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Städte seltener Einkaufsziel

Eine aktuelle Studie zeigt: Verbraucher fahren immer weniger in die Innenstadt

Innenstädte müssen sich mit innovativen Konzepten gegen das Web wehren

Schlechte Nachrichten für den stationären Handel: Einer aktuellen Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln zufolge fährt mehr als jeder dritte Verbraucher seltener ins Stadtzentrum als früher. Die benötigten Produkte werden stattdessen verstärkt im Web bestellt. Bei der Befragung von rund 1.000 Konsumenten zeigte sich auch: Es sind vor allem die Frauen, die auf den Stadtbummel verzichten und stattdessen zu Maus oder Tablet greifen. Bei ihnen liegt der Anteil derjenigen, die ihre Stadtfahrten reduzierten, bei 40,5 Prozent. Auch stationäre Händler in den Randgebieten leiden besonders unter dem Aufschwung im E-Commerce: Mehr als jeder vierte Konsument gab an, aufgrund des bequemen Online-Kanals weniger in Möbelhäusern, Baumärkten oder sonstigen Fachmärkten zu kaufen.

Weihnachtseinkauf erfolgt im Web

Besonders stark zeigte sich der Trend, die Innenstadt zu meiden, im diesjährigen Weihnachtsgeschäft. Trotz des sehr milden Wetters in der Vorweihnachtszeit zogen die Konsumenten den Online-Einkauf einem gemütlichen Zug durch die Geschäfte der Innenstadt vor. Der E-Payment-Dienstleister Ogone verzeichnete im Dezember 2013 37 Prozent mehr Online-Transaktionen als im Vorjahresmonat. Vor allem die stark wachsende Tablet- und Smartphone-Dichte sowie verbesserte Liefer- und Rücksendebedingungen beflügeln den Online-Absatz enorm, beobachtet Christoph Jung, Head of Sales DACH bei Ogone.

Allerdings gräbt der Online-Handel laut der IFH-Umfrage nicht nur Frequenz auf der Fläche ab, sondern kann stationären Händlern auch zu Zusatzumsätzen verhelfen, die ohne Online-Kanal nicht getätigt würden. So gaben immerhin 22,8 Prozent der Befragten an, ihre Fahrten in die Stadt hätten sich nicht verringert, obwohl sie online einkaufen. In Randgebieten liegt der Anteil bei 24,6 Prozent. Diese Kunden nutzen das Internet unter anderem als Showroom für den stationären Handel. Denn wie eine ältere IFH-Untersuchung zeigte, wird nahezu die Hälfte des stationären Umsatzes durch Online-Recherchen vorbereitet. Dennoch beobachtet auch der Handelsverband Deutschland (HDE) die Entwicklung im Handel mit Sorge. Zwar seien die Top-Standorte in Deutschland nach wie vor sehr attraktiv und das bleibe auch 2014 so, argumentiert HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Doch das anhaltende Wachstum im Bereich E-Commerce erhöhe den Innovationsdruck auf den innerstädtischen Handel.

Was bisher funktionierte, ist überholt

Bewährte Konzepte im stationären Handel müssen neu gedacht werden, so Genth. Weil der Web-Handel bislang insbesondere mit innenstadttypischen Produkten erfolgreich sei, seien in den Stadtzentren neue Ideen gefragt. Alles in allem befindet sich der Einzelhandel aus HDE-Sicht „im größten Strukturwandel seit Einführung der Selbstbedienung“. dz

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