolvenz ist eine Folge von Managementfehlern und Streitigkeiten im Eignerkreis. Weltbild gehört zwölf Bistümern, dem Verband der deutschen Diözesen sowie der Militärseelsorge. 2010 schüttete das Unternehmen erstmals keine Gewinne mehr an die Bischöfe aus. Diese konnten sich nur schwer über die Strategie einigen und suchten vergeblich einen Käufer. Obwohl die Krise, vor allem aber der wachsende Wettbewerb, schnelles Handeln verlangte, musste der Aufsichtsrat jede Managemententscheidung durch den zerstrittenen Inhaberkreis und dessen Gremien absegnen lassen. „Von Marktprognosen und handelsrechtlichen Inhalten waren die meisten Kirchenleute komplett überfordert“, sagt ein Eingeweihter. Und dem Management fehlte eine Vision, wie es mit der Konkurrenz im Internet und den sinkenden Einnahmen aus dem Buchgeschäft umgehen sollte. „Uns ist der Leitstern abhanden gekommen“, ließ die Weltbild-Geschäftsführung wissen.

Die Strategie, Umsatzverluste durch den Verkauf von Billigware wie Dekoartikel und Elektronik auszugleichen, ging nicht auf, verschreckte sogar werteorientierte Kunden. Ein Gutachten der KPMG bemängelt zudem eine überdimensionierte IT und eine fehlende „integrierte Unternehmensplanung“. Noch im Oktober hatte die KPMG Weltbild „Sanierungsfähigkeit“ attestiert. Dass sich aber ein Geldgeber der Herkulesaufgabe stellt, ist eher unwahrscheinlich, zumal die Banken ebenfalls den Stecker gezogen haben. Den größten Teil der Rendite erbrachte zuletzt die Deutsche Buch Handels GmbH (DBH), ein Joint Venture mit Hugendubel, in das Weltbild seine mehr als 300 Filialen eingebracht hatte. Die Stärken des Partners glichen die Schwächen der Weltbild-Filialen, zu denen die Marken Jokers, Weiland und Wohlthat gehören, aus. Zum 31. Januar sollte die Gemeinschaft auf Drängen von Hugendubel aufgelöst werden – wie stark die Pleite den Partner betrifft, ist unklar. Ebenso unsicher ist die Zukunft von Buecher.de, einem Gemeinschaftsunternehmen von Weltbild zusammen mit Axel Springer sowie Holtzbrinck. vs

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