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Tradedoubler schrumpft

Performance-Netzwerk trennt sich von Display Advertising und baut Personal ab

Führen gemeinsam: Matthias Stadelmeyer, neuer Regional Manager DACH (l.), und der neue Tradedoubler-COO Andrew Buckman

Für Unruhe sorgt die derzeitige Umstrukturierung beim schwedischen Performance-Marketing-Experten Tradedoubler. Büros werden geschlossen, Personal abgebaut. Rund 40 Mitarbeiter hatte die Tradedoubler-Niederlassung in München, fünf Stellen wurden nach Unternehmensangaben jetzt abgebaut. „Die Mitarbeiter waren nicht besonders überrascht“, so fasst Matthias Stadelmeyer die Stimmung im Münchner Tradedoubler-Büro zusammen. Als Regional Manager DACH ist er jetzt für die Geschicke des Unternehmens im deutschsprachigen Raum verantwortlich. Er folgt auf Stephan Boos, der erst im September 2013 zu Tradedoubler kam und jetzt wieder gegangen ist – ob aus eigenem Entschluss, ist nicht bekannt.

Jeder Fünfte muss gehen

In Finnland und Dänemark machte der schwedische Performance-Marketing-Spezialist seine Büros komplett zu. Europaweit sollen rund 20 Prozent der 450 Mitarbeiter gehen. Bestätigen mag Stadelmeyer diese Zahlen nicht. Doch soll allein der Personalabbau rund sechs Millionen Euro im Jahr einsparen.

Während manche Branchenbeobachter die Entlassungen mit der momentanen Schwäche im Partnerprogrammsektor zu deuten versuchen, lautet die offizielle Erklärung anders: Tradedoubler zieht sich sukzessive aus dem Display Advertising zurück. Das Volumen der Display-Kampagnen sei seit geraumer Zeit rückläufig. In England wurde der Schnitt schon Anfang 2013 vollzogen, in Italien bleibt Display vorerst im Programm. Die Schließung der Büros in Finnland und Dänemark erklärt Stadelmeyer mit der Struktur der nordischen Kunden. „Die meisten von ihnen sind in ganz Skandinavien aktiv und können deshalb von Schweden aus betreut werden.“

Christian Kleinsorge, Chef des Performance-Technologieanbieters Ingenious Technologies, sieht die Situation des schwedischen Affiliate-Netzwerkbetreibers in einem anderen Licht: „Wenn große Werbekunden sehen, dass sie nur 20 Publisher betreuen müssen, die ihnen fast alle Sales liefern, dann überlegen sie automatisch, dass sie dafür nicht den Overhead eines großen Netzwerks brauchen.“ Ex-Zanox-Mann Kleinsorge hat sich mit seiner Firma, die früher Zieltraffic hieß, auf die Entwicklung von Tools spezialisiert, die solche Werbekunden dann brauchen.

Auch Stadelmeyer setzt auf Technologie. Zukünftig sollen das Affiliate Marketing und die dazugehörige Technik gemeinsam gemanagt werden. Das soll Geld sparen. Im Performance-Bereich will Tradedoubler 2014 durch Firmenübernahmen wachsen und hat sich zu diesem Zweck die Kasse gefüllt. Eine Anleihe in Höhe von 250 Millionen Schwedenkronen (ca. 30 Millionen Euro) wurde Ende 2013 ausgegeben und ist bereits überzeichnet. Zusammen mit den Barreserven summiert sich das frische Geld nach Unternehmensangaben auf rund 50 Millionen Euro – genug für den einen oder anderen Firmenkauf. fk

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